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Ein Schwan mit wuchtigem Flügelschlag

TanzKorpulenz ist ihr

«Ich stehe splitternackt auf goldenen High Heels und pudere mich mit Babypuder ein. Dann bringe ich mein Fleisch zum Zittern, bis es schneit. Musikalisch untermalt wird diese Szene durch Vivaldis Stück ‹Winter›.» So beschreibt Doris Uhlich eine Szene aus ihrem Stück «mehr als genug», das sie in der Berner Dampfzentrale zeigen wird. Eine Performance, die alles beinhaltet, was Uhlichs Kunst ausmacht: Humor, Pop und Frivolität, aber auch Kritik an gängigen Schönheitsidealen und die Suche nach neuen ästhetischen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten. Uhlich ist 1977 in einem 15-Seelen-Kaff in Oberösterreich geboren. Die Tochter eines kurz vor dem Mauerbau mit dem Fahrrad aus Ostdeutschland geflüchteten Verkaufsleiters und einer österreichischen Hausfrau träumte wie unzählige andere Mädchen davon, Tänzerin zu werden – nachdem sie «Dirty Dancing» und die Serie «Anna» im Fernsehen gesehen hatte. Doch im Gegensatz zu den meisten gab sie den Traum nicht nach ein paar Jahren Jazztanz an der Landesmusikschule auf. Immer die Dickste Mit 16 wollte sie Tanzpädagogin werden und bewarb sich nach dem Abitur am Konservatorium der Stadt Wien. «Man liess mich wissen, ich sei zu dick und zu jung, ich solle in einem Jahr wiederkommen.» Tut das nicht weh? «Doch natürlich. Aber ich trainierte hart und wurde im nächsten Jahr aufgenommen. Dann habe ich wieder an Gewicht zugelegt», erzählt sie und lacht schallend. Rauswerfen konnte man die begabte Tänzerin nicht mehr. Sie war zwar immer die Dickste, aber auch eine der besten der Klasse. «Ich konnte einfach alles, was die Dünnen auch konnten, und so habe ich meinen Lehrern den Wind aus den Segeln genommen.» Heute ist Doris Uhlich ein Shootingstar der österreichischen Tanzszene. Ihre massige Figur ist kein Hindernis mehr, sondern vielmehr ein Markenzeichen. Nervt das nicht, wenn man in den Medien immer als die «korpulente Tänzerin» bezeichnet wird? Das komme darauf an, erklärt die 34-Jährige gelassen. «In manchen meiner Stücke geht es ja um Schönheitsideale und deren Hinterfragung. Dann stört es mich nicht, wenn man meine Fülle, mit der ich dann ganz bewusst spiele, erwähnt.» Das Label würde erst lästig, wenn es mit dem Inhalt eines Stückes gar nichts zu tun habe. Poppige Visionen Oftmals kommen in ihren Stücken Laien zum Einsatz. Wenn sie «nur» als Choreografin agiert, versteht sie sich als Steinbildhauerin oder Archäologin. «Ich grabe Körpermuster und Eigenheiten von Bewegungen aus. Es ist der Mensch und seine gleichzeitige Robustheit und Zerbrechlichkeit, die mich interessieren.» Wenn sie Solos tanzt, ist sie gleichzeitig Choreografin und Performerin. So auch in «Rising Swan», dem zweiten Stück, das sie anlässlich von «Tanz in Österreich» in Bern präsentiert. Als Schwan lässt sie ein Stück Tanzgeschichte Revue passieren. Angelehnt an die Choreografie «Der sterbende Schwan» von Michel Fokine, das die Primaballerina Anna Pawlowa weltberühmt machte, hat Uhlich sich mit dem Schwan als Symbol von Aufbruch und Untergang auseinandergesetzt und ihre eigene poppige Vision des Solos kreiert. Dabei kombiniert sie etwa den Song «Eye of the Tiger» mit Tanzschritten aus dem klassischen Ballett und schlüpft in die Rolle eines vollschlanken Schwans, der sich mit wuchtigem Flügelschlag auf der Bühne behauptet und dabei seine ganze Schönheit entfaltet. Helen Laggerwww.dorisuhlich.at ;Stichwort Hinweis>

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