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Zusammenprall im RBS-Simulator

Der Zug ist echt, die Fahrt aber nur simuliert. Mit dem neuen Fahrzeug-Adapter-Simulator des RBS können kritische Situationen gefahrlos geübt werden. Der grosse Vorteil: Die Lokführer lernen an den Originalinstrumenten.

Zug im Zug: Nur der Bildschirm gehört zum Simulationssystem. Der Führerstand ist echt.
Zug im Zug: Nur der Bildschirm gehört zum Simulationssystem. Der Führerstand ist echt.
zvg

Es liegt dichter Nebel über dem Bahnhof. Genau mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit fährt der Lokführer den Zug aufs Perron zu. Am Bahnhof wartet bereits ein weiterer Wagen, der dem Zug angehängt werden soll. Dann passiert es: Als der Lokführer den stehenden Wagen sieht, bremst er sofort, doch es ist zu spät. Es kommt zu einem heftigen Aufprall. Der entstandene Sachschaden liegt aber bei null. Bei dem Manöver handelte es sich nur um eine Übung im neuen Fahrzeug-Adapter-Simulator des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS).

«Wir wollen unsere Lokführer auch auf die verschiedenen Risikosituationen vorbereiten», sagt Martin Alt, Ausbildungsleiter beim RBS. «Auf unseren Gleisen können wir dies kaum schulen, im Simulator hingegen schon.» Im vorliegenden Beispiel hat sich der Lokführer zwar an die Geschwindigkeitslimite gehalten, er hat sein Tempo aber nicht den Sichtverhältnissen angepasst. «Der Lerneffekt ist viel grösser, wenn im Simulator tatsächlich ein Fehler passiert, als wenn man nur darüber redet», ist Martin Alt überzeugt.

Simulator im echten Zug

Die Schienennetze des RBS sind ausgelastet. Zeit und Platz für Lernfahrten, bei denen man auch heikle Situationen üben kann, bleibe kaum. Die Schulung am Simulator soll das Fahren im richtigen Zug zwar nicht ersetzen, sie wird aber immer wichtiger und als Ergänzung zur normalen Aus- und Weiterbildung eingesetzt. Dass Lokführer am Simulator geschult werden, ist an sich nicht neu. Bei manchen ausländischen Bahnen sei es sogar üblich, dass der grösste Teil der Ausbildung in einem Simulator stattfindet, so Alt.

Praktische Variante

Simulatoren, wie sie zum Beispiel bei der Ausbildung der Berliner U-Bahn-Fahrer eingesetzt werden, kosten bis zu drei Millionen Franken. Zu viel Geld für ein kleines Unternehmen wie den RBS. Jetzt verfügt der Verkehrsbetrieb aber über eine viel billigere und vor allem praktischere Variante. Der neue Adapter-Simulator des RBS besteht «nur» aus einem Bildschirm, einem handelsüblichen PC und der speziellen Software.

Bereit in 30 Minuten

Der Adapter-Simulator wird direkt – in lediglich 30 Minuten – in einen normalen Zug installiert. Der Antriebsteil der Lok wird ausgeschaltet, alle anderen Funktionen sind im Stillstand möglich. Der Lokführer kann den Zug «normal» fahren, ohne dass sich das Fahrzeug bewegt. Eine echte RBS-Strecke wird auf einem Grossbildschirm vor dem Fenster mit einem geschwindigkeitsgesteuerten Videofilm dargestellt. Das reale Fahrgefühl wird dadurch verstärkt, dass Signale oder auch die Wetterverhältnisse jeweils vom Ausbilder verändert werden können. «Mit diesem Simulator können wir das normale Fahren, aber auch fast alle möglichen Störungen von Bremsproblemen bis zum Feueralarm im Wagen trainieren», sagt Martin Alt.

Premiere in Europa

Die Software des Simulators ist eine Entwicklung der Fachhochschule für Technik und Informatik in Biel. Der RBS ist die erste Bahn in Europa, die über ein derartiges System verfügt. In der Schweiz nimmt auch die Rhätische Bahn (RhB) bald einen solchen Simulator in Betrieb. InklusiveSoftwareentwicklung kostet der Fahrzeug-Adapter-Simulator weniger als 100'000 Franken. Der Simulator kann auch in einem Büro, wie ein normaler Computer, installiert werden.

In den letzten Wochen wurden mit dem Simulator etwa 100 Lokführer im neuen Niederflur-Express-Triebzug (Next) ausgebildet. Dazu stand ein Next-Zug vier Wochen im Depot in Worblaufen. Die neuen Züge werden nach dem Fahrplanwechsel am 13.Dezember beim RBS zum Einsatz kommen.

In Dreiergruppen verbrachten die Lokführer jeweils einen halben Tag im Simulator. «Die Fahrt mit dem Simulator ist zu 99 Prozent genau gleich wie eine echte Fahrt», sagt Bruno Brunner, der seit acht Jahren als Lokführer beim Regionalverkehr Bern-Solothurn arbeitet. «Man hat uns mit kniffligen Situationen konfrontiert, die wir bisher nur theoretisch behandelt haben. Jetzt haben wir sie fast wie echt erlebt.» Künftig sollen die Simulationssysteme bei der RBS-Ausbildung regelmässig zum Einsatz kommen. «Auf diese Weise können wir unsern Leuten mehr Sicherheit und Selbstvertrauen bei ihrer Arbeit geben», betont Martin Alt.

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