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«Die Investition bringt zu wenig»

Der Thuner Walter Truninger bezweifelt den Nutzen seines Energieausweises. Die errechneten Daten

Von Nutzen ist der Geak nur, wenn die Daten des ausgemessenen Objektes stimmen. Hiervon ist Hausbesitzer Walter Truninger aus Gwatt bei Thun nicht mehr überzeugt. Er gehört zu jenen 15000 Schweizerinnen und Schweizern, die von der Geak-Aktion des Bundes profitierten. Doch Truningers Interesse wandelte sich rasch in Frust. Denn der von einem kantonalen Geak-Experten ausgestellte Energieausweis zeigte einen jährlichen Heizenergiebedarf von 56100 kWh, was 179 Prozent des effektiven, mittleren Heizenergiebedarfs von 31300 kWh entspricht. Letzterer kann, da das Haus mit einer Elektrospeicherheizung beheizt wird, anhand der Rechnungen des Elektrizitätswerkes festgestellt werden und wurde auch vom Experten so ermittelt. Ist ein Rekurs möglich? «Wenn der Geak freiwillig ist», sinniert Truninger, «könnte ich diese grosse Ungenauigkeit des Energieausweises mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen. Doch ist er obligatorisch, frage ich mich schon, warum ich für etwas Geld ausgeben soll, das mit der Realität nichts zu tun hat.» Hinzu komme, was für ihn als Besitzer noch weit schlimmer sei: dass sein im Jahre 1985 «mit viel Sorgfalt für eine gute Wärmedämmung erbautes Haus» als Folge des im Geak festgeschriebenen falschen Energiebedarfs bei einem Verkauf eine Wertminderung erleiden könnte. «Wenn der Geak obligatorisch werden sollte», fordert Truninger, «müsste eine Rekursmöglichkeit zur Korrektur solcher Fehler geschaffen werden.» Doch was sagt der Experte, der den Geak ausgestellt hat? «Die Aussagen, welche im Geak gemacht werden, beruhen auf Standardaussagen und können von uns nur bedingt angepasst werden. Es kann auf Grund der Neueinführung des Tools vorkommen, dass gewisse Aussagen im Geak nicht mit den Gegebenheiten bei Ihrer Liegenschaft übereinstimmen», heisst es in einem Brief des Energieexperten an Walter Truninger. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass eine Thermografie des Hauses gute Energiewerte erbrachte und nur einige wenige unkritische Wärmeverluste aufzeigte, fragt sich Truninger, was die im Geak-Beratungsbericht aufgeführte Bestandesaufnahme der Gebäudehülle wirklich wert ist. Investition: Fr. 247000.– Truningers Haus wird bezüglich Gebäudehülle mit der Energieeffizienzklasse F belegt. Um die Gebäudehülle von der Klasse F ins C zu hieven, müsste Truninger 247000 Franken investieren. Dadurch könnten jährlich 1560 Franken Energiekosten eingespart werden. Es würde also 158 Jahre dauern, bis Truninger diese Investitionskosten zurückgewonnen hätte. Ernüchtert stellt er fest: «Ich frage mich, ob es in der Schweiz wirklich keine Energiesparmöglichkeiten mehr gibt, welche ein besseres Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ergeben. Oder ob – koste es was es wolle – Einsparungen mit einfach anzuordnenden, aber schlecht rentierenden Massnahmen erzielt werden sollen.» Urs Egli >

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