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«Das ist zwar hart, aber richtig so»

Simon Ernst gibt sein Amt als Gemeindepräsident von Hofstetten bei Brienz nach sieben Jahren ab. Das tut er zwei Jahre früher, als er müsste. «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür da, auch wenn es mir nicht leicht fällt», sagt er.

«Die Angst, den zu verlieren, werde ich nun auch bald los», sagt Simon Ernst und dreht den Schlüssel im Türschloss der Gemeindeverwaltung von Hofstetten. Dann weist er den Weg ins Sitzungszimmer. Seit zehn Jahren nimmt er hier regelmässig Platz – zuerst als Gemeinderat, dann nach dem Rücktritt von Walter Trauffer seit 2003 als Präsident der Gemeinde mit rund 600 Einwohnern. Hofstetten wählt seine Ratsmitglieder nicht nach Parteien. Simon Ernst bezeichnet sich aber als «typischer SVP-Mann». Es sei ein komisches Gefühl, ab dem kommenden Jahr nicht mehr hier zu sitzen und mitbestimmen zu können, was mit seiner Gemeinde passiere. Eigentlich wäre er noch bis Ende 2012 gewählt, tritt nun aber Ende des Jahres zurück. «Es ist zwar hart, aber richtig so», erklärt der Zimmermann und Landwirt. Denn die Bewilligungen für die Erschliessung des Quartiers Schried mit dem Bus und für die Einzonung des Gebiets Houetli liegen nun vor, die «Bauarbeiten gehen zügig voran». Zudem sei das Projekt «Steinbruch» nicht nur ins Rollen gekommen, sondern werfe auch Geld ab, viel Geld für eine kleine Gemeinde. 300 000 Franken pro Jahr fliessen zehn Jahre lang in die Kasse von Hofstetten, weil beim Ballenberg nun Steine abgebaut werden, die unter anderem für diverse Hochwasserschutzmassnahmen in der Region gebraucht werden (wir haben berichtet). Eine Sorge weniger Damit wurde Simon Ernst eine Sorge los, die ihn zu Beginn seiner Amtszeit noch plagte: Nach dem Wegfall der Billettsteuer, die das Freilichtmuseum seiner Sitzgemeinde abliefern musste, wurde die Finanzlage bedenklich. «Ich weiss noch, wie wir hier in diesem Zimmer fast über jeden Füfliber berieten, den wir ausgeben mussten», blickt der 46-Jährige zurück und lächelt verschmitzt beim Gedanken an die Zukunft: «Möglicherweise können wir bald die Steuern senken.» Es habe ihm sehr gefallen, als Gemeindepräsident genau zu wissen, was in seinem Wohn- und Arbeitsort ablaufe, und das Geschehen lenken zu können. «Aber das passierte immer im Team», versichert Simon Ernst und lobt seine Ratskollegen: «Wir haben oft harte Auseinandersetzungen gehabt, aber immer mit dem Ziel vor Augen, die beste Lösung für unsere Gemeinde und nicht für uns persönlich zu finden. Das ist uns auch gelungen.» Unabhängig von einer Parteilinie diskutieren zu können, habe geholfen. Und nach den Sitzungen sei bei Rivella oder Bier friedlich miteinander angestossen worden. Dabei wurde offensichtlich nicht am Volk vorbei politisiert. An den Gemeindeversammlungen wurden alle Anträge des Gemeinderates angenommen. Eigenständigkeit bewahrt Bei seinem Amtsantritt hatte der Politiker in dieser Zeitung angekündigt: «Unser Dorf bleibt eigenständig.» Auch dieses Ziel hat er erreicht, eine Fusion mit den benachbarten Gemeinden Schwanden, Brienzwiler oder Brienz wurde nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Trotzdem sind sie näher gerückt: Die Schule wurde mit Schwanden und Brienzwiler zusammengelegt, und ab dem kommenden Jahr gehört Hofstetten der Feuerwehr Brienz an. «Ich war ein strikter Gegner der Zusammenlegung der Schulen, habe aber erkannt, dass das die einzig richtige Lösung ist», gibt der mehrfache Vater zu und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: «Manchmal muss man halt umdenken.» Und manchmal auf den Tisch hauen. Der Lärm der Militärjets, die in Meiringen gleich unterhalb des Ballenbergs starten und landen, sei eine grosse Bedrohung für seine Gemeinde. «Gerade konnte wieder ein Haus nicht verkauft werden, weil es den Interessenten doch zu laut war bei uns», ärgert sich der Hofstetter. Dass hier kaum etwas dagegen unternommen werden könne, sei sehr ernüchternd. Ebenso wie der Umstand, dass die drei kleinen Gemeinden einst beim Kanton um eine finanzielle Unterstützung für den Schulbus nachgefragt hätten und diese abgelehnt wurde. «Seit aber Agglomerations-Gemeinden ebenfalls Schulen zusammenlegen müssen und auf Transporte angewiesen sind, übernimmt der Kanton plötzlich die Hälfte dieser Kosten. Wenn die Grossen etwas brauchen, handelt der Kanton. Das ist schon frustrierend», sagt Simon Ernst. Wünsche für die Zukunft Klagen will der Handwerker nicht. Er hat aber eine Wunschliste. Die Regionalkonferenz Oberland-Ost sei so gross wie der Kanton Appenzell, und dort sei in den vergangenen Jahren sehr viel erreicht worden. «Sie haben es vorgemacht, wie neue Unternehmen anzusiedeln sind. Auch wir brauchen neue Arbeitsplätze.» Die Grossräte der Region müssten ihren Einfluss besser nutzen und sich beim Kanton vermehrt für das Oberland einsetzen. Auch im Tourismus sollte besser miteinander gearbeitet werden. Simon Ernst träumt von einer Gästekarte, die im Jungfraugebiet gültig ist, das vom Haslital bis nach Interlaken reicht. Wenn er entscheiden könnte, dann würde der Hofstetter sofort einen Tunnel durch den Brünig bauen lassen. Denn: «Wir brauchen die direkte Anbindung an die Zentralschweiz.» Da drängt sich die Frage auf, warum der leidenschaftliche Gemeindepräsident von Hofstetten seine politische Laufbahn nun beendet und selber nie als Grossrat kandidierte. «Das hätte mich sehr gereizt. Aber dazu sind meine beruflichen und privaten Belastungen zu gross», antwortet Simon Ernst. Wer sein Amt übernimmt, wird die Gemeindeversammlung am 2. Dezember bestimmen. Susanna Michel >

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