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Die Mär um ausgesetzte Jungwölfe

Einige Jäger sind bei ihrer Hetzjagd gegen den Wolf mit ihrem Jägerlatein möglicherweise derart am Ende, dass sie Propaganda betreiben: Der Berner Tierpark Dählhölzli setze seine überzähligen jungen Wölfe bei Nacht und Nebel im Berner Oberland aus. Da sei es kein Wunder, wenn der Wildbestand drastisch abnehme. Dieses Gerücht wird offenbar in Jägerkreisen rumgeboten und wurde jüngst auch an diese Zeitung herangetragen. «Ja, das habe ich auch schon gehört», bestätigt der erfahrene Jäger S.* aus dem Oberland den Klatsch aus dem Wald. Das sei nichts Neues und werde vor allem von ultrakonservativen Jägern erzählt. «Von denen gibts zum Glück immer weniger», sagt S. Vor ein paar Jahren sei bereits herumgeboten worden, dass Tierparks Luchse aussetzten. Jetzt seien es eben Wölfe. S. hält nichts vom Geschwätz: «Ich kann mir das nicht vorstellen. Über die DNA-Analyse kann ja für jeden Wolf seine genaue Herkunft bestimmt werden.» Davon höre er zum ersten Mal, sagt Peter Juesy und lacht laut, als er auf das Gerücht angesprochen wird. Der Jagdinspektor des Kantons Bern bestätigt die Vermutung von Jäger S. betreffend DNA-Analyse: «Da gibt es keine Zweifel – bei den Wölfen im Kanton Bern handelt es sich um Zuwanderer aus der französisch-italienischen Population. Wenn eines der Tiere aus dem Dählhölzli stammen würde, hätten wir das per DNA-Analyse längst herausgefunden.» Nicht den Tatsachen, sondern auch eher der Kategorie Jägerwitz ordnet Juesy das Geschwätz über den abnehmenden Wildbestand zu: «Fakt ist, dass der Bestand von Reh- und Gämswild fast in allen Wildräumen des Berner Oberlandes leicht zunehmend ist.» Gerade in den vergangenen Wochen sei er im Kandertal mehrmals von Jägern informiert worden, dass sich der Bestand bei den Rehen erfreulich entwickle, weiss Juesy zu berichten. Der Jagdinspektor wundert sich auch, dass die redseligen Jäger so schlecht informiert sind: «Reh- und Gämswild sind vom Wolf nicht bedroht, sein Hauptbeutetier ist der Rothirsch.» Einer, der nun wirklich wissen muss, wenn an der Geschichte der ausgesetzten Jungwölfe was dran wäre, ist Dählhölzli-Direktor Bernd Schildger. Auf die Frage, ob er das Gerücht dementieren könne, sagt Schildger: «Ja, das kann ich ganz einfach. Ich kann mich nämlich kaum mehr erinnern, wann wir im Wolfsgehege letztmals Nachwuchs hatten. Das muss vor über zehn Jahren gewesen sein.» Und falls der Tierpark mal überzählige Jungtiere hätte, würden diese an andere Tierparks weitergegeben. Oder im schlimmsten Fall eingeschläfert. Sicher aber nicht im Oberland ausgesetzt. Aber zugegeben: eine «verruckte Geschichte» wärs – wenn es stimmen würde.Bruno Stüdle*Name der Redaktion bekannt. >

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