Zu Besuch im neuen Dorf

Niederwangen

1000 Wohnungen für 2500 Menschen: Im Ried entsteht derzeit eine neue Megasiedlung. Die ersten Bewohner sind eingezogen. Bis fertig gebaut ist, dauert es aber noch zehn Jahre.

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Christoph Albrecht

Ein paar grüne Flächen hat es noch immer. Je länger, je mehr dominiert aber die Farbe Braun das Bild im Ried bei Niederwangen. Es sind gewaltige Mengen Humus, die hier, zwischen dem Könizbergwald und der A 12, bewegt werden.

Auf einem Gelände so gross wie 45 Fussballfelder entsteht derzeit ein komplett neues Dorf mit 1000 neuen Wohnungen. Sie werden dereinst Platz für 2500 Menschen bieten – und damit Niederwangens Einwohnerzahl von bisher 2000 Personen mehr als verdoppeln.

Zwar dauert es noch rund zehn Jahre, bis das Bauprojekt mit dem klingenden Namen «Papillon» abgeschlossen ist. Die ersten Wohngebäude der Megasiedlung, die etappenweise aus dem Boden gestampft wird, stehen seit diesem Sommer aber schon.

«Vor kurzem sind die ersten Bewohner eingezogen», sagt Hannes Treier, der Marketingverantwortliche des Bauprojekts. Er zeigt sich zufrieden damit, wie die Nachfrage nach den ersten bezugsbereiten Wohnungen angelaufen ist. «Sie waren extrem schnell weg», so Treier.

Bis zum Frühjahr sollen alle 120 Wohnungen aus der ersten Bauetappe bezugsbereit sein. Der grösste Teil sind Mietwohnungen, es gibt aber auch Eigentumswohnungen. Sie bieten zwischen zweieinhalb und viereinhalb Zimmer und bewegen sich preislich «im mittleren Segment». ­Etwas konkreter heisst das: Eine Dreieinhalbzimmerwohnung kostet um die 1700 Franken.

Köniz’ Vorzeigequartier

Während die Wohnungen der ersten Tranche kurz vor der Fertigstellung sind, haben die Arbeiten im Baufeld daneben eben erst ­begonnen. Wie bei einem Puzzle ergeben die einzelnen Bauten schrittweise ein Ganzes – und am Ende eben den «Papillon». Der Name der Siedlung rührt daher, dass diese nach Vollendung aus der Vogelperspektive an einen Schmetterling erinnern wird.

Für jedes der Baufelder auf dem Areal sind im Ried andere Eigentümer verantwortlich. Entsprechend unterschiedlich dürfte auch der Wohnungsmix werden. Der jeweilige Investor entscheidet letztlich, ob es möglichst günstige Wohnungen für Familien oder Luxusapartments für Wohlhabende geben soll.

Bei einigen Baufeldern ist noch offen, was für ein Publikum angesprochen werden soll. Klar ist die Stossrichtung beim Baufeld F. Hier, wo vorerst noch eine grüne Wiese steht, will die Gemeinde Köniz als hauptsächliche Landeigentümerin eine Vorzeigeüberbauung realisieren.

Ein 2000-Watt-Quartier soll es geben, wo jeder Bewohner seinen Energiebedarf um zwei Drittel auf eine Leistung von 2000 Watt reduziert. Vorbildlich soll die Überbauung auch punkto gemeinnützigen Wohnungsbaus sein.

«Ein Drittel der 230 Wohnungen wird preisgünstig zu mieten sein», sagt Daniel Conca, der seitens der Gemeinde beim Grossprojekt im Ried den Lead hat. 2019 soll die Urnenabstimmung über den Baurechtsvertrag stattfinden. Weil die Gemeinde nicht selber bauen will, sucht sie nach einem Investor. «Läuft alles nach Plan, kann schon 2020 mit dem Bau begonnen werden.»

Schule, Turn- und Markthalle

Das 2000-Watt-Quartier ist aber nur das eine. Beim aktuell grössten Siedlungsprojekt der Region Bern, das Investitionen von einer halben Milliarde Franken auslöst, ist die Gemeinde auch noch an anderen Fronten tätig.

Denn wo es so viele neue Einwohner gibt, braucht es nebst Wohnraum auch eine angepasste Infrastruktur. Eingangs der künftigen Siedlung baut sie deshalb seit dem Sommer an einem neuen Schulhaus für acht Klassen, dazu eine neue Turnhalle und einen Sportplatz. Den 26-Millionen-Kredit dafür haben die Könizerinnen und Könizer letzten Herbst diskussionslos genehmigt.

Schon 2020 sollen im neuen Schulhaus Kinder unterrichtet werden. Weiter ist seitens der Gemeinde am Siedlungsrand eine Art Markthalle gedacht – als Treffpunkt für die Dorfbewohner mit Lebensmittelladen und Café. Alles bestens erschlossen durch drei neue Bushaltestellen.

So gigantisch das Bauprojekt im Ried auch ist: Ganz verdrängt werden soll die Natur durch die vier- bis siebenstöckigen Gebäude nicht. «Es wird hier auch in Zukunft Landwirtschaft betrieben», versichert Daniel Gilgen, Abteilungsleiter Umwelt und Landschaft bei der Gemeinde.

Der Hang inmitten der Neubauten sowie das sogenannte Plateau bleiben beide als Landwirtschaftsflächen erhalten. Dazu kommt eine Allmend, wo es eine offene Rasenfläche sowie Spielplätze geben wird.

Ein bisschen grün bleibt es

Der Erhalt einer gewissen natürlichen Umgebung sei ihnen ein Anliegen gewesen, betonen die Verantwortlichen. Offenbar war es das auch der Könizer Bevölkerung: Viele hätten sich dafür starkgemacht, dass man von der sogenannten Trubetränki – dem Brätliplatz zuoberst an der künftigen Siedlung am Waldrand – auch weiterhin Sicht bis in den Jura hat. Man habe sich deshalb dazu verpflichtet, die Gebäude nicht zu hoch werden zu lassen.

Unter dem Strich bleiben von der grössten zusammenhängenden Baulandreserve der Region auch mit dem Siedlungsbau rund sieben Hektaren unverbaut. Das entspricht rund 10 Fussballfeldern. Ein paar grüne Flächen wird es im Ried also weiterhin geben – zumindest vorerst.

Berner Zeitung

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