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Wohin mit der Kunst am Bollwerk?

26 Jahre lang zierte Peter Radelfingers «Schatten in der Stadt – eine Verfolgung» drei Wände am Bollwerk. Nun ist die eine Figur entfernt worden, was die Diskussion um Kunst im öffentlichen Raum neu lanciert hat.

Wer verfolgte hier wen? 26 Jahre lang prägte das Werk des Berner Künstlers Peter Radelfinger das Bollwerk, im April wurde es weggeputzt.
Wer verfolgte hier wen? 26 Jahre lang prägte das Werk des Berner Künstlers Peter Radelfinger das Bollwerk, im April wurde es weggeputzt.
Peter Radelfinger/zvg

Die einen glaubten, es handle sich um Graffitis. Die anderen dachten, der Zürcher Sprayerkönig Harald Naegeli habe sich vor Jahren auch am Berner Bollwerk verewigt. Jedenfalls liess die SBB kürzlich eine der fliehenden Gestalten anlässlich der Sanierung des Stellwerkgebäudes kurzerhand entfernen (wir berichteten).

«Schatten in der Stadt – eine Verfolgung», so heisst das Kunstwerk, welches nun teilweise verschwunden ist. Es stammt weder von einem namenlosen Sprayer noch von Naegeli. Nein, der Berner Künstler Peter Radelfinger hat die Figuren 1983 anlässlich der Eröffnung des zweiten Erweiterungsbaus des Kunstmuseums ans Bollwerk gesprayt. Die Aktion war von den Behörden bewilligt. Geärgert habe er sich nicht, als er von der Reinigungsaktion der SBB erfahren habe, sagt Radelfinger. «Im Laufe der Jahre hat sich mein Kunstwerk sowieso stetig verändert.» Seine Gestalten bekamen Gesellschaft von anderen Sprayfiguren. «Das hat für mich gestimmt», sagt Radelfinger. Denn: Kunst sei für ihn auch ein Prozess.

Werk wird nicht restauriert

Diesen Prozess will der Künstler denn auch nicht aufhalten oder gar rückgängig machen. «Mein Werk soll nicht restauriert werden. Es ist ein Zeitzeugnis.»

Er nutzt aber die Aufmerksamkeit für sein Werk, um das Thema Kunst im öffentlichen Raum erneut zu lancieren. «Ich will dazu beitragen, dass am Bollwerk etwas Neues entstehen kann.» Die Stadt habe ihn gebeten, seine Ideen für den Raum Bollwerk in einem groben Konzept zusammenzufassen, sagt Radelfinger. Mit der SBB hat er sich geeinigt, dass die beiden verbliebenen Figuren nicht weggeputzt werden und das für die Reinigungsarbeiten gesparte Geld für seine Arbeit am «Bollwerk-Konzept» verwendet werden darf.

Neue Ideen fürs Bollwerk

Schwierig sei es, ein solches Konzept zu erstellen, sagt Peter Radelfinger. Die Stadt erarbeite ja momentan selber neue Richtlinien für Kunst im öffentlichen Raum (siehe Kasten). «Das Bollwerk ist ein Ort, an dem in dieser Hinsicht wenig gemacht worden ist», sagt Radelfinger. Er findet, dass bei der Auswahl von Kunst für den öffentlichen Raum zwar Fachpersonen mitreden sollten, am Schluss das Auswahlverfahren aber «möglichst einfach» sein müsse. «Kunst ist nicht demokratisch.» Wenn zu viele Stellen mitredeten, bestehe die Gefahr, dass am Schluss nur mittelmässige Projekte eine Chance hätten oder – Beispiel Bahnhofplatz – gar nichts realisiert werde.

Für den Raum Bollwerk schweben Radelfinger zeitlich beschränkte Werke und Aktionen vor. «Solche würden zum Ort passen, der einem starken Wandel unterliegt.»

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