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Das Lachen wiedergefunden

tennisTimea Bacsinszky hat ein «schwarzes Jahr» hinter sich. An den nationalen Titelkämpfen in Biel gab die ehemalige Weltnummer 37 ihr Comeback nach über siebenmonatiger Pause.

Das Malheur geschah Ende April, an einem warmen Frühlingsabend. Timea Bacsinszky befand sich auf dem Weg zum Abendessen, als sich ihr linker Fuss in einer Mulde verhedderte. Sie knickte ein, Schmerzen verspürte sie aber kaum. Einige Tage später sollte die ärztliche Diagnose für Ernüchterung sorgen: Die beste Schweizer Tennisspielerin zog sich Bänderrisse und Knochenbrüche zu, zweimal musste sie sich operieren lassen. Wochenlang war Bacsinszky zur Untätigkeit gezwungen, der Heilungsverlauf verlief schleppend. In der Weltrangliste ist sie auf Position 244 abgerutscht, fast 200 Plätze hat sie eingebüsst. Sie habe riesiges Pech gehabt, meint Bacsinszky, um anzufügen: «Ich habe ein schwarzes Jahr hinter mir, eines zum Vergessen.» Dabei hatte die Saison für die 22-Jährige überaus erfreulich begonnen. Bacsinszky stieg mit dem Schweizer Fed-Cup-Team in die Weltgruppe 2 auf, beim 4:1-Sieg gegen Schweden gewann sie beide Einzel. Zeit für sich selbst Seit gestern sieht Timea Bacsinszky wieder etwas Licht am Horizont. Nicht auf grosser Bühne, sondern an den nationalen Titelkämpfen im Bieler Leistungszentrum kehrte sie zum Siegen zurück. Die Auftaktpartie gegen ihre erst 14-jährige Konkurrentin Sarah Schärer verkam zum lockeren Aufgalopp, Bacsinszky setzte sich gegen die Nummer 67 der Schweiz 6:2, 6:2 durch. Das Lachen habe sie wiedergefunden, noch sei sie aber weit von ihrer Bestform entfernt, sagt die Nummer 1 des Turniers, welche zuletzt vorsichtshalber nur jeden zweiten Tag auf dem Platz trainierte. Trotzdem bleibt der Goldmedaillengewinn das Ziel. 6000 Franken erhält die Schweizer Meisterin – Geld, das Bacsinszky gebrauchen kann. Weil sie es versäumt hatte, mit der Tourorganisation eine Versicherung abzuschliessen, erhielt sie während ihrer Pause von der WTA keine finanzielle Entschädigung. Blickt Bacsinszky auf die vergangenen sieben Monate zurück, spricht sie jedoch nicht nur von einer frustrierenden Phase. Sie habe endlich einmal Zeit gehabt, sich anderen Dingen zu widmen und den Kopf etwas zu lüften. In Lausanne hat sie ihre erste eigene Wohnung bezogen, im Sommer ihre Sprachkenntnisse verbessert und sich ihrer Tätigkeit als Swiss-Tennis-Botschafterin gewidmet. Vergleich als Bürde Einen Einzel- und drei Doppeltitel hat Timea Bacsinszky auf der WTA-Tour bislang gewonnen, knapp eine Million Dollar Preisgeld hat sie sich in acht Profijahren erspielt. Expertenmeinungen zufolge hat sie ihr Potenzial längst nicht ausgeschöpft. Fed-Cup-Teamchefin Christiane Jolissaint etwa meint, die Schweizerin habe einen starken Willen, aber keine offensichtlichen Schwächen. «Sie kann noch viele Turniere gewinnen.» In ihrer Jugend wurde Bacsinszky als Supertalent gepriesen, auch jenseits der Landesgrenzen war sie oft erfolgreich. Früh sah sich die Tochter ungarischer Eltern mit Medienrummel konfrontiert, Vergleiche mit Martina Hingis drängten sich auf. Damit habe man ihr keinen Gefallen getan, sagt die Waadtländerin. «Als junges Mädchen setzte ich mich zu stark unter Druck. Die Erwartungen an mich waren wohl zu hoch.» Nun sei sie motivierter denn je, erklärt Bacsinszky. Mittelfristig will sie zu den 30 weltbesten Spielerinnen gehören. Nach dem in sportlicher Hinsicht verlorenen Jahr 2011 blickt sie optimistisch in die Zukunft. Ihr Motto hat sie in italienischer Sprache auf dem gesunden rechten Fuss tätowiert: «Hinter den Wolken hat es immer einen blauen Himmel.» Philipp Rindlisbacher >

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