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Die Young Boys haben den Kurs erfolgreich korrigiert

FussballDas 2:1 in Zürich ist der vierte YB-Sieg in Folge. Trainer Christian Gross hält ein Kader bei Laune, in dem Stamm- und Ergänzungsspieler gleich wichtig sind.

Am Ende müssen sie beide schmunzeln. Nach einer turbulenten, intensiven Begegnung, die YB gegen den FCZ mit 2:1 gewann, finden sich die Trainer Christian Gross und Urs Fischer zur Pressekonferenz ein, wo sie zu lächeln wissen, jedoch mit ganz unterschiedlichem Ertrag dastehen. «Das habe ich noch nie erlebt», lautet bei Gross und Fischer unisono der Kommentar zu den beiden Platzverweisen gegen Zürich, die innerhalb weniger Sekunden erfolgten. Während aber Urs Fischer zum Lachen momentan eher selten Grund hat, ist Christian Gross’ gute Laune auch mit der Form seiner Mannschaft zu erklären. YB musste in Zürich trotz doppelter Überzahl bis zum Schluss um die drei Punkte zittern, letztlich aber zählt nur der Sieg – und davon haben die Young Boys zuletzt gleich vier aneinandergereiht. Auf den fahrlässig verspielten Sieg und das 2:3 zu Hause gegen Zürich folgten Auswärtssiege in Lausanne und im Cup gegen Domdidier, ein Heimerfolg gegen Xamax und nun die geglückte Revanche gegen den FCZ. Nach dem Out im Europa-League-Playoff gegen Braga und den Heimniederlagen gegen Thun (0:2) und Zürich erlebte YB schwierige Tage, in der Tabelle blieb das Team zurück, Kritik keimte auf. Nun aber wurde der Kurs mit den jüngsten Erfolgen flugs in die Richtung korrigiert, wo es sich Christian Gross als Trainer eines Schweizer Teams gewohnt ist, zu stehen: Richtung Spitze. YB steht neu auf Platz 2. Costanzo: Siegtor und Bank Gross hat bei YB ein breites, starkes Kader bei Laune zu halten. Spieler wie Moreno Costanzo, bei manch anderem Klub wohl unbestritten in der Startformation, finden sich trotz wiederholt guter Leistungen auf der Bank wieder. Auch am Samstag gegen Zürich prägte Costanzo nach seiner Einwechslung in der 56.Minute das YB-Spiel, und schliesslich gelang ihm auch das Siegtor. «Wenn er so weitermacht, erhält er bald wieder die Chance, von Anfang an zu spielen», sagt sein Trainer. «Ich war eine Zeit lang verletzt, bin konditionell nun aber langsam dort, wo ich sein will», sagt Costanzo selbst. Mitte August hatte der Ostschweizer gegen GC eine Bänderverletzung erlitten. Zum Kreis der bei YB gesetzten Spieler zählt Christoph Spycher. Der Könizer hat sämtliche zehn Meisterschaftsspiele über die volle Dauer bestritten, er ist neben Marco Wölfli oder Michael Silberbauer eine der Leaderfiguren, die Trainer Gross mitunter stärker in die Pflicht nimmt. «Es spricht für uns, haben wir in diesem turbulenten, psychologisch auch für uns schwierigen Spiel noch gewonnen», sagt der Verteidiger am Samstag, als der Sieg gegen Zürich endlich Tatsache ist. Mit allen verbliebenen acht Feldspielern standen die Gastgeber zeitweise am eigenen Strafraum, so war der Berner Weg zum Zürcher Tor trotz doppelter Überzahl kein leichter. «Wir haben aber die Ruhe bewahrt und den Sieg eingefahren, ob souverän oder nicht, ist egal.» Über die Ruhe, die es zu bewahren gilt, möchte wohl auch FCZ-Sportchef Fredy Bickel mit dem einen oder anderen seiner Spieler sprechen. Zwei Rote Karten kassierten die Zürcher innerhalb weniger Sekunden, ein rüdes Foul von Alexandre Alphonse, eine unnötige Geste von Xavier Margairaz. Zwei an sich gestandene, erfahrene Spieler brachten die eigene Mannschaft auf die Verliererstrasse. Bickel: «Mit Margairaz werde ich ernsthaft reden müssen.» Trainer Urs Fischer pflichtet ihm bei, klammert sich aber an die Moral, die seine Mannschaft gezeigt hatte: «Im Moment ist zu wenig Selbstvertrauen da, am besten waren wir dank der aufgekommenen Emotionen dann zu neunt.» Gross: Bundesliga kein Thema «Wir haben mindestens vier Punkte zu wenig», bilanzierte Christian Gross noch am Freitag das erste Meisterschaftsviertel, «wir müssen alles daran setzen, diese wieder aufzuholen.» YB ist auf einem guten Weg dazu. Gross setzt auf Kontinuität, die Räder beginnen langsam ineinanderzugreifen. Deswegen schmunzelt er noch ein zweites Mal an diesem Samstagabend, nämlich, als man ihn auf eventuelle Verbindungen zur Bundesliga anspricht, wo die Trainerposten in Hamburg und auf Schalke vakant sind. «Ich unterschreibe doch nicht einen Vertrag in Bern, um drei Monate später in Deutschland zuzusagen», sagt Gross abwinkend. Mit YB hat er noch viel vor. Moritz Marthaler>

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