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«Der Mensch ist ja kein Toyota!»

Oberland Bei Rückenschmerzen ist ein ganzheitliche Diagnose unumgänglich. Denn im Gegensatz zu einem Auto können beim Menschen nicht einfach einzelne Teile auswechselt werden, betonte der Arzt Othmar Schwarzenbach vom Rückenzentrum Thun.

Das Schweizerische Rote Kreuz Berner Oberland lud kürzlich wieder zu einem kostenlosen Vortrag über ein Leiden ein, das vielen Leuten das Leben buchstäblich zur Hölle macht. «Rückenschmerzen – das Volksleiden» war der Titel des dritten Referats aus der Vortragsreihe, und Dr.med. Othmar Schwarzenbach sprach damit rund zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung an. Denn so viele Menschen leiden mindestens einmal in ihrem Leben an Rückenschmerzen. Mit witzigen Bemerkungen und vielen Bildern klärte der Mediziner die Anwesenden über die Behandlungsmöglichkeiten von Rückenschmerzen auf. Individuelle Abklärung ist wichtig Eigentlich sei die Wirbelsäule immer noch für das Gehen auf vier Beinen konzipiert, doch von diesem Konzept sei nur die Einteilung übrig geblieben. So könne es sein, dass Schmerzen aus einem anderen Körperteil stammen könnten, als sie wirklich spürbar seien. Da die Wirbelsäule auch das zentrale Element unserer Körperhaltung ist, stammen denn auch 52 Prozent aller Bewegungsapparat-Invaliditäten von Erkrankungen der Wirbelsäule. Davon sind 81 Prozent banale Rückenschmerzen oder «Low Back Pain», wie sie auch genannt werden. Diese Art des Schmerzen sei am schwierigsten zu behandeln, erklärte Othmar Schwarzenbach: «Schmerzen sind immer ein Zusammenspiel von Bio-, Psycho- und Sozioproblemen. Der behandelnde Arzt muss sich also auch über die Lebensumstände des Patienten informieren, denn nur so kann eine vollständige Diagnose gestellt werden. Der Mensch ist ja kein Toyota, und man kann nicht einfach Teile auswechseln, und alles ist wieder gut». Es sei auch wichtig, dass zuerst abgeklärt wird, was denn eigentlich schmerzt. Daraus könne dann eine Diagnose entstehen – und nur damit könne dann auch die beste Therapieform gefunden werden. «Ohne Abklärung gibt es keine Diagnose, und ohne Diagnose gibt es keine Therapie», sagte der Gründer und Leiter des Rückenzentrums Thun. Viele Behandlungsmöglichkeiten Besonders gut zu behandeln seien Bandscheibenvorfälle und Spinalkanalstenosen. Es gebe viele Behandlungsmöglichkeiten. Zuerst werde aber meistens die konservative Therapie versucht, das heisst, die Patienten gehen in die Physiotherapie oder zum Chiropraktiker. Eine weitere Therapie, die keine chirurgischen Eingriffe voraussetzt, ist die Infiltration, bei der Medikamente direkt in die betroffenen Stellen gespritzt werden. Im Rückenzentrum wird auch die Tiefenentspannungsschmerztherapie eingesetzt, eine Art der Selbsthypnose, die einfach zu erlernen ist und dem Patienten die Möglichkeit bietet, sich selbst zu therapieren. Wenn diese Methoden nicht die richtigen für den Patienten sind, wird chirurgisch eingegriffen. Auch hier gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten; der Arzt muss versuchen, im Gespräch mit dem Patienten die beste zu finden. «Das gegenseitige Vertrauen ist in diesem Fall essenziell. Ist ein Patient dem Arzt gegenüber nicht ehrlich oder negativ eingestellt, sollte der Arzt diesen gar nicht erst behandeln», sagte Schwarzenbach. Doch auch die Ärzte müssten vorsichtig sein: «Oft werden Patienten einfach schubladisiert und können so nicht richtig behandelt werden. Als Mensch muss man sich gegen diese Schubladisierung wehren, Fragen stellen und sich aufklären lassen», ist die Meinung des Rückenspezialisten. Irina Eftimie>

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