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Dealer wegen Buchhaltung überführt

Ein Mann hatte mit 750 Gramm reinem Kokain gehandelt. Gestern wurde er dafür zu einer teilbedingten Strafe verurteilt.

Der Mann, der sich gestern vor dem Thuner Kreisgericht verantworten musste, wirkte klein und unscheinbar. Gross war hingegen die Menge des Kokains, mit dem er gehandelt hatte. Ihm wurde vorgeworfen, während mehrerer Jahre in Thun und Umgebung mit der Droge gehandelt und zudem mindestens 18 Gramm reines Kokain aus Spanien in die Schweiz importiert zu haben. Dies zusammen mit seiner jetzigen Freundin, die vergangenen Mai selber vor dem Thuner Kreisgericht stand. Sie hatte im März 2006 in Uebeschi nach einem Streit ihren Exfreund mit einem Messer erstochen. Dafür und wegen des Kokainkaufs verurteilte das Kreisgericht sie zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren (wir berichteten). Nach U-Haft weitergedealt Zuerst stand auch ihr Freund und nun Angeschuldigte im Verdacht, in das Tötungsdelikt verwickelt zu sein. Dieser Verdacht erwies sich später als unbegründet, doch fand man damals Anhaltspunkte für seinen Drogenhandel. Er war daraufhin mehrere Monate in Untersuchungshaft. Kurz nach seiner Entlassung stieg er wieder in den Drogenhandel ein. Dann folgte die Kehrtwende: An der gestrigen Verhandlung sagte er aus, er habe im Frühling 2008 aus eigenem Antrieb endgültig mit dem Drogenhandel und -konsum aufgehört: «Ich wollte ein stabiles Leben ohne Drogen führen.» Ins Drogengeschäft gekommen ist er laut eigenen Angaben aus Geldnot. «Flair» für Buchhaltung «Der Drogenhandel ist von meinem Klienten grösstenteils unbestritten», resümierte Verteidiger Stefan Schmutz. Vieles hätte dem Dealer wohl aber auch ohne Geständnis nachgewiesen werden können. «Bezüglich der ersten Periode wurde ihm sein Flair für eine geordnete Buchhaltung zum Verhängnis», sagte Schmutz in seinem Plädoyer. Er spielte dabei auf die von der Polizei gefundenen Aufzeichnungen des Angeschuldigten an, die seinen Drogenhandel exakt wiedergaben. Dem stimmte auch Gerichtspräsident Peter Moser zu: «Wir konnten so die Menge fast aufs Gramm genau bestimmen». Für die Zeit nach der U-Haft konnten die Mengen aus den Angaben der Kunden sowie dem Geständnis des Angeschuldigten ermittelt werden. Zehn Monate unbedingt Die Richter sprachen den 40-Jährigen ausserdem wegen Autofahrens ohne Führerschein und wegen Pornografie schuldig. «Für den Drogenhandel erachten wir eine Freiheitsstrafe von drei Jahren als angemessen», so Moser. Davon soll der Mann nur die Hälfte unbedingt verbüssen müssen. Für die anderen Delikte erhielt er zusätzlich eine bedingte Geldstrafe von 35 Tagessätzen à 25 Franken aufgebrummt. Zudem muss er die Verfahrenskosten von rund 22500 Franken übernehmen. Nora Scheidegger >

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