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Der verunfallte Mann ist gestorben

Der Mann, der am Montag auf der Lütsche beim Riverrafting auf der Lütschine verunfallt ist, ist seinen Verletzungen erlegen. Der Saudi-Arabier, der in Kuwait lebte, war bei einer Stromschnelle aus einem Boot gefallen.

Philippe Willi, Geschäftsleitungsmitglied der Outdoor Interlaken AG, ist tief betroffen. Der Unfall auf der Lütschine passierte bei einer Tour, die sein Unternehmen durchführte. Am Tag nach der Tragödie schildert Philippe Willi den Unfallhergang: «Eine Riverrafting-Tour auf der Lütschine besteht immer aus zwei Teilen. Denn ein Stück dieses Wildwassers darf nicht befahren werden. Die Gäste werden dort mit Bussen transportiert. Der erste Teil der Tour am Montag verlief völlig problemlos. Wie immer wurde zu Beginn des Dangelstutz eingewassert. Dort folgt bald eine Stromschnelle. Dabei passierte das Unglück: Drei Passagiere fielen aus dem Boot. Einer konnte sofort wieder an Bord geholt werden. Ein anderer wurde kurz danach von unsererm Fotografen, der die Tour begleitete, an Land geholt. Er wurde mit der Ambulanz ins Spital Interlaken gebracht. Der Dritte trieb auf der Lütschine, gab den anderen auch noch Zeichen. Er konnte aber erst nach längerer Zeit bewusstlos in ein Boot geholt werden. Dort wurde sofort mit der Reanimation angefangen. Nach der Bergung unseres Gastes übernahmen die Hilfskräfte die Reanimierung und der Verunfallte wurde unverzüglich mit dem Helikopter ins Spital geflogen.» Wie die Kantonspolizei gestern mitteilte, ist der 31-Jährige Saudi-Arabier, der in Kuwait lebte, noch am Abend verstorben. Sein Landsmann, der ins Spital Interlaken gebracht wurde, konnte dieses bereits wieder am Abend verlassen. Begleitet von zwei weiteren Personen, die zu dieser Reisegruppe gehörten, und Betreuern der Outdoor Interlaken AG kehrte er ins Hotel zurück. Die beteiligte Abenteuer-Firma hat das Care Team des Kantons Bern angefordert, auch um die Guides und andere Mitarbeiter von Fachleuten betreuen zu lassen. Der Dangelstutz befindet sich zwischen Zweilütschinen und Wilderswil (siehe Grafik). Philippe Willi erklärt, dass die Lütschine ein Wildwasser der Klasse 3 bis 4 ist, also die zweithöchste Wildwasserstufe hat, die kommerziel geraftet wird. Der Wasserstand habe zum Zeitpunkt des Unglücks 30,9 Kubikmeter pro Sekunde betragen, das Maximum, um solche Touren durchführen zu können, liegt bei 65 Kubikmetern. Ein Restrisiko bleibt Die Guides, welche die Gruppe begleiteten, haben laut Philipp Willi alle erfolgreich die Ausbildung der Swiss Outdoor Association (SOA) absolviert. Das Unternehmen verfügt über die Zertifizierung «Safety in Adventures S». «Auch die Ausrüstung war völlig in Ordnung», sagt Philippe Willi. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: «Das Restrisiko hat zugeschlagen.» Jeder Abenteurer muss vor so einer Tour unterschreiben, dass er sich bewusst ist, dass ein Restrisiko besteht, und er diese Folgen selber verantwortet und trägt. Trotzdem wird der genaue Unfallhergang noch weiter abgeklärt. Auf die Frage, ob es sich bei dieser Stromschnelle nicht um ein zu hohes Risiko handelt, antwortet Willi: «Die Guides geben vorher immer den Befehl ‹hold on, get down›, die Teilnehmer müssen sich also unten im Boot festhalten. Denn dieser Teil ist anspruchsvoll.» Dass jemand aus dem Boot falle, komme vor, sei aber eher aussergewöhnlich. «Aber wir gehen davon aus, alles Menschenmögliche unternommen zu haben», sagt das Geschäftsleitungsmitglied der Outdoor Interlaken AG. Ob die Verunfallten unter Umständen dem Befehl des Guides nicht nachgekommen sind, sich nicht oder nicht genügend festgehalten haben, kann laut Willi möglicherweise anhand der Bilder festgestellt werden, die der Fotograf machte. Sie wurden alle der Polizei übergeben. Das Unglück vom Montag ist für die Outdoor Interlaken AG der erste Unfall mit Todesfolge. Im vergangen Jahr haben bei diesem Betrieb 4000 Männer und Frauen eine Riverrafting-Tour gemacht. «Wir bedauern das sehr» «Wir bedauern diesen Unfall wirklich sehr. Den Angehörigen haben wir angeboten, auf unsere Kosten her zu fliegen, und werden auch sie betreuen», sagt Philipp Willi. In Absprache mit der SOA habe seine Firma ihre Aktivitäten jedoch nicht unterbrochen, sie biete weiterhin Riverrafting-Touren an. «Denn wir gehen davon aus, dass es Schicksal und nicht unser Fehlverhalten war.» Den Guides stehe es frei, ob sie die Touren begleiten wollten oder nicht, weil der Schock noch zu gross sei. «Kein Handlungsbedarf» Hans Allemann, Präsident der SOA, erklärt: «Beim jetzigen Wissensstand besteht für den Verband kein Handlungsbedarf wegen des Unfalls. Da hat das Restrisiko zugeschlagen, das auch auf leichten Flüssen besteht.» Die SOA werde jedoch den Unfallbericht genau studieren, um allfällige Lehren aus dem Unglück ziehen zu können. Susanna Michel >

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