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Diplomat Carl Lutz rettete bedrohte Juden mit viel List

Carl Lutz hat Zehntausende von Juden gerettet. Eine Fotoausstellung in Münchenbuchsee zeigt das Leben des Diplomaten.

Diese Ausstellung wäre in seinem Sinne gewesen, sagt Agnes Hirschi, die Stieftochter des 1975 verstorbenen Judenretters Carl Lutz. «Mein Vater hat sich gewünscht, dass ich mit seinem Nachlass an die Öffentlichkeit gehe.» Carl Lutz wurde 1895 im appenzellischen Walzenhausen geboren und wuchs in einer Methodistenfamilie auf. Der Diplomat und Vizekonsul arbeitete während des Krieges in der Schweizer Gesandtschaft in Budapest. Er war als Leiter der Abteilung für Fremde Interessen für die Auswanderung nach Palästina zuständig. Damals war dies eine lebensrettende Alternative für ungarische Juden. Mit einem Schutzbrief war es jüdischen Einwandern erlaubt, nach Palästina auszureisen. Jeden Tag sah er die grosse Menge von auswanderungswilligen Juden vor der Gesandtschaft stehen. Lutz setzte alles daran, möglichst viele vor der Deportation zu retten. Schweizer Schutzhäuser Ursprünglich hatte Carl Lutz von der deutschen Führung die Zusage erhalten, für 7800 jüdische «Einheiten» einen Schutzbrief auszustellen. Bei weitem nicht genug, fand der Beamte und erreichte mit einer List, dass drei- bis viermal mehr Juden gerettet werden konnten: Das Wort «Einheiten» wandelte er um in «Familien». So gelang es ihm, Zehntausende von Juden vor der Deportation zu bewahren. Als die Bahnverbindungen eingeschränkt wurden, gab es kaum mehr Möglichkeiten, nach Palästina auszureisen. Um die Juden in Sicherheit zu bringen, hat Lutz die Schutzbriefinhaber in «Schweizer Schutzhäuser» umgesiedelt. Passionierter Fotograf «Am Ende war er frustriert», sagt Agnes Hirschi. Nach dem Krieg kehrte Carl Lutz mit seiner Familie in die Schweiz zurück und war enttäuscht, dass er für seinen Einsatz kaum gewürdigt wurde. Jetzt sind 35 Bilder und Dokumente aus dem Leben von Lutz in Münchenbuchsee zu sehen. Die meisten Fotografien hat Lutz – ein passionierter Amateurfotograf – selber gemacht. Die einen geben Einblick in sein Familienleben. Andere zeigen den Arbeitsalltag und Begegnungen in Budapest. Sie erzählen von Lutz’ unermüdlichem Einsatz für die Rettung der Juden. Simone WölfliAusstellung «Visa retten Leben», Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee. 30.April bis 9.Mai. Täglich geöffnet bis 18 Uhr.>

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