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Borregaard - Nur für 75 Mitarbeiter besteht noch Hoffnung

Die Nachricht überrascht nicht: Gestern gab die Borregaard bekannt, dass sie ihren Betrieb in Solothurn definitiv schliesst –339 Mitarbeitende erhalten ihre Kündigung, für 75 Angestellte besteht noch Hoffnung.

Der Verwaltungsrat der Borregaard Schweiz AG informierte die Mitarbeitenden gestern gleich mehrmals über die definitive Schliessung des Betriebs in Luterbach und Riedholz: Einmal in aller Frühe, vor der montäglichen Betriebsversammlung und einmal gleichzeitig mit den Medien – dies aber ungewollt. Nach der Betriebsversammlung hatten Belegschaft und Gewerkschaften beschlossen, in Luterbach in den Zug zu steigen und zur angekündigten Medienkonferenz ins Hotel Ramada zu fahren. Dort überlegte sich die Firmenleitung, die Konferenz an einen anderen Ort zu verlagern, gab dann aber nach und hielt die Konferenz vor rund einem Dutzend Medienvertretern und über hundert Mitarbeitenden ab.

Dort verkündete Verwaltungsratspräsident Jørn Syvertsen, was er den Mitarbeitenden bereits in Luterbach mitgeteilt hatte: «Es tut uns leid, aber wir sehen keine Perspektive mehr für die Zellstoffproduktion an diesem Standort.» Kein Unternehmen aus der Branche habe Interesse daran, den Betrieb zu übernehmen, so Syvertsen. Zwar hätten sich innerhalb der Konsultationsphase sieben Interessenten aus verschiedenen Branchen gemeldet. Diese hätten sich allesamt aber wieder zurückgezogen. «Sie alle kamen zum Schluss, dass sich eine Investition nicht lohne», begründete der Verwaltungsratspräsident die Absage. An diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander. Gewerkschaftsvertreter Corrado Pardini ist überzeugt, dass sich die Firmenleitung zu wenig um die Interessenten bemüht und ihnen die nötigen Informationen verweigert oder spät geliefert habe. Und: «Möglicherweise haben sie auch ganz einfach zu viel verlangt.»

«Hefe Süd» ist auf Kurs

Fest steht: Gestern wurden insgesamt 339 Kündigungsschreiben verschickt. Bis auf weiteres angestellt bleiben die 75 Mitarbeitenden in den Bereichen Hefe, Ethanol und Elektrolyse. Für sie sieht die Borregaard-Leitung noch Perspektiven. Bereits von Anfang an gute Chancen hatte das Projekt «Hefe Süd». Vor den Medien betonte Jørn Syvertsen aber, dass noch nicht definitiv sei, ob dieser Bereich tatsächlich weitergeführt werden könne. «Beispielsweise die Finanzierung ist noch nicht gesichert.» Dies bestätigte auf Anfrage Peter Schnyder, der hinter dem geplanten Management Buyout steht. «Von der Finanzierung hängt viel ab und noch sind nicht alle Fragen geklärt.»

Erneuter Anlauf

Dass Borregaard selber nun zwei potenzielle Investoren für das Projekt fand, erachtet Schnyder nicht als Konkurrenz für sein Vorhaben. «Im Vordergrund steht für uns, dass das lukrative Hefe-Geschäft weitergeführt werden kann», so der 59-Jährige. Er ist überzeugt, dass auch neue Eigentümer auf die bisherigen Arbeitskräfte angewiesen sind. Denn: «Die Hefeproduktion ist ein komplexer Prozess.» Schnyder hofft, dass nächste Woche alle offenen Fragen beantwortet sind und die Zukunft der Hefe-Produktion gesichert ist. Borregaard beabsichtige, auch jene Mitarbeitenden in den Sozialplan aufzunehmen, die von allfälligen neuen Eigentümern innert einer bestimmten Frist nach Betriebsübernahme entlassen werden. «Eine solche Lösung muss indessen auch mit dem neuen Eigentümer geregelt werden», heisst es dazu in einer Mitteilung. Ob deshalb der neue Eigentümer die Kosten aus dem Sozialplan bezahlen müsste, wollte Jørn Syvertsen gestern nicht beantworten.

Bereits am Mittwoch soll ein nächster Anlauf genommen werden, um den Sozialplan zu verhandeln. Für die Sozialpartner ist der Vorschlag der Borregaard inakzeptabel. «Wir rechnen damit, dass die Mitarbeitenden im Schnitt 1,3 Monatslöhne erhalten, wir wollen aber zwei bis drei», kritisierte Corrado Pardini und wurde darin von einem Mitarbeiter unterstützt . «Ich arbeite seit 23 Jahren hier. Diese Zeit wird bei den Abgangsentschädigungen in keiner Weise berücksichtigt», so der 43-jährige Peter Obrecht. «Wenn die Firmenleitung weiterhin auf stur stellt, dann droht ein unkoordinierter Abgang», fasste Pardini zusammen.

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