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Die «Stars» stehen an der Linie

Der FC Biel spielt heute (17.45 Uhr) im St.-Jakob-Park auf der grossen Fussballbühne: Die Seeländer treffen im Cupviertelfinal auf den FC Basel. Solche Auftritte sind sich beim Challenge-Ligisten nur die beiden Trainer gewohnt.

Vor zwei Wochen schaute sich Robert Lüthi den Super-League-Spitzenkampf zwischen YB und Basel im Stade de Suisse an, der Assistenztrainer des FC Biel hatte Bleistift und Notizblock im Gepäck – er nahm die Basler Equipe genau unter die Lupe. Heute gastieren die zweitklassigen Seeländer im St.-Jakob-Park (17.45 Uhr), erstmals seit 24 Jahren haben sich die Seeländer für die Viertelfinals des Schweizer Cups qualifiziert. «Spion» Lüthi zeigt sich trotz der 0:2-Niederlage vom FC Basel beeindruckt. «In technischer und physischer Hinsicht ist uns diese Mannschaft mehr als nur einen Schritt voraus.» Auch für Cheftrainer Philippe Perret, der 2001 mit Yverdon den Cupfinal erreichte, ist die Ausgangslage klar. Die Siegeschance für seine Equipe beziffert er bei einem Prozent. «Ein Erfolg käme einem kleinen Fussballwunder gleich. Wir glauben aber an ein solches, sonst hätten wir uns ja das Beobachten sparen und einen freien Sonntag beziehen können», sagt der 48-Jährige schmunzelnd. Ein perfektes Team Philippe Perret und Robert Lüthi stiessen im Sommer 2008 als Trainerduo zum damaligen Aufsteiger, zuvor hatten die beiden bereits bei La Chaux-de-Fonds (Challenge League) und Serrières (1.Liga) zusammengearbeitet. Als Aktive verbrachten sie 14 gemeinsame Jahre bei Xamax, sie gehörten der legendären Xamax-Generation an, welche in der Saison 1985/1986 im Uefa-Cup-Viertelfinalrückspiel Real Madrid 2:1 besiegte und in den zwei darauf folgenden Spielzeiten unter Coach Gilbert Gress jeweils das Double gewann. Auch in der Schweizer Nationalmannschaft kreuzten sich die Wege des Romands Perret und des «Bilingue» Lüthi. «Wir vertrauen uns sowohl auf als auch neben dem Platz und pflegen ein harmonisches Verhältnis», erzählt Perret. Die Rollen seien dabei klar verteilt, konstatiert Lüthi. «Philippe ist der Chef, er trägt die Hauptverantwortung.» Perret jedoch schätzt das Fachwissen seines Copains und fragt diesen oft um Rat. «Wir befinden uns nahe beim Team und kommunizieren viel mit den Spielern.» Lüthis Deutschkenntnisse kämen ihm in dieser Hinsicht entgegen. «Wir verfolgen eine gemeinsame Philosophie, wollen offensiven Fussball spielen lassen und den Akteuren Raum zur Entfaltung gewähren», sagt der 51-jährige Lüthi. Die Statistik belegt dies: In 49 Pflichtspielen unter dem Duo Perret/Lüthi hat der FC Biel 107 Treffer erzielt. In der jungen Bieler Equipe (Durchschnittsalter 23 Jahre) nimmt das Duo eine Ausbildungsfunktion wahr; mit Ausnahme der YB-Leihgaben Dussin, Di Nardo und Dénervaud gehen sämtliche Spieler einer Arbeit nach. Nur Offensivspieler Adrian Moser hat über 50 Partien in der höchsten Schweizer Spielklasse bestritten, auch ihm gelang beim FC Thun der Durchbruch indes nicht. Bei den Seeländern wirken die eigentlichen «Stars» also an der Seitenlinie. Doch auch für Perret und Lüthi ist Fussball nicht die Haupteinnahmequelle, sie sind ebenfalls beide berufstätig. Zwei Fussballwelten Mit dem FC Basel treffen die Bieler heute auf einen Gegner, «der sich in anderen Sphären befindet», erklärt Perret. Die Basler operieren mit einem Lohnbudget von 23 Millionen Franken, den Seeländern stehen rund 510000 Franken zur Verfügung (siehe Grafik) – wobei das Budget nicht einmal vollumfänglich ausgeschöpft wird. «Dass wir in der Challenge League dennoch auf Tuchfühlung mit der Spitze bleiben können, erfüllt uns mit Stolz», sagt Lüthi. Ob er Basel-Trainer Thorsten Fink beneide und gerne mit ihm tauschen würde? «Mir gefällt es gut in Biel, die Arbeit mit jungen und erfolgshungrigen Spielern behagt mir. Ich bin aber überzeugt, dass Fink mit uns nicht tauschen möchte», erzählt er mit einem Augenzwinkern. Nach halbem Pensum befindet sich der FC Biel in der Meisterschaft auf dem sechsten Rang, nach langen Jahren in der Anonymität der 1.Liga sind die Seeländer in der zweithöchsten Spielklasse definitiv angekommen. Und die Aufbauarbeit hat erst begonnen; das neue Kleinstadion, welches 2013 bezugsbereit sein sollte, eröffnet Perspektiven. Von Nervosität bei den Spielern habe er nichts gespürt, sagt Perret. «Sie empfinden es als Ehre, Nationalspielern wie Streller, Frei und Huggel gegenüberzustehen.»Philipp Rindlisbacher >

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