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Besondere Neuauflage

In einem Sonderbändchen sind neu die berndeutsche und die hochsprachliche Fassung von Simon Gfellers «Zwölfischlägel» vereint.

«Ein stürmischer Christtag neigte sich dem Abend zu. Durch den breiten Talgrund der Emme raste eine grimmige Bise. Heulend pfiff sie um die Ecken der Häuser; unheimlich und eisige Kälte mitbringend, hornte sie durch die Schornsteine hinunter.» Mit diesen kraftvollen Sätzen beginnt die Erzählung «Zwölfischlägels Weihnachtsfeier» von Simon Gfeller. Diese kleine Kostprobe zeigt: Der nach Jeremias Gotthelf bedeutendste Dichter des Emmentals handhabte nebst der Mundart, in der er den grösseren Teil seiner Werke verfasste, auch die Hochsprache trefflich und treffend. Die Geschichte vom Landstreicher Zwölfischlägel ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel, liegt sie doch sowohl in der mundartlichen als auch in der hochsprachlichen Fassung vor. Erstmals sind jetzt beide Varianten gemeinsam im Landverlag Trubschachen erschienen. Das handliche Bändchen wurde von Ueli Augstburger aus Lützelflüh mit markanten Zeichnungen illustriert. Wertvoller Lebkuchen Die Erzählung handelt von einem Vagabunden, der wegen seines klöppelartigen Körperbaus den Spitznamen Zwölfischlägel trägt. In der Christnacht bekommt er völlig durchfroren auf einem Bauernhof Asyl und erlebt wohl zum ersten, auf jeden Fall aber zum letzten Mal in seinem Leben den Geist von Weihnachten. Die Leute sind gut zu ihm, und er wird sogar beschenkt. Zwei Monate später stirbt er mit dem Lebkuchen in den Händen, den er vom Weihnachtsengel erhalten hat. Diese Geschichte könnte kitschig sein, wenn sie nicht so geradlinig und schlicht erzählt würde – gerade darin zeigt sich die Meisterschaft des Autors. Am Anfang war ein Aufsatz Simon Gfeller, der nicht nur Schriftsteller, sondern auch Lehrer war, liess sich von einem Schüleraufsatz zu seiner Zwölfischlägel-Geschichte inspirieren. Zuerst erschien sie 1914 in der hochdeutschen Originalfassung im Band «Geschichten aus dem Emmental». Auf vielfachen Wunsch wurde sie von Gfeller vier Jahre später in die berndeutsche Version gebracht. Der Schüleraufsatz, der zu diesem kleinen Meisterwerk führte, ist in der Neuveröffentlichung des Landverlags ebenfalls abgedruckt.Hans HerrmannZwölfischlägels Weihnachtsfeier oder Wi dr Zwölfischlegel Wienecht gfyret het, Landverlag, 60 Seiten, gebunden, illustriert, 25 Franken.>

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