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«Die Schweizer provozierten»

Eine Massenschlägerei beim Jugendtreff in Langendorf sorgte am Freitagabend für rote Köpfe, einen Polizeieinsatz und massenhaft gegenseitige Anschuldigungen. Jetzt versuchen die Behörden, die Temperatur zu senken.

Für Sozialarbeiter Roland Vögeli sind Schweizer schuld an der Massenschlägerei vor dem Jugendtreff von Langendorf.
Für Sozialarbeiter Roland Vögeli sind Schweizer schuld an der Massenschlägerei vor dem Jugendtreff von Langendorf.
Peter Ilg

Gleich mit drei Streifenwagen rückte die Kantonspolizei am Freitagabend gegen 23 Uhr an. Gemeldet worden war ihnen eine Massenschlägerei vor dem Jugendtreff in Langendorf. Als die Polizisten dort eintrafen, war laut deren Mediensprecher Urs Eggenschwiler «praktisch niemand mehr da». Die wenigen seien auf die rechtlichen Möglichkeiten aufmerksam gemacht worden, und bald sei die Polizei wieder abgerückt. «Kein Alkohol»Zu trennen gab es zu diesem Zeitpunkt nichts mehr, aber eine Viertelstunde vorher hätte es einiges mehr zu schlichten gegeben. Klar ist für Jugendarbeiter Roland Vögeli, was geschehen ist: Acht jugendliche Mitglieder des Turnvereins Langendorf hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Grillparty wiederholt mit Gesten durchs Fenster provoziert, bis die meist ausländischen Festbesucher nach draussen gegangen seien. «Sie wollten die Sache dort friedlich regeln, wurden aber angerempelt und schliesslich flog eine Faust», erzählt Vögeli. Dann ging es erst so richtig los, wobei die acht Provozierenden unter die Räder gekommen seien. Er selber sei nicht dazwischen gegangen, aber von einem der acht angepöbelt worden. Er habe uniformierte Hilfe angefordert. Die Polizei habe die Veranstaltung noch kontrolliert, ob im Jugendtreff Alkohol konsumiert oder geraucht worden sei. «Das war aber nicht der Fall», erzählt Vögeli. Dies im Gegensatz zu den Turnvereinsmitgliedern.Trotzdem durchgeführtDer Vorfall kommt zu einem schlechten Moment. Nach früheren Vorfällen war der Jugendtreff jeweils am Freitagabend geschlossen. Anlässe an diesem Wochentag sollten in Zukunft nur noch mit einem Security-Dienst stattfinden. Die beiden vorgesehen Personen aus dem Umfeld von Vögeli mussten an diesem Abend allerdings absagen, weil sie sich beide verletzt hätten. Da aber das Fleisch bereits eingekauft war, habe er sich entschlossen, die Party trotzdem durchzuführen. «Etwa 60 Junge kamen, etwa zu 60 Prozent waren es Ausländer», erklärt der Jugendarbeiter. Für ihn ist das Fazit des Abend klar: «Immer diese Ausländer» sei ein Vorurteil, in diesem Fall seien aber die Schweizer die Schuldigen. Und klar ist auch, dass er in nächster Zeit am Freitagabend keinen Anlass ohne Security-Leute organisiere.«Angegriffen worden»Nach dem hitzigen Freitagabend ist symbolisch angesagt, was sonst offenbar nach einem Anlass nötig ist: Scherben aufräumen. Gestern abend fand eine Aussprache zwischen Vögeli und den acht jungen Erwachsenen statt, denn diese sind mit dessen Version gar nicht einverstanden. Sie selber hätten die Polizei angerufen, nachdem sie beim Durchqueren des Geländes angegriffen worden seien. «Wir wollten auf den Bus nach Solothurn», sagt stellvertretend einer der Beteiligten. Weitere Details wollte der Sohn eines SP-Gemeinderates zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. «Private Gruppe»Sehr erstaunt über den Vorfall und über die Vorwürfe zeigte sich Philipp Mann, Präsident des Turnvereins Langendorf. «Ich habe keine Ahnung, was passiert ist», sagte er auf Anfrage. Nachdem er sich erkundigt und sich ins Bild gesetzt hatte, ergänzte er seine Aussage dahingehend, dass es sich bei den acht Leuten um eine private Gruppe gehandelt habe und es auch längst nicht alle Mitglied des Turnvereins Langendorf seien. Gewalt sei für ihn nicht akzeptierbar, fügte er bei, ob diese Mitglieder seien oder nicht. Als Anwohner in der Nähe des Jugendtreffs sei er indes nicht erstaunt, dass es dort immer Radau gebe. Er bezeichnet die Kundschaft als schwierig und nimmt auch das Wort «Pack» in den Mund. So sei auch in der Nacht auf Samstag das Schulhaus extrem versprayt worden, habe er erfahren.

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