Wohnungskauf auf Pump

Stefan Schnyder, Leiter Ressort Stadt Bern, äussert sich zum Vierjahresplan des Berner Gemeinderats im Immobilienmarkt.

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Der städtische Finanz­direktor Michael Aebersold will nicht mehr nachfragen müssen: Er möchte vom Stadtrat und später vom Stadtberner Stimmvolk einen Freipass für den Kauf von Wohnliegenschaften im Umfang von 60 Millionen Franken erhalten. Er glaubt, dass er damit in der Stadt Oasen mit tiefen Mietzinsen schaffen kann.

Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der Fonds für ­Boden- und Wohnbaupolitik grössere Finanzkompetenzen erhält. Heute dauert es bis zu zwei Jahre, bis das Volk einen Kauf im Wert von über 10 Millionen Franken abge­segnet hat. Tritt ein Verkäufer, der nicht den ­Maximalpreis ­herausholen will, an die Stadt heran, kann diese heute nicht schnell genug entscheiden.

Aber auf der anderen Seite ist es fraglich, wenn die Stadt auf dem Wohnungsmarkt plötzlich aktivistisch auftritt und damit beginnt, mit geliehenem Geld für 60 Millionen Franken Wohnungen zusammenzukaufen.

Anders, als Michael Aebersold es beurteilt, funktioniert der Wohnungsmarkt auch in der Stadt ziemlich gut. Die gestiegenen Mietpreise sind die Folge davon, dass die Stadt in den letzten Jahren markant an Attraktivität gewonnen hat. Und dass die Einkommenssituation vieler Stadtberner Haushalte erfreulich ist.

Wenn Aebersold bezahlbaren Wohnraum schaffen will, dann sollte er zuerst die Möglichkeiten des bestehenden, 1,3 Milliarden schweren Fonds ausschöpfen. Nicht alle Immobilien, ­welche dieser ­heute besitzt, sind wohnungspolitisch wichtig oder haben für die Stadtentwicklung eine besondere Bedeutung. Mit gezielten Verkäufen ­könnte sich der Fonds ­finanzielle Freiräume verschaffen, um bereit zu sein, wenn ein Besitzer seine Liegenschaft zu einem attraktiven Preis an die Stadt verkaufen will.

Sich Geld auf dem Kapitalmarkt zu beschaffen, um Wohnungen zu kaufen, ist dagegen keine gute Idee. Umso weniger in einer Stadt, die offenbar kein Geld dafür auftreiben kann, ihre Schwimmbäder zu sanieren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.03.2018, 06:28 Uhr

Stefan Schnyder, Leiter Ressort Stadt Bern
stefan.schnyder@bernerzeitung.ch

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