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«Ein Fest, das unser Dorf verbindet»

Der Hirsmontag gab den ledigen, aber auch allen anderen Amsoldinger Anlass, so richtig ausgelassen und verrückt zu feiern.

Schon von weitem höre ich den Gute-Laune-Älpler-Discopop aus dem Amsoldinger Bodenwald, der mir bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin zur Hirsmontagsgesellschaft. Die menschenleeren Strassen so kurz vor Umzugsbeginn haben mich ein wenig verunsichert – findet doch der Hirsmontag extra am Samstag statt, damit mehr Leute dabei sein können. Begrüsst werde ich von einer als Kaminfeger verkleideten jungen Frau, die mir das Gesicht mit Russ vollschmiert. «Das gehört eben zum Brauch», erklärt Eliane Mosimann gar nicht entschuldigend. Kein Zuschauer werde von ihr verschont. «Die beiden Kaminfeger sind bei jedem Hirsmontagsumzug dabei.» Es gebe auch immer solche, die sich einfach altertümlich anzögen. «Aber weil das Fest nur alle zehn Jahre stattfindet, soll man sich eigentlich zu Themen dieser vergangenen Jahre verkleiden.» So wie ihre beiden Kolleginnen als rosarote H1N1-Grippe-Schweinchen, welche mir auch gleich einen rosa Keks in Schweinchenform schenken. Weiter hinten sind Ghadhafi und sein Tross zu erkennen, und auf einem der Festwagen haben besonders Eifrige gar eine Kartonmoschee mit Minarett aufgebaut. «67 Ledige haben sich für den Umzug angemeldet», sagt der OK-Präsident Samuel Gfeller. Nicht schlecht für ein Dorf mit etwa 800 Einwohnern. «Die Stimmung ist hervorragend, ich bin selber überrascht.» Unterdessen hat sich das ganze Dorf gut gelaunt auf der Strasse versammelt und wartet gespannt auf den Umzug, der sich mit Traktorenlärm, Hupen und lauter Musik ankündigt. Kleine Kinder freuen sich bereits darauf, in zehn Jahren selber mitzumachen, und einige haben sich vorsorglich schon mal verkleidet. Schliesslich kommen, hoch zu Ross und nostalgisch gekleidet, die zwei den Umzug Anführenden um die Kurve, dahinter traditionsgemäss ein Traktor, der die zu Gunsten des Hirsmontags versteigerte Tanne zieht. Es folgt die lange Kolonne der Festwagen mit den kunterbunt Gekleideten und feuchtfröhlich Feiernden. Doch bereits auf der ersten Kreuzung bleibt der Zug stecken, weil die über 30 Meter lange Tanne nicht durchpasst. Es müssen Extratraktoren angehängt werden, und sogar ein Wegweiserpfosten muss der Tanne weichen. Hände und Füsse werden kalt, aber die ausgelassen fröhliche Stimmung lassen sich die Amsoldinger nicht verderben. Zum Aufwärmen werden fleissig Glühwein und Punsch ausgeschenkt, Damen mit neongrünen Haaren bieten das «Quatschblatt» bestehend aus witzigem Klatsch und Tratsch der letzten zehn Jahre Dorfgeschichte feil, und mittlerweile teilt das ganze Dorf mein Schicksal, ist schwarz angemalt. Da kommt plötzlich die Sonne hinter den Wolken hervor, und kurz darauf ist auch die Tanne endlich durch die Kreuzung manövriert. Langsam setzt sich der Zug wieder in Bewegung und zieht lärmend und euphorisch gestimmt in Richtung Dorfkern. Dort werden die Ledigen, erst gemeinsam mit allen Amsoldingern und dann unter sich, noch die ganze Nacht weiterfeiern. «Der Hirsmontag ist schon ein Fest, das unser Dorf verbindet», sagt Mirjam Gottier. Und das stimmt ganz offensichtlich. Miriam Schild >

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