«Wir wollten kein Hochrisiko»

Bolligen/Ittigen/Ostermundigen

Der Stiftungsrat der maroden Pensionskasse Bolligen-Ittigen-Ostermundigen steht in der Kritik. Nun setzt sich die Präsidentin zur Wehr: Man habe fast gleich viel Rendite erzielt wie andere Kassen.

Die Gemeinden Bolligen, Ittigen und Ostermundigen haben ein Problem: In ihrer Pensionskasse klafft ein Loch von 36 Millionen Franken.

Die Gemeinden Bolligen, Ittigen und Ostermundigen haben ein Problem: In ihrer Pensionskasse klafft ein Loch von 36 Millionen Franken.

Markus Zahno

Es ist starker Tobak, den Colette Nova und Hans Flury auftischen. In einem 13-seitigen Papier analysieren sie die Gründe für die desolate Lage der Pensionskasse Bolligen-Ittigen-Ostermundigen (PVS BIO), die Ende 2013 mit über 36 Millionen Franken im Minus war. Nova und Flury – beide ausgewiesene Fachleute – kommen zum Schluss: Hätte der Stiftungsrat der PVS BIO seine Arbeit gut gemacht, stünde die Kasse heute viel besser da.

Über 10 Millionen Franken

Ursula Lüthy kam 2012 in den Stiftungsrat und ist seit 2014 Präsidentin. Viele der kritisierten Fehler passierten vor ihrer Amtszeit. «Im Nachhinein lässt sich leicht sagen, der Stiftungsrat hätte anders entscheiden sollen», sagt Lüthy. Nach der Immobilien- und Bankenkrise 2008 habe die Kasse 2009 wieder «sehr gute Erträge erzielt».

Laut Nova und Flury war die PVS BIO gegenüber den Arbeitnehmern zu lange zu grosszügig und hätte längst auf das Beitragsprimat wechseln sollen. Dieses Szenario sei 2012 abermals berechnet worden, kontert Ursula Lüthy. Dabei habe sich gezeigt, dass der Primatwechsel weit über 10 Millionen Franken kosten würde. Deshalb habe der Pensionskassenexperte dem Stiftungsrat empfohlen, den Wechsel ins Beitragsprimat zu verschieben, bis die Kasse wieder besser dastehe. Für die Erhöhung des Deckungsgrades schlug der Experte laut Lüthy eine «Sanierung in kleinen Schritten» vor. Der Stiftungsrat vertraute dieser Einschätzung – zu sehr, wie sich nun zeigt. Der besagte Experte ist mittlerweile pensioniert.

Pensionsalter erhöht

Ein weiterer Kritikpunkt an der PVS BIO ist die «miserable Anlagerendite». Lüthy hält dem entgegen, die Kasse habe von 2009 bis 2013 eine durchschnittliche Rendite von 4,7 Prozent erzielt. Damit liege sie nur 0,5 Prozent unter dem Schnitt vergleichbarer Kassen. «Der Grund dafür ist, dass wir keine Hochrisikostrategie fuhren.» Nicht einverstanden ist die Stiftungsratspräsidentin mit der Kritik, der Stiftungsrat der PVS BIO habe trotz jahrelanger Unterdeckung kaum echte Sanierungsmassnahmen beschlossen. Es habe mehrere einschneidende Massnahmen gegeben, so Lüthy.

2013 zum Beispiel sei das Pensionsalter von 63 auf 65 Jahre erhöht und zugleich der maximale Rentensatz gesenkt worden. Mit anderen Worten: Wer sich mit 63 pensionieren liess, kassierte früher eine höhere Rente als der, der heute mit 65 aufhört. Bevor die Änderung in Kraft trat, liessen sich viele Angestellte – zum Teil auch aus dem Kader – vorzeitig pensionieren, um noch in den Genuss der grosszügigeren Regelung zu kommen.

Noch 7 Jahre Zeit

So oder so schaffte es die PVS BIO nicht, aus der Unterdeckung zu kommen. Bis 2022 hat der Stiftungsrat nun Zeit für die Sanierung. «Nachdem bisher vor allem zulasten der Arbeitnehmer gekürzt wurde, wird es jetzt vor allem die Arbeitgeber treffen», sagt Ursula Lüthy. Rund 20 Institutionen sind derzeit der PVS BIO angeschlossen; nebst Bolligen, Ittigen und Ostermundigen unter anderem die Gemeinde Jegenstorf, die Musikschule Unteres Worblental sowie Spitex-Vereine. Sie alle müssen sich nun zu den Sanierungsplänen äussern. Wie die Sanierung vonstatten geht, soll Mitte Jahr bekannt werden.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt