Zwei Kaffeetrinker sind auf den Tee gekommen

Münsingen

4tea1 heisst der neue Onlineshop, über den man losen Tee selber mischen und abpacken lassen kann. Dahinter stecken der Berner Simon Berger und der Solothurner Mustafa Dikbas. Sie wollen den Tee neu aufleben lassen.

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In einem Einfamilienhaus in Münsingen sitzen zwei Männer am Tisch und trinken Tee. Der Duft von Red Hot Mint Peppers, einer fruchtig-pfiffigen Mischung, strömt durchs Wohnzimmer. Die beiden Herren schwärmen von der Wärme, die diese Zusammensetzung ins Haus zaubert – und von ihrem Onlineshop. Ihre Leidenschaft für den Tee hat den Berner Oberländer Simon Berger und den Solothurner Mustafa Dikbas zu einem neuen Geschäft inspiriert.

Fantasie ist gefragt

4tea1 (ausgesprochen For Tea One) nennen die beiden 42-Jährigen ihren Onlineshop für individuell abgepackten Tee, den sie im November aufgeschaltet haben. Darin bieten sie hochwertige lose Teesorten aus vielen verschiedenen Ländern an, die für den Kunden in Beutel abgepackt und versiegelt werden. Klassiker wie Schwarzer Tee, Grüner Tee, Früchte-Tee, Kräuter-Tee, Rooibos-Tee, Mate-Tee können miteinander sowie mit getrockneten Früchten und Gewürzen vermischt werden. Dabei stehen zwei Teebeutelgrössen zur Auswahl - für eine Tasse oder dann gleich für einen ganzen Krug.

Bei der Wahl der Mischung lassen die Tee-Profis ihren Kunden freien Lauf und appellieren an die Fantasie. «Klar haben wir auch schon Mischungen abgepackt, bei denen wir uns nicht vorstellen konnten, dass sie schmecken», erzählt Simon Berger lachend, «heute gehört einer davon zu meinen Lieblingstees». Auch sein fünfjähriger Sohn mag den «Blüemli-Tee», eine Komposition aus Lavendelblüten, Chinese Gunpowder und Lemongrass. Bergers Frau Mariela agiert ebenfalls als Tee-Testerin, ihr Schmunzeln sagt es: Das ist sie sich gewohnt.

Tee 2.0

Berger und Dikbas setzen auf «den Trend der Individualisierung von hochwertigen Produkten und Vereinfachung in der Anwendung. Wir wollen das Wissen von Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern zum Thema Tee wieder allen zugänglich machen», erzählt Mustafa Dikbas, «sodass unsere Kunden dieses für sich überall nutzen können». Beide betonen, dass sich ihr Geschäft noch im Aufbau befinde. Ideen für die Weiterentwicklung seien vorhanden. Die Frau von Mustafa Dikbas zum Beispiel habe Pharmazie studiert und kenne sich mit den Wirkstoffen in verschiedenen Teesorten aus. Sie wollen schon bald auch persönliche Beratung für Gesundheitstees anbieten. Teegeschäfte gibt es zwar viele, «aber im Gegensatz zu einem normalen», sagt Berger, «gehen wir bei 4tea1 einen Schritt weiter: Wir nutzen das Internet für unser individualisiertes Teeangebot, das Teegeschäft 2.0.» Der Nachteil vom Internet sei aber, dass man im Gegensatz zu einem Geschäftslokal, nicht daran vorbeilaufen würde. «Dass unser Shop im Internet gefunden wird, ist eine grosse Herausforderung.»

«Tee-Fabrik» im Keller

In Bergers Keller steht ein Gerät, mit der er den Tee mischen und anschliessend in den Beutel abpacken sowie versiegeln kann. Dies geschieht in Handarbeit – und nach Feierabend. Simon Berger arbeitet als Geograf und Mustafa Dikbas als Kommunikationsexperte. Eine weitere Maschine ist separat aufgestellt, die nie mit allergieauslösenden Stoffen in Kontakt komme und für Bestellungen von Allergikern benutzt werde.

Die Grundtees beziehen die beiden bei ausgewählten und kontrollierten Lieferanten, die Früchte trocknet Berger meist selber. Nachhaltigkeit ist für die Geschäftspartner «sehr wichtig». So beziehen sie biologisch abbaubare Teebeutel von einem Produzenten, der diese auf Basis von Bananenfasern herstellt. Auch die Verpackung, die Tee-Dosen sowie der Refill-Beutel können wiederverwendet werden. Wer die Dose zurückschickt, erhält einen Rabatt auf der nächsten Bestellung.

Tee statt Kaffee?

«Wir trinken beide seit Jahren Tee. Er ist für uns mittlerweile zum Lifestyle geworden», erklärt Mustafa Dikbas. Als gebürtiger Türke ist er mit dem Schwarztee, seiner Kultur und den Ritualen bestens vertraut. Der Kaffee-Liebhaber ist ausgerechnet auf der Suche nach dem perfekten Espresso beim Tee gelandet. Vor allem der Mate-Tee hat es ihm angetan. Dieser Basis-Tee beinhalte viel Koffein und wirke beschleunigend. «Mit etwas Zitrone gemischt, ist er eine tolle Alternative zum Büro-Kaffee», sagt er. Auch Simon Berger, der «heute bis mittags um die fünf Espressi trinkt», hat «dank dem Mate-Tee seinen Kaffeekonsum drastisch reduzieren können». Der Gstaader war mehrere Jahre in Südamerika zuhause, wo er wieder auf den Tee kam – obwohl dort vor allem der Kaffee populär ist.

Die zündende Idee

Fürs Büro sei loser Tee nicht geeignet, «das Hantieren vor Ort mit Teesieben oder das Abfüllen in einzelne Beutel ist einfach mühsam», so Berger. Den standardisierten Tee, welcher im Detailhandel verkauft wird, finden beide zwar «praktisch, allerdings oft von minderer Qualität, sodass viel Geschmack verloren geht.»

Beide kennen sich von einem früheren, gemeinsamen Arbeitsort. Zuerst entstand die Idee, ein gemeinsames Geschäft aufzubauen. Anschliessend traf man sich einmal pro Woche zum Abendessen, um Ideen zu sammeln. Es galt: Wer die zündende Idee hat, erhält alle gemeinsamen Essen zurückerstattet. «Der Deal wirkte Wunder», wie Mustafa Dikbas schmunzelnd erzählt, «es ging nicht lange und wir kamen auf den Teeshop». Wer genau die Gratis-Essen gewonnen hat, wollen die beiden aber nicht verraten.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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