Zum Hauptinhalt springen

Ein neues Stadttor in Bern-Neufeld

Stadt BernEin Forschungs- und Erlebniszentrum

Was passiert mit Leerräumen, die an Autobahnkonten entstehen? Sollen diese Zwischenräume ungenutzt und brach liegen? Nein, finden die Berner Architekten Lukas Ingold und Fabio Tammaro. Die beiden haben unlängst mit dem Bachelor of Arts in Architektur ihr Studium an der Berner Fachhochschule in Burgdorf abgeschlossen und jetzt im renomierten Springer-Verlag ihre Thesisarbeiten (sie wurden als die besten prämiert) unter dem Titel «Highwaying» veröffentlicht. Initiiert wurde das Projekt von Guy Lafranchi, Professor für Architektur. Ingold und Tammaro thematisieren in ihrem Architekturbuch das urbane Potential solcher Leerräume exemplarisch anhand des Autobahnknotens Bern-Neufeld. Wie das Westside «Berns Autobahntangente kann als eine Art Stadtmauer des 20. Jahrhunderts betrachtet werden», sagen die Autoren. An mehreren Autobahnausfahrten in der Stadt befänden sich Bauten mit stadttorähnlichem Charakter: etwa das 2008 eröffnete Shoppingcenter Westside in Brünnen oder der Autobahnknoten Wankdorf, der durch die attraktiven Eventnutzungen eine starke Strahlkraft aussende. «Im Gegensatz zu diesen Beispielen fehlt dem Standort Neufeld trotz seiner Nähe zum Stadtzentrum eine klare programmatische Definition», findet Fabio Tammaro. «Unser Vorschlag für Bern-Neufeld ist experimentell, und wir erheben nicht den Anspruch, dass unser Projekt gebaut wird», meint Lukas Ingold. Und so sieht das Projekt aus: Die Autobahnlandschaft mit seinen weitläufigen Radien soll in einer schlaufenartigen Bebauungsform aufgenomen werden. Konkret stellen sie in ihrer Arbeit ein Gebäude vor, das sich über mehrere Flächen und über die Autobahn erstreckt und mit brückenartigen Konstruktionen verbunden ist. Markantes Hochhaus «Mit einem zusätzlichen Hochhaus an der Westseite des Knotenpunktes soll ein Zeichen gesetzt werden, das an die Qualität eines Stadttores erinnert», meinen die Architekten. Wegen der Lage – Verkehrsknotenpunkt, Nähe der Universität – sei es auch naheliegend, an diesem Ort ein Programm im Bereich Bildung, Forschung und Entwicklung zu realisieren. Das Gebäude hätte einerseits die Funktion eines Forschungszentrums für Verkehrstechnologien. Ansässig wären auch Firmen der Automobilbranche sowie der Zulieferer. Weiter stellen sich die Architekten ein Erlebniszentrum für die ganze Familie zum Thema Automobil vor. Auch vereinzelte Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sollen öffentlich zugänglich sein. Schliesslich sollen auch Schulen einquartiert werden, ein Restaurant sowie Räume für interaktive Ausstellungen zur Verfügung stehen. Für die Hülle des Gebäudes liessen sich die Architekten von einem Prototypen aus der Automobilbranche inspirieren, der «Gina Light Vision» von BMW. Die Karosserie besteht bei diesem Wagen nicht aus Blech, sondern aus einem strapazierfähigen und extrem dehnungsresistenten textilen Material. Mit einer solch nahezu fugenlosen Haut würde ein Gebäude über eine «intelligente Fassade» verfügen, in welche auch Photovoltaikzellen implementiert werden könnten. Diskussion anregen «Bei diesem Projekt geht es darum, nach vorne zu schauen», sagt Architekturprofessor Lafranchi. Beim Neufeld sei die Sache insofern spannend, als mit den attraktiven Bodenpreisen für die Restflächen ein gewisses Potential vorhanden sei. «Die Chance, dass so etwas einmal gebaut wird, ist gross, wir wollen mit diesem Projekt die Diskussion anregen», sagt Lafranchi.Urs Wüthrich >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch