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Ein Königreichssaal für eine Villa

Auf der Suche nach einem Standort für ihren Königreichssaal sind die Zeugen Jehovas aus der Region Burgdorf nun in Kirchberg

Wird es diesmal klappen? Andreas Muster ist unsicher. Einmal mehr versuchen die Zeugen Jehovas, in der Region Burgdorf zu einem eigenen Lokal zu kommen. Und einmal mehr fragt sich Muster, der als einer von elf sogenannten Ältesten die Ortsgemeinde nach aussen vertritt, ob das Vorhaben nicht im letzten Moment noch scheitert. Ein Standort ist zwar gefunden, zurzeit läuft das Baugesuch – doch es wäre nicht das erste Mal, dass die Behörden am Schluss die Bewilligung verweigern. Wie schon so oft in den Jahren seit 1994, als die Zeugen Jehovas in der Region Umschau zu halten begannen. Meist argumentierten die Gemeinden damit, dass das Projekt nicht ins gewählte gewerblich-industrielle Umfeld passe, aber einzig daran, so Muster, sei es nicht gelegen. «Die ablehnende Haltung hat viel mit unserem Image zu tun». Deutlich geworden sei dies eben erst auch in Reichenbach im Kandertal (siehe Kasten). Von Haustür zu Haustür So betont Muster nun, da er und seine Leute für ihr Vorhaben eine alte Villa an der Zürichstrasse in Kirchberg ins Auge gefasst haben, gleich von Anfang an: Die Zeugen Jehovas wollen keine Sekte sein, fühlen sich durch all jene, die sie als solche bezeichnen, abgewertet und einer undifferenzierten Polemik ausgesetzt. Und sie wollen auch nicht als Zirkel wahrgenommen werden, in der irgendwelche Zwänge wie die Abgabe des Zehnten herrschen. Die Zeugen Jehovas sehen sich vielmehr als Gemeinschaft, die in regelmässigen Zusammenkünften die biblische Botschaft im Geiste der urchristlichen Kirche der ersten Jahre zu ergründen sucht. Sie vertrauen darauf, dass in fernen Zeiten die Herrschaft des Menschen durch das Königreich Gottes oder eben Jehovas abgelöst wird. Und legen von alledem Zeugnis ab – «wir zeugen von Jehova», sagt Muster und erklärt so gleich den Namen der Gemeinschaft. Mit diesem Auftrag ziehen die Gläubigen von Haustür zu Haustür mit dem Ziel vor Augen, Leute für ihre Sache zu gewinnen. Und stets dem Risiko ausgesetzt, mit ihrem Ansinnen auf mehr oder weniger offene Ablehnung zu stossen und so dem Image, das ihnen doch zu schaffen macht, Vorschub zu leisten. Vieles in Fronarbeit Eigentümer der Villa in Kirchberg ist der pensionierte Dorfarzt Heinrich Beringer. Als Mitglied der Zeugen Jehovas ist er bereit, die Liegenschaft zu verkaufen und den Königreichssaal, wie der Versammlungsort mit Blick auf die Heilserwartung heisst, so möglich zu machen. Geplant ist, im Park einen modernen Flachdachbau aufzustellen, diesen mit dem alten Gebäude zu verbinden und die dortigen Praxisräume im Parterre gleich ins Projekt miteinzubeziehen. Die zwei Wohnungen in den Obergeschossen, darunter auch jene des Arztes, bleiben dagegen bestehen. Finanziert wird das Vorhaben über Spenden. In einer Umfrage hätten sich die rund 95 Mitglieder der Ortsgemeinde Burgdorf bereit erklärt, das für den Bau und den Unterhalt nötige Geld bereitzustellen, fährt Muster fort. Erleichternd wirkt sich aus, dass sich die Gemeinschaft auf eigene Bautrupps stützen kann, auf Fachleute, die in Fronarbeit für sie unterwegs sind. Und die Parkplätze? Besonders in Eile sind die Zeugen Jehovas nicht. «Wir haben ja nach wie vor unseren Saal auf dem Schafrothareal in Burgdorf, wo wir seit Jahren eingemietet sind.» Muster weist nochmals darauf hin, dass nun vor allem das Ja der Behörden in Kirchberg wichtig ist. Zwar sollte die Bauordnung hier, in der Kernzone, keine Probleme machen. Zum Stolperstein könnte dafür der fehlende Parkplatz werden – obwohl, wie Muster betont, der Grossverteiler Coop zugesichert hat, dass die Parkfelder des Einkaufscenters gleich vis-à-vis nach Ladenschluss zur Verfügung stehen.Stephan Künzi>

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