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Berner fordern Laubholz-Sägerei

Als Rückschlag bezeichnet die Aareholz AG den Entscheid von Ernest Schilliger, in Luterbach keine Grosssägerei zu bauen. Die Berner Waldbesitzer aber sprechen von einer Chance – falls jetzt ein Laubsägewerk gebaut werde.

In Luterbach könnte auf dem Land von Schilliger oder Borregaard ein Sägewerk für Laubholz gebaut werden.
In Luterbach könnte auf dem Land von Schilliger oder Borregaard ein Sägewerk für Laubholz gebaut werden.
Robert Grogg

Als Ernest Schilliger nach dem Kauf eines konkursiten Sägewerkes im Elsass kürzlich bekannt gab, in Luterbach keine Grosssägerei zu bauen, da zeigten sich die Politiker sehr betroffen. Holzvermarkter und Waldbesitzer dagegen geben sich erstaunlich optimistisch.

Hannes Aeberhard, Geschäftsführer der Aareholz AG, die von Biel bis Niederbipp Holz vermarktet: «Der Verzicht auf das Werk Luterbach ist zwar ein herber Rückschlag, wir haben mit unseren grössten Abnehmern aber neue Verträge gemacht – unser Problem ist im Moment gelöst.»

«Der Weg ist kürzer»

Stefan Flückiger, Geschäftsführer der Berner Waldbesitzer, bedauert Schilligers Verzicht zwar, kann dem Entscheid aber auch Positives abgewinnen: «Wir sind vorerst mal stolz, dass es ein Schweizer Säger geschafft hat, im Elsass ein internationales Werk zu ersteigern.» Dort in Vogelsheim werde ausschliesslich Nadelholz verarbeitet. Der Weg ins Elsass sei für das Berner Holz kürzer als jener nach Domat/Ems, wo eine Grosssägerei zwar in der Schweiz, aber am falschen Ort stehe. Allerdings würden die Holzlieferanten aus dem Kanton Bern wegen des langen Transportweges ins Elsass 10 bis 20 Franken pro Kubikmeter verlieren. Der Entscheid von Schilliger eröffne auch eine neue Chance, in Luterbach eine grosse Sägerei für Laubholz zu bauen, sagt Stefan Flückiger.

«Der Schweizer Forstdienst will immer mehr Nadelbäume durch Laubbäume ersetzen», so Flückiger, «bald einmal beträgt der Anteil von Laubholz im Wald 20 Prozent, der Absatz aber lediglich 4 Prozent.» Buche sei zwar sehr begehrt als Energieholz, aber es mache keinen Sinn, auch die schönen Stämme zu verbrennen. «Das Schweizer Mittelland braucht deshalb dringend eine neue Grosssägerei für Laubholz», ist er überzeugt. Die Kapazität sollte idealerweise rund 100000 bis 200000 Kubikmeter betragen. Dies würde laut Flückiger auch den Nadelholz-Sägewerken dienen.

«Lothar» ist noch präsent

Die Aareholz AG wurde 2002 gegründet. Man wollte grossen Abnehmern das Holz der regionalen Waldbesitzer koordiniert anbieten. Der Zusammenschluss war auch eine Folge des Sturms «Lothar». Die Holzpreise hätten sich seither zwar erholt, sagt Geschäftsführer Hannes Aeberhard: «Wir werden aber noch weitere fünf Jahre die Nutzung um 20 Prozent drosseln müssen.» Die Erklärung dafür: Nach «Lothar» musste mehr Holz aus den Wäldern geholt werden, als nachwächst. Ein Grosskunde der Aareholz AG ist die Firma Tschopp im luzernischen Buttisholz, wo vor allem Spanplatten, Schaltafeln und Pellets produziert werden.

Borregaard fehlt

Die 1200 Aktienstimmen der Aareholz AG verteilen sich auf das Gebiet zwischen Biel, Niederbipp und Herzogenbuchsee. 2007 wurden 88600 Kubikmeter Holz verkauft, 2008 noch 68000, im laufenden Jahr dürften es lediglich 50000 sein. Der Hauptgrund: Die Firma Borregaard machte ihr Werk in Attisholz dicht. Sie kaufte vorher 20 Prozent des Solothurner und 15 Prozent des Schweizer Holzes.

Holzcluster

Ein Holzkraftwerk und ein weiteres Pelletwerk der AEK hätten in Luterbach zur Grosssägerei gehört. All dies wäre Teil eines Holzclusters gewesen. 600000 Kubikmeter Rundholz hätten dort zu Schnittholz und die Abfälle zu Energie verarbeitet werden sollen.

Die 15 Hektaren Land sind weiterhin in Schilligers Besitz. Und der wird es kaum einem Konkurrenten verkaufen. Als Standorte für Grosssägereiprojekte bereits gescheitert sind Niederbipp und Müntschemier. Jetzt wird die Suche neu lanciert. Luterbach steht weiterhin zur Diskussion, dort liegen neben Schilligers Land zusätzlich 36 Hektaren der Borregaard. Einzige Unterschiede: Diesmal geht es um Laub- statt Nadelholz, und das Projekt ist deutlich kleiner. Vor allem aber fehlt noch das Entscheidende: der Investor. Absolut einig sind sich Aeberhard und Flückiger in einem weiteren Punkt: Beim nächsten grossen Sturm komme es in der Schweizer Waldwirtschaft zu einer Katastrophe. Die SBB habe in den letzten Jahren ihre Verladekapazitäten massiv eingeschränkt. Auf der Strasse könne man das dann anfallende Holz unmöglich ins Elsass transportieren.

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