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Cuche und die drei Fragezeichen

Die Perspektiven des helvetischen Riesenslalom-Teams sind längst nicht mehr so gut wie noch vor Jahresfrist. Im sonntäglichen Weltcup-Prolog in Sölden rechnet Cheftrainer Martin Rufener mit Didier Cuche und Carlo Janka.

Es ist kalt in Are. Warm ums Herz wird es jenen Skisportanhängern, welche die Schweizer Riesenslalomfahrer vor Ort unterstützen. Die Swiss-Ski-Athleten hinterlassen einen bestechenden Eindruck, nach dem ersten Durchgang liegt gar eine Komplettbelegung des WM-Podests in Reichweite. So weit kommt es nicht. Marc Berthod vermag die Bremse im Final nicht ganz zu lösen; der Norweger Aksel Svindal gewinnt vor Daniel Albrecht und Didier Cuche. Martin Rufener schmunzelt, erwähnt den Horizont Vancouver und meint, «im Riesenslalom haben wir etwas zu bieten». Die Botschaft, die in den Worten des Cheftrainers steckt, liesse sich unverschlüsselt folgendermassen ausdrücken: «Das war erst der Anfang, an den nächsten Grossanlässen werden wir mit vier Goldmedaillenanwärtern am Start stehen.» Jankas Kondition Das war vor zweieinhalb Jahren. Albrecht und Berthod würden noch stabiler werden, Cuche im Riesenslalom auch als 33-Jähriger noch Fortschritte erzielen, dachte Rufener. Und ahnte, dass die Jungen aus der Trainingsgruppe von Sepp Brunner, allen voran Carlo Janka, im Sog von Albrecht und Berthod ebenfalls ganz vorne auftauchen würden. Der Optimismus des Berner Oberländers ist nicht verflogen, obwohl sich die Anzahl seiner Riesenslalomtrümpfe zumindest vorübergehend halbiert hat: «Cuche und Janka können in Sölden aufs Podest fahren», sagt der 50-Jährige aus Unterseen. Albrecht fehlt am Sonntag im Ötztal aus bekannten Gründen, Berthod gehört im Weltcup-Prolog seiner Rückenprobleme wegen nicht einmal zum erweiterten Favoritenkreis. Als sicherer Wert darf derzeit einzig Cuche bezeichnet werden, ist doch im Hinblick auf Olympia auch hinter Jankas Namen ein Fragezeichen angebracht. Während des Sommers litt der Riesenslalom-Weltmeister an einem Virus, welches ihn zwang, sein Pensum in Kraft- und Konditionstraining markant zu reduzieren. Rufener sagt, skitechnisch befinde sich Janka «auf höchstem Niveau», bei der Planung des Winters sei indes Vorsicht geboten. Der 23-Jährige aus Obersaxen dürfte vor der Reise nach Kanada die eine oder andere Pause einschalten. Berthods Selbstvertrauen Weiterhin ungeklärt ist, weshalb die Parasiten in den Körper des Bündners eingedrungen waren und um welchen Virus es sich überhaupt handelt. Was die Ursachenforschung betrifft, vertritt Martin Rufener eine eigene Ansicht. Janka sei im letzten Winter aus dem Nichts ins Scheinwerferlicht gefahren, zudem habe er sich auch im Frühling nicht geschont. «Ferien in Übersee, ein Fussballmatchbesuch in Manchester, Medien- und Sponsorentermine – er hat den Motor nie runtergefahren.» Möglicherweise müsse der Vorfall als «Retourkutsche seines Körpers» betrachtet werden. Jankas Selbstvertrauen ist unerschütterlich, wie die Sportwelt seit den Titelkämpfen in Val d’Isère weiss. An der mentalen Verfassung Marc Berthods hingegen seien die Geschehnisse der vergangenen zwölf Monate nicht spurlos vorbeigegangen, sagt Rufener. Der Engadiner leidet an einer erblich bedingten Verengung des Spinalkanals in der Wirbelsäule, was bei Fehl- und Überbelastungen schmerzhafte Entzündungen mit sich bringt. Berthod stellt sich der Problematik mit einem individuellen Lösungsversuch, engagierte in der Person Guido Suters einen Vertrauten als privaten Konditionstrainer und reist mit diesem wie einst Bode Miller im Wohnmobil durch Europa. Das Spezialbett in seinem Gefährt soll zur Linderung der Beschwerden beitragen. Albrechts Comeback Für Rufener ist der Alleingang insofern ein akzeptabler Weg, als «für die Arbeit im Schnee unsere Trainer zuständig sind. Ich unterstütze ihn und hoffe, dass es irgendwann klick macht und er wieder der Alte ist.» Berthod hat den Schritt zum Idealisten auch optisch vollzogen; mit Bart und langen Haaren erinnert er an Extrembergsteiger Reinhold Messner. Sportlich sei er «noch nicht in Adelboden-Form», hält der 25-Jährige fest. Keine Bedenken bezüglich Verfassung gibt es bei Didier Cuche. «Wer ihn schlagen will, muss sehr schnell fahren», sagt der Emmentaler Beat Feuz, der einen der acht Sölden-Startplätze ergattert hat. Vor Jahresfrist war auf dem Rettenbachgletscher nur einer schneller gewesen als der Teamsenior: Daniel Albrecht, hinter dessen Comeback ein grosses Fragezeichen steht.Micha Jegge >

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