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«Dieses Werk drängt sich auf»

Die Ankündigung der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO), sie prüfe ein Pumpspeicherkraftwerk auf

Warum verkündeten die KWO die Idee für den Bau eines Pumpspeicherkraftwerks auf der Axalp ausgerechnet zu einer Zeit, in der das Einreichen der drei Gesuche für die Konzessionen von «KWO plus» erwartet wird? Gianni Biasiutti: In der Begleitgruppe, die von Regierungsrätin Barbara Egger geleitet wird und der nicht nur wir, sondern auch Gegner unserer Ausbauvorhaben angehören, wurde diese Idee thematisiert. Es wurde erwartet, dass die KWO das abklären. Deshalb lassen wir eine Machbarkeitsstudie erstellen. Das braucht Abklärungen und Begehungen vor Ort in der Landschaft. Damit sich niemand wundert, was diese Leute denn da machen, wollten wir frühzeitig über dieses Vorhaben informieren. Und was konkret kann zu dieser Idee gesagt werden? Wer die Landkarte studiert, sieht, dass sich durch die Topografie ein Pumpspeicherwerk vom Brienzersee über die Axalp bis zum Räterichsbodensee geradezu aufdrängt. Da sind zwei Seen, die sich verbinden lassen, mit einer grossen Höhendifferenz dazwischen. Zudem liegt im unteren See viel Wasser, das für einen Pumpspeicherbetrieb genutzt werden kann. Ich muss aber sagen, dass ein Pumpspeicherwerk kein Kernkraftwerk ersetzen kann. Denn eine solche Anlage liefert keinen Strom, sondern hilft, die Sicherheit und die Effizienz der Energieversorgung zu steigern. Das ist gerade für die Stromproduktion mit Sonne und Wind sehr wichtig. Diese Energiequellen sind schwer berechenbar, um den Strombedarf abzudecken. Ein Pumpspeicherkraftwerk kann in idealer Weise den Ausgleich erbringen. Ist dieses Vorhaben so etwas wie ein Plan B, falls die Gesuche scheitern und die Staumauern des Grimselsees nicht erhöht werden dürfen? Das ist keineswegs ein Plan B, sondern es kann ein weiterer Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Energie sein. Ein Stausee ist gewissermassen ein Treibstofftank, der es ermöglicht, das Wasser dann zu nutzen, wenn Strom gebraucht wird. Dank dieser Reserve kann ein Wasserkraftwerk in Zeiten einspringen, wenn besonders viel Strom verbraucht wird. Den Tank Grimselsee wollen wir nach wie vor vergrössern. Die drei Projekte, die wir jetzt eingeben wollen, sind tief hängende Früchte unter den Optimierungsmöglichkeiten. Mit einem relativ geringen Aufwand kann die Effizienz der bestehenden Anlagen der KWO deutlich gesteigert werden. Das Pumpspeicherkraftwerk am Brienzersee würde aber zweifellos dazu dienen, unsere Anlagen noch weiter zu optimieren. In welchem Zeitraum liesse sich so ein Werk bauen? Wie gesagt: Wir sind ganz am Anfang. Die Frage nach der Bauzeit wird die Machbarkeitsstudie ebenso beantworten wie die nach den Kosten des Werks. Die KWO müssen auch langfristig planen. Welche Rolle spielen bei diesen langfristigen Plänen die Klimaveränderung respektive der Rückgang der Gletscher? Die Klimaveränderung und die Endlichkeit der fossilen Stoffe haben zur Folge, dass zukünftige Energiesysteme viel mehr auf Strom basieren werden als heute. Strom erlaubt es, alle Quellen der erneuerbaren Energie anzuzapfen und die Energie über weite Distanzen zu transportieren. So macht es Strom bereits heute möglich, dass ein Elektroauto mit Windenergie fährt. Auf diese Zukunft stellen sich die Wasserkraftwerke ein, sie sind wichtige Partner für die Versorgungssicherheit im wachsenden Stromnetz, gerade im Hinblick auf die «Vision Desertec». Das ist das Vorhaben, dass Stromnetze Kontinente miteinander verbinden würden und so Energie aus Wind und Sonne nach Europa leiteten. Mit der Vernetzung erhofft sich Vision Desertec eine starke Nutzung erneuerbarer Energie. Was können die KWO dazu beitragen? Das ist wie ein Puzzlespiel, bei dem verschiedene Teilchen zueinanderpassen müssen. Wir können dafür sorgen, dass unser Puzzleteil, die Wasserkraft, die Funktion erfüllt, die von ihm zukünftig erwartet wird. Wir sprechen hier von einer Vision, die jetzt geplant werden muss, weil es sehr viel Zeit braucht, bis die riesigen Investitionen getätigt werden können. Dazu gehört unter anderem der Bau von vielen Solarkraftanlagen in der Wüste. In der Zwischenzeit braucht es mindestens die nächste Generation von Kernkraftwerken, um die Stromversorgung garantieren und sukzessive auf die fossilen Energien verzichten zu können. Wann reichen die KWO die Gesuche für die Konzessionen ein? Wir arbeiten mit Hochdruck daran. In zwei bis drei Monaten können die Gesuche zu den beiden Kraftwerkprojekten eingereicht werden. Die Eingabe zur Vergrösserung des Grimselsees folgt rund zwei Monate danach. Interview: Susanna Michel>

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