Wildwest auf dem Hanffeld

Ein Landwirt verteidigte mit einem Kollegen seinen Hanf gegen Diebe. Wegen der Wildwestszene stehen die beiden Männer nun vor Gericht. Dabei war der Hanf doch nur als Futter für die Ferkel gedacht.

In Niedermuhlern eskalierte ein Streit zwischen Hanfdieben und dem Hanfbauern. Dabei wurde mit Schrot geschossen und mit einer Mistgabel zugestochen.

In Niedermuhlern eskalierte ein Streit zwischen Hanfdieben und dem Hanfbauern. Dabei wurde mit Schrot geschossen und mit einer Mistgabel zugestochen.

(Bild: iStock/Symbolbild)

Hans Ulrich Schaad

Der Landwirt vom Längenberg pries den Hanf als wahres Wundermittel bei der Schweinemast an. Dem Futter beigemischt, beruhige er die Tiere, steigere den Appetit, die Ferkel würden mehr trinken. Gerade in jener Phase, wo die Ferkel von den Muttersauen getrennt werden. «Ein natürlicher Leistungsförderer», fasste der Mittfünfziger am Dienstag vor dem Regionalgericht zusammen. Und die Tierarztkosten seien um bis zu zwei Drittel tiefer.

Er habe gedacht, es gebe keine Probleme, wenn er den Hanf den Tieren verfüttere, führte der Bauer weiter aus. Da habe er sich wohl geirrt. Dass sein Hanf einen THC-Wert von bis zu 10 Prozent aufwies, habe er nicht gewusst: «Den THC-Wert habe ich nicht analysiert. Er interessierte mich nicht.»

Hanf war bewacht

Für den berauschenden Inhaltsstoff interessierten sich Anfang Oktober 2016 aber einige Hanfdiebe. Mitten in der Nacht suchten sie den Hof in Niedermuhlern auf. Dort wurden sie erwartet. Der Landwirt hatte genau in jener Nacht einen Kollegen aufgeboten, um das angebliche Schweinefutter zu bewachen.

In der Folge entwickelte sich eine Wildwestszene. Dabei wurde mit Schrot geschossen und mit einer Mistgabel zugestochen. Einer der Eindringlinge landete geschlagen und gefesselt für rund zwei Stunden eingesperrt in einem Rübenkeller, bevor er auf einem Feld wieder freige­lassen wurde.

Wie viele Hanfdiebe in dieser Nacht am Werk waren, ist nicht geklärt. Nur einer konnte identifiziert werden: jener, der für ein paar Stunden eingesperrt worden ist. Er schilderte am Dienstag vor Gericht, wie er den Vorfall erlebt hat. Wie er von den beiden Männern entdeckt worden ist und fliehen wollte.

«Sie verfolgten mich und haben mit Gummischrot auf mich geschossen.» Später wurde er gestellt. Er habe Schläge mit dem Gewehrkolben und einem Baseballschläger erhalten. Mit Kabelbinder gefesselt, sei er auf einen Pick-up geworfen und zum Hof gebracht worden, wo er unsanft im Keller landete.

Seine Komplizen drangen kurz darauf in die Tenne ein, wo es zum Rencontre mit dem Bauern kam. Einer der Unbekannten durchbohrte ihm mit einer Mistgabel die Hand. Der Landwirt wechselte beim Gewehr das Magazin von Gummischrot auf Bleischrot und schoss in Richtung der Gruppe. «Ich fühlte mich in Lebensgefahr», begründete er. Da sei das Ganze aus dem Ruder gelaufen.

Happige Vorwürfe

Die Polizei erfuhr drei Wochen später von den Vorfällen. Sie führte auf dem Hof eine Hausdurchsuchung durch. Anwohner hatten gemeldet, dass der Landwirt Drogenhanf anpflanze.Keine Seite wollte, dass die Sache ans Licht kommt, deutete die Staatsanwältin an. Beide seien sowohl Täter als auch Opfer.

Die Vorwürfe der Staatsanwältin an die beiden Beschuldigten, vor allem gegen den Landwirt, sind happig. Es geht um versuchte schwere Körperver­letzung, Freiheitsberaubung, Nötigung, Verstösse gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Die Staatsanwältin nimmt dem Landwirt die Story mit dem Tierfutter nicht ab. Zumal er wegen Hanfanbaus vorbestraft ist. Beim Vorfall habe es sich um keine erlaubte Selbsthilfe gehandelt. Mit dem Bleischrot habe er eine schwere Verletzung in Kauf genommen. Auch das Gummischrot auf den bereits Flüchtenden sei überflüssig gewesen. Sie forderte eine Gefängnisstrafe von insgesamt 61 Monaten, wobei sie die 2015 bedingt ausgesprochene Strafe von 24 Monaten mit einrechnete. Für den Kollegen, der vor Gericht die Aussage verweigerte, verlangte sie eine bedingte Gefängnisstrafe von 15 Monaten.

Durften sich wehren

Die beiden Verteidiger verlangten Freisprüche in allen Hauptanklagepunkte und Bussen in Nebenpunkten. Der Landwirt und sein Kollege seien die wahren Opfer gewesen. «Der Angriff war ein grobes Unrecht. Siedurften sich angemessen wehren, auch mit Gewalt», sagte der eine Verteidiger. Die Aussagen des Opfers seien ein Wirrwarr. Auf diese dürfe nicht abgestellt werden.

Das Gericht wird das Urteil am Mittwochnachmittag eröffnen.

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