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Der Abstand zu den Senioren wird gross und grösser

Mit den Mountainbikern von Pro Senectute unterwegs in der Region Burgdorf – ein Selbstversuch.

Senioren, sagt man landläufig, werden immer fitter. So fit, dass sie sich mittlerweile nicht mehr einfach damit begnügen, sich aufs Velo zu setzen und gemütlich durch die Landschaft zu bummeln. Mountainbiken heisst heutzutage zumindest für die Sportlicheren unter den älteren Semestern das Zauberwort, und Pro Senectute, die Organisation für alle Fragen rund um das Alter, greift diesen Trend auf. Seit letztem Jahr bietet sie in Burgdorf zwischen Frühling und Herbst jede Woche eine geführte Ausfahrt an. Jetzt, zum Start in die neue Saison, wollen Franz Eggimann, Anni Riedel und Sonja Seiler, die drei Leiter, die Gruppe aufteilen. Die einen fahren eine einfachere Route über breitere Wege, die andern eine schwierige, bei der es auch über schmale Steige mit Schotter, Kies oder gar Wurzeln gehen kann. Angesprochen sind sportliche Leute ab 55Jahren – ob da ein Mittvierziger, der zwar ein Jahrzehnt weniger auf dem Buckel hat, aber die meiste Zeit im Büro sitzt und deshalb kaum trainiert ist, überhaupt mithalten kann? Auch wenn er bewusst nur die leichte Tour anpackt? Mal sehen. Der Anfang verläuft erstaunlich positiv. Vom Start beim Burgdorfer Hallenbad gehts los in Richtung Wynigen, schon bald folgt als erste Hürde der sanfte Anstieg hinauf zur Abzweigung gegen das Sommerhaus. Das geliehene Bike läuft wie geschmiert, zuweilen muss sogar ein leichter Druck auf die Bremsen ein zu nahes Auffahren auf den Vordermann verhindern. Zur Linken klebt die andere Gruppe an einem bewaldeten Abhang und arbeitet sich von Wurzel zu Wurzel vor. Die BKW-Anlagen von Bickigen tauchen auf, ein erster Stopp, «trinken ist wichtig», sagt Anni Riedel vorne an der Spitze. Ein, zwei Schluck genügten vollauf. Freude macht sich breit, darüber, mit den andern mithalten zu können. Anni Riedel hat es auf dem Platz beim Hallenbad so ja auch in Aussicht gestellt: An dieser Ausfahrt gehe es um einen gemütlichen Einstieg ins Velojahr. Es folgen ein Aufstieg und eine Abfahrt, ob Grasswil öffnet sich der Blick aufs Mittelland und den Jura, später grüssen aus der Tiefe zwei Silos mit Schweizer Fahnen, Hellsau. Unten hört der Hartbelag auf, das Bike rollt nun über Naturwege mit Kies, der mal gröber und mal feiner ist. Und plötzlich scheint Sand im Getriebe zu sein, die Pedale zu treten, strengt jedenfalls zunehmend an, aber was solls, gleich naht Heinrichswil in der Solothurner Nachbarschaft, Zeit für den wohlverdienten Kaffeehalt. Nach einer Stunde und gut 13 Kilometern. Genauso muss es sein, denn an den Ausfahrten soll nicht nur die Fitness erhalten, sondern genauso die Geselligkeit gepflegt werden. So trifft man sich mittlerweile auch unter der Woche mal oder im Winter, etwa, um im Kraftraum weiterzutrainieren. Nach der verdienten Ruhepause taucht die Gruppe in einen Wald ein. In den Bäumen zwitschern die Vögel und zeugen vom nahenden Frühling, ideal sei das Wetter, weder zu kalt noch zu warm und trotzdem sonnig, entfährt es einem spontan. In einem stetigem Auf und Ab, wie es in dieser vermeintlich so flachen Gegend vom Auto aus gar nicht richtig zu erkennen ist, zieht der Trupp weiter. Das Bike scheint immer harziger zu laufen, langsam tut sich zu den Senioren eine Lücke auf. Wenigstens bleiben sie – noch – in Sichtweite. Kurz vor Koppigen bauen sich in der Ferne majestätisch die Alpen auf, Finsteraarhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau oder Stockhorn. Spontan entscheiden die Teilnehmer, noch hinüber an die Emme zu fahren und ihr entlang zurück nach Burgdorf zu fahren. Der Abstand wird lang und länger, und im Schachenwald geht der Anschluss an die Gruppe definitiv verloren. Einzig Anni Riedel, diesmal die Schlussfahrerin, wartet auf den langsamen Gast. Was bleibt? Erstens das Austurnen und der Tipp von Anni Riedel, ein nächstes Mal den Hintern tüchtig einzusalben und so die Druckstellen zu verhindern, die sich nach der dreistündigen Tour derart unangenehm bemerkbar machen. Und zweitens die Erkenntnis, dass Senioren von heute tatsächlich fit sind. So fit, dass ein Mittvierziger aus dem Büro Mühe hat, ihnen auf Dauer folgen zu können.Stephan Künzi>

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