Wird das Lehrerhaus privat?

Seeberg

Der Seeberger Gemeinderat möchte das Lehrerhaus veräussern. Das Zweifamilienhaus ist sanierungsbedürftig und wirft nicht genügend Rendite ab. Neuer Wohnraum soll im Schulhaus entstehen.

Soll in private Hände wechseln: Das alte Lehrerhaus in Seeberg.

Soll in private Hände wechseln: Das alte Lehrerhaus in Seeberg.

(Bild: Thomas Peter)

Sebastian Weber

Das Lehrerhaus in Seeberg ist in die Jahre gekommen. An der 1971 erbauten Liegenschaft an der Leinackerstrasse 31 wurden zwar immer wieder kleinere Unterhaltsarbeiten ausgeführt, eine grössere Sanierung jedoch wurde keine vorgenommen. Kürzlich hat ein Gutachten bestätigt, was bereits 2009 abgeklärt worden war: Für das Gebäude besteht ein erheblicher Sanierungsbedarf.

Insbesondere die Küchen- und Sanitärräume sind seit 46 Jahren im Originalzustand und müssen zwingend saniert werden. Hinzu kommen eine Fassaden- und Dachsanierung. Vor rund 8 Jahren war eine Kostenschätzung noch von Investitionen in Höhe von 270 000 Franken ausgegangen. «Dies würde heute wahrscheinlich nicht mehr ausreichen», sagt Gemeindepräsident Roland Grütter (BDP).

«Nicht mehr unsere Aufgabe»

Der Gemeinderat hatte sich bereits 2014, als er eine Immobilienstrategie für die gemeindeeigenen Liegenschaften ausarbeiten liess, mit der Zukunft des Lehrerhauses beschäftigt. «Wir haben damals intern festgehalten, dass wir einen Entscheid fällen müssen, sobald es in dieser Liegenschaft zu einem Wechsel kommt.» Dieser hat nun stattgefunden: Die Mieter der unteren Wohnung haben das Haus, das auf zwei Etagen über je eine 4-Zimmer-Wohnung verfügt, kürzlich verlassen. «Nun müssen wir uns mit der Zukunft der Liegenschaft auseinandersetzen und einen Entschluss fassen», so Grütter.

Wobei die Grundsatzfrage geklärt werden müsse, ob die Liegenschaft überhaupt im Besitz der Gemeinde bleiben oder an einen Privaten verkauft werden soll. Dies vor dem Hintergrund, dass das Lehrerhaus schon seit über 20 Jahren nicht mehr als solches genutzt wird. Das Grundstück ist als Anlage Bestandteil des Finanzvermögens und dient somit keiner öffentlichen Aufgabe mehr.

Entscheidend ist für den Gemeinderat die Tatsache, dass das Lehrerhaus trotz Investitionen nicht mehr genügend Rendite abwirft. Ebendies wird aber gemäss Immobilienstrategie von den gemeindeeigenen Mietwohnungen verlangt. Kommt hinzu, dass in den nächsten Jahren auch in anderen Gemeindeliegenschaften grössere Sanierungs- und Unterhaltsmassnahmen anstehen.

Letztlich habe der Gemeinderat, erklärt Grütter, eine Interessenabwägung vornehmen müssen. Das Gremium sei zum Schluss gekommen, dass der Erhalt und die weitere Nutzung des Lehrerhauses nicht mehr Aufgabe der Gemeinde seien. Das 758 Quadratmeter grosse Grundstück, das einen amtlichen Wert von gut 400 000 Franken hat, soll nun zu den bestmöglichen Konditionen veräussert werden.

Der Gemeindepräsident ist sich bewusst, dass der Verkauf des Lehrerhauses dem Ziel widerspricht, dass in allen Ortsteilen Mietwohnungsangebote durch die Gemeinde vorhanden sein sollen. Am nötigen Wohnraum werde es dennoch im Dorf künftig nicht fehlen, meint Grütter und verweist darauf, dass sich der ­Gemeinderat derzeit intensiv mit der Nachfolgelösung für das Schulhausareal beschäftigt.

Das Projekt «Generationen Wohnen Seeberg» sieht vor, dass auf dem Areal neue genossenschaftlich betriebene Wohnungen entstehen sollen. Auch das Schulhaus weist einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Wie viel Geld die Gemeinde in dieses Projekt investieren müsse, lasse sich derzeit aber noch nicht abschätzen, sagt Grütter.

Kein Mindestkaufpreis

Für den Verkauf des Lehrerhauses muss sich der Gemeinderat nun zuerst am 7. Dezember die Zustimmung der Gemeindeversammlung einholen. Ohne diese konnte bisher auch noch nicht geprüft werden, wie der Markt für ein solches Objekt aussieht und ob es Interessenten dafür gibt. Auf die Festlegung eines Mindestkaufpreises durch die Gemeindeversammlung wird daher verzichtet. Wird der Antrag des Gemeinderates angenommen, soll der Verkauf laut Roland Grütter kommendes Jahr über die Bühne gehen.

Langenthaler Tagblatt

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