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Drei Tote direkt ab der Druckerpresse

TheaterDie Kriminal-

Die Druckerei Schläfli&Maurer in Uetendorf lädt zum Tag der offenen Türe. Der Produktionsleiter erklärt voller Stolz den Besuchern die neue Druckmaschine «Heidelberg Speedmaster XL 145», die grösste Bogenoffsetmaschine der Schweiz. Doch dann passiert etwas Unerwartetes: Die Lehrtochter entdeckt hinter dem 25 Meter langen und 200 Tonnen schweren Ungetüm einen Toten. Und die Mordserie geht weiter, denn es gibt noch zwei weitere Leichen. Was nach einem Melodrama tönt, ist in Tat und Wahrheit eine Kriminalkomödie, welche ab 30. Dezember bis Ende Januar in Uetendorf aufgeführt wird. Ueli Bichsel inszeniert als Autor und Regisseur das Stück «Druckerschwerzi» in einer Fabrikhalle in der Uetendorfer Industriezone. Das Konzept, ein Theaterstück nicht in einem dafür gebauten Saal, sondern in der realen Lebenswelt zu spielen, hat er bereits letztes Jahr im Rahmen der Thuner Schlossspiele mit der Inszenierung von «Der Fall Fulehung» erprobt. In einem Stationentheater bewegten sich Schauspieler und Publikum den Schlossberg hinab. «Von den 13 Schauspielern, welche mitmachen, waren bereits 9 beim Fulehung dabei», konnte Bichsel gestern an einer Pressekonferenz in den Räumen von Schläfli&Maurer vermelden. Auch die Konstellation, dass sowohl Kriminalpolizei wie auch die Redaktion des «Thuner Tagblatts» gleichzeitig den oder die Mörder jagen, komme wieder zum Tragen. Doch «Druckerschwerzi» werde als erste Produktion des neu gegründeten Vereins «Theater am Tatort» (siehe Kasten rechts) unabhängig von den Schlossspielen inszeniert, fügte Bichsel an. Theater am Tatort Grundidee für die Handlung sei der Fall des Rentners Peter Hans Kneubühl gewesen, der im September 2010 in Biel und Umgebung von der halben Berner Kantonspolizei gejagt wurde. Doch damit die Kriminalkomödie in einer Druckerei inszeniert werden konnte, half die Freundschaft Bichsels mit Jean-Claude Mettraux, der bei Schläfli&Maurer im Bereich Verkauf und Aussendienst tätig ist. Bei einer Werksführung sei ihm die brandneue Druckmaschine ins Auge gestochen, so Bichsel. Mettraux schaffte den Kontakt zum Geschäftsführer Rolf Hänni und zum Besitzer Konrad Maurer, welche beide sofort positiv auf die Idee eines Theaters in ihrer Druckerei reagiert hätten. Doch auf die Produktion in der Druckerei habe natürlich Rücksicht genommen werden müssen. Denn damit die Tribünen für die Aufführungen am Wochenende aufgebaut werden könnten, sei am Freitag bereits um 14 Uhr Arbeitsende, so Mettraux: «Der Januar ist vom Produktionsvolumen her der ruhigste Monat. Eine Theaterproduktion in unseren Räumen war daher nur dann möglich.» Beat Jörg, Verantwortlicher für Bühnentechnik, erklärte, dass die Inszenierung in einer Fabrikhalle bis auf das Fehlen von Witterungseinflüssen einem Freilichttheater gleiche: «Es ist keine fixe Installation möglich, weil während der Woche gearbeitet wird.» So finden nicht nur die Aufführungen alle von Freitag bis Sonntag statt. Auch geprobt werden konnte nur am Wochenende. Samuel Krähenbühl>

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