Zum Hauptinhalt springen

Die Konfirmation im Spiegel der Zeit

Schwarz ist vorbei, es lebe die Farbe: Das Museum Krauchthal zeigt, wie sich die Konfirmation veränderte – nicht nur in der Mode.

Jahrzehntelang dominierte einheitliches Schwarz die Konfirmationen im Bernbiet. Schwarz und lang waren die Röcke der Mädchen und ebenso dunkel die Anzüge der Knaben, zu denen ein weisses Hemd und oft sogar ein Gilet gehörte. In den 1960er-Jahren wurden die Röcke der Mädchen kürzer und enger, und in den 1970er-Jahren hielt die Farbe Einzug, wobei die Kleider mit Blick auf die Vorbilder in Indien wieder voluminöser ausfielen. Auch die Knaben kamen plötzlich bunter und vor allem ungezwungener daher, der klassische Anzug wich einer legeren Kombination von Blouson mit Hose, und die Krawatte war auch nicht mehr Pflicht. Ulrich Zwahlen nimmt inmitten dieser neuerdings so farbigen Modewelt Platz, im Rücken ein rosa Ensemble aus Bluse und Jupe für die junge Frau und eine Kombination aus Jeans, Lederjacke und leuchtender Lederkrawatte für den jungen Mann. «Es sind samt und sonders Originalstücke», sagt der Leiter des Museums Krauchthal. Heute wieder klassischer «Glaube, Glamour und Geschenke» lautet der Titel der diesjährigen Ausstellung zur Konfirmation, und sie macht von allem Anfang an klar: Die Kleider haben an diesem Fest zum Ende des kirchlichen Unterrichts, wie es in diesen Tagen landauf, landab wieder gefeiert wird, seit je eine zentrale Rolle gespielt. Modeannoncen aus alten Zeitungen zeigen das ebenso wie eben die Kleider, über die Zwahlen gerade redet. Sie hängen an puppenartigen Ständern, bilden zusammen mit etlichen schwarzen Modellen aus unverkennbar älteren Tagen eine hübsche Gruppe – den eigentlichen Blickfang der Ausstellung. Wobei Zwahlen gleich auch noch auf die Fotoserie rundherum verweist. Zu sehen sind diverse Konfirmandenklassen von den 1920er-Jahren bis heute – in jüngster Zeit, setzt der Leiter seine historische Betrachtung fort, sei ein gewisser Trend zurück zu klassischer Eleganz zu beobachten. Bei aller Individualität, die den jungen Leute nach wie vor sehr wichtig sei. Velo, Silberbesteck, Laptop Zwahlen und sein Team haben weiter Leute aus verschiedenen Zeiten zu ihren Konfirmationskleidern befragt. Eine Frau erinnerte sich daran, wie sie 1938 den Stoff «in der Handlung von Marie Hubacher» auswählen durfte, den Rock selber fertigte dann «die Störenschneiderin Heidi Münger» an. 1962 gingen Eltern mit ihrem Burschen zum renommierten Herrenausstatter Kleider Frey, 1980 kleidete man sich bereits in einer der vielen kleinen Boutiquen ein, wie sie damals in Mode kamen. Noch 1979 kam es aber auch vor, dass das Kleid in der Arbeitsschule selber genäht wurde. Ebenso interessant nachzulesen, sind die Antworten auf die Frage nach den Geschenken. Ein Velo, Taschentücher und Socken waren 1962 selbstverständlich, und noch 1980 konnten ganz traditionell eine Goldrand-Suppenschüssel und Silberbesteck auf dem Wunschzettel stehen. 1999 gabs «eine schöne Uhr und viel Geld», und 2006 wurden die Noten für den Kauf eines Laptops zusammengelegt. Erst jüngeren Datums Die alte Abendmahlskanne und die alte Abendmalsdecke aus Krauchthal, ein alte Bibel, Lehrbücher und Konfirmationsurkunden lenken schliesslich die Aufmerksamkeit zurück auf das, was die Konfirmation in ihrem Wesen ist. Die Besucher stellen dabei erstaunt fest, dass das Fest in der heutigen Form so alt nicht ist: «Die Geschichte der Unterweisung beginnt in neutestamentlicher Zeit – die Geschichte der Konfirmation in der Reformationszeit, im Kanton Bern erst mit dem Beginn des 19.Jahrhunderts», heisst es in der Begleitbroschüre.Stephan KünziOffen jeden ersten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr und jeden dritten Freitag im Monat von 19 bis 21 Uhr.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch