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Ein gutes Auge für die Realität

Peter Jakob leitet eine

Gäbe es einen «Emmentaler Shootingstar 2009» zu wählen – er würde den Titel mit ziemlicher Sicherheit gewinnen: Peter Jakob, 53, Chef der Trubschacher Drahtseilfabrik, zudem Gewinner des Unternehmerpreises Espace Mittelland, führender Kopf bei der Rettung der SCL Tigers und nun mit dem besten Resultat in den Grossen Gemeinderat von Langnau gewählt. Er habe die Tigers nicht alleine gerettet, würde Jakob auf diese Aufzählung vermutlich antworten, und am Gedeihen der Drahtseilfabrik hätten die zuverlässigen Arbeitnehmer ebenso Anteil. Das mag stimmen – und dennoch interessiert die Frage: Wie hat dieser Mann das alles geschafft? Wie denkt er? Worüber freut er sich, und worüber regt er sich vielleicht auch auf? Geschickte Hände Am 7. Langnauer Wirtschaftsfrühstück haben die Unternehmer und Politiker aus Langnau und Umgebung die Gelegenheit, Peter Jakob näher kennenzulernen. In Jeans und Jackett steht er vor ihnen, den obersten Knopf des Hemdes wie immer geöffnet. Er projiziert einen Film über seine Firma an die Wand und berichtet, wie er auf die Idee kam, eine Produktionsstätte im vietnamesischen Saigon zu eröffnen: Es war auf einer Velotour mit seiner Familie durchs Mekong-Delta, als er beobachtete, wie schnell und geschickt einheimische Frauen Süssigkeiten verpackten. Diese Handfertigkeit liess ihn nicht mehr los. Heute stellen 150 Leute in der Fabrik in Saigon vor allem das «Webnet» her, ein biegsames Netz aus dünnen Stahlseilen, das weltweit in 50 Ländern verkauft wird. Es dient zum Beispiel als Gehege für einen Zoo in Buenos Aires, als Schutz vor Kletteraktionen am Eiffelturm oder als Treppengeländer im Deutschen Museum in München. «Würde das Netz in der Schweiz produziert, könnte man es nicht bezahlen», sagt Jakob, der von den Arbeitskräften im Fernen Osten profitiert, ihnen aber auch Englischkurse und – was dort selten ist – eine Unfallversicherung zahlt. Eine Prise Temperament Das «Webnet» wird übrigens in jedem Land zum gleichen Preis verkauft. «Nicht wie bei Medikamenten, die in der Schweiz 50 Prozent mehr kosten als anderswo.» Es sei unglaublich, «wie die Pharmabranche bei uns gehätschelt wird». So werde klar, «wie ein Herr Vasella pro Jahr 40 Millionen verdienen kann». Für einen Moment blitzt bei Peter Jakob, bei dem Mann, der seine Worte so sorgfältig auswählt, das Temperament auf. Sinn für die Realität, aber auch Mut, etwas zu wagen – das zeichne Jakob aus, sagt Peter Schmutz von der Fachkommission Standortmarketing, die das Wirtschaftsfrühstück jeweils organisiert. Diese Fähigkeiten braucht Peter Jakob auch für seinen Job als Tigers-Präsident. Er vergleicht: «Bei der Jakob AG hat man für einen Personalentscheid vielleicht zwei Monate Zeit, bei den Tigers dagegen muss man innert 24 Stunden einen neuen Goalie verpflichten.» Der Druck von Medien und Bevölkerung – «alles Hockeyexperten» – sei enorm. Aber er ist gewillt, ihm zu trotzen und das zu tun, was für den Klub am besten sei. Vertrauen, Hoffnung Für Dienstag hat Jakob 50 Tigers-Sponsoren und -Partner eingeladen. Er will nicht betteln, sondern sie um Rat fragen. «Wenn wir nächste Saison sparen und sparen, bricht das Team auseinander. Wenn wir euphorisch Geld ausgeben, ist 2011 alles vorbei.» Es sei «verdammt schwierig, aber nicht hoffnungslos». Denn Peter Jakob vertraut seinem Geschäftsführer Ruedi Zesiger. Und er gibt nicht einfach so auf. Markus Zahno>

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