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Steinewerferin muss in Therapie

Die 23-jährige Frau, die in Mühleberg Autos mit Steinen bewarf, muss nicht ins Gefängnis – sofern sie die Chance einer Therapie packt. Denn sie leidet an einer psychischen Störung.

Von der Wehrstrassenbrücke aus warf im August 2015 eine Frau Steine auf die A1.
Von der Wehrstrassenbrücke aus warf im August 2015 eine Frau Steine auf die A1.
Andreas Blatter

Ganz zum Schluss der Verhandlung gab Gerichtspräsident Martin Müller der jungen Frau ein paar «Aufgaben» mit auf den Weg. In Zukunft müsse sie regelmässig Therapiesitzungen besuchen, die nötigen Medikamente einnehmen und wie bisher dem Vater auf dem Hof helfen. «Und Sie sollten sich überlegen, ob Sie an den Wochenenden nicht etwas anderes machen könnten, als ­immer nur mit dem Kollegen herumzuhängen.»

Die Botschaft war also klar: Die Frau, die vor zwei Jahren in Mühleberg Autos mit Steinen beworfen hat, muss schleunigst ihr Leben in den Griff kriegen. Denn sonst riskiere sie einen Aufenthalt im Gefängnis, sagte Müller und mahnte: «Es ist nicht lustig in Hindelbank.»

Lange Liste von Delikten

Es ist auch kein lustiger Fall, der in den letzten Tagen in Bern verhandelt wurde. Die Anschuldigungen gegen die Frau aus der Region Bern wogen schwer. Neben dem Steinewurf waren in der Anklageschrift rund fünfzig einzelne Vergehen aufgelistet, die sich 2015 und 2016 ereigneten und letztlich alle unbestritten waren.

Wie der Gerichtspräsident sagte, handelte sich aber auch nicht um eine «normale Delinquentin». Sondern um eine Angeklagte, die an einer schwer ausgeprägten Entwicklungsstörung leide – an Autismus.

Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte die Frau zwar zu einer unbedingten zweijährigen Gefängnisstrafe. Diese wird aber zugunsten einer ambu­lanten psychotherapeutischen Massnahme aufgeschoben. Eine solche Therapie hatten am Montag sowohl Staatsanwalt Cesar Lopez wie auch Verteidiger Martin Gärtl gefordert. Die 23-Jährige befindet sich bereits in einer entsprechenden Therapie.

Im Fall der Steinwürfe erkannte das Gericht auf versuchte Gefährdung des Lebens. Weitere Schuldsprüche erfolgten beispielsweise wegen einer ganzen Reihe von Verkehrsregelver­letzungen, wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte oder Beschimpfung. Selbst die «Verunreinigung von fremdem ­Eigen­tum» hatte sich die Frau ­zu­schulden kommen lassen.

Fahrer leiden bis heute

Warum es überhaupt zum Vorfall in Mühleberg und zu den andern Taten gekommen ist, konnte sich auch das Dreiergericht nicht so richtig erklären. Die Beschuldigte selbst hatte angegeben, aus Langeweile gehandelt zu haben. Mindestens drei Autos hatte sie getroffen. Mit zwei Fahrern einigte sie sich auf eine Entschädigung von einigen Hundert Franken. Sie entschuldigte sich auch bei ihnen.

Es sei ein Wunder und nur dem Zufall zu verdanken, dass es nur zu Sachbeschädigungen gekommen sei, sagte Müller. Für die Betroffenen habe der Vorfall aber bis heute Folgen. Einer der Fahrer schaue noch immer nach oben und wechsle die Spur, wenn er auf Brücken Personen stehen sehe. «Das mulmige Gefühl ist nicht weg.»

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