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Ein Stockhorn-Balkon hat gute Chancen

ErlenbachEine Art Balkon statt ein «Piercing»: Die Organisationen Mountain Wilderness Schweiz, Pro Natura Bern, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und Schweizer Alpen-Club haben ihre Einsprachen gegen die Plattform am Stockhorn zurückgezogen.

Statt eines ringförmigen Steges von 13 Metern Durchmesser will die Stockhornbahn AG nun eine trapezförmige Plattform, die vor dem Westfenster 3 Meter hinausragt, bauen (wir haben berichtet). Die Projektänderung war nötig geworden, weil die vier Organisationen Mountain Wilderness Schweiz, Pro Natura Bern, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und Schweizer Alpen-Club gegen das die beiden bestehenden Gipfelfenster verbindende «Piercing»-Projekt Einsprache erhoben hatten. «Nach deren Rückzug dürfte der Realisierung der kleinen Plattform nun wohl nichts mehr im Wege stehen», hofft Alfred Schwarz, der Geschäftsführer der Stockhornbahn AG. Da auch die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission das überarbeitete Projekt als «bewilligungsfähig» beurteilt habe, rechnet Schwarz mit einem positiven Entscheid des Amtes für Gemeinden und Raumordnung. «Und auf dieser Grundlage dürfte der für die Baubewilligung zuständige Thuner Regierungsstatthalter Marc Fritschi diese dann erteilen.» Im Frühling bereits bauen? Alfred Schwarz rechnet damit, dass die Baubewilligung noch einen Monat auf sich warten lässt. «Wir werden nun mit dem Architekten die Detailpläne erarbeiten. Im Idealfall könnten wir bereits in der Frühlingsbetriebspause bauen.» Das wäre in der Zeit vom 5.März bis zum 22.April. Ansonsten müsste mit der Realisierung bis im November oder gar bis ins Jahr 2013 gewartet werden. «Gebaut wird sicher in einer Betriebspause, da wir ja den Aufenthalt unserer Gäste auf dem Berg damit nicht beeinträchtigen wollen.» Beim «Piercing»-Projekt war mit Kosten von rund einer halben Million Franken gerechnet worden. Jetzt geht Geschäftsführer Schwarz aufgrund einer groben Schätzung davon aus, «dass rund 200000 Franken eigentlich ausreichen sollten». Rückzug ohne Freude «Der Rückzug der Einsprache kommt in keiner Weise einer Begrüssung des Projekts gleich; vielmehr behalten sich die Einsprechenden vor, auch in Zukunft gegen Projekte ähnlicher Art rechtlich vorzugehen.» Das betonen die Umweltverbände Mountain Wilderness Schweiz, Pro Natura Bern und Stiftung Landschaftsschutz Schweiz in ihrer Mitteilung. Grund für den Rückzug sei «die deutliche Redimensionierung des Projekts im Vergleich zur ursprünglichen Variante Nasenring». Die Organisationen kritisieren dennoch den Trend, unberührte Landschaften immer stärker zu «möblieren». Die ursprünglich geplante Variante der Aussichtsplattform – ein ringförmig aus der Nordwand des Stockhorns ragender Ring – hätte einen massiven Eingriff in eine bislang unberührte Landschaft dargestellt und diese stark beeinträchtigt, glauben die Vertreter der drei Organisationen. Zu dieser Meinung sei auch die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission in ihrem Gutachten vom Sommer gekommen, das dann die Redimensionierung des Projekts bewirkt habe. Der SAC bleibt kritisch Auch der Schweizer Alpen-Club (SAC) zieht seine Einsprache gegen die Aussichtsplattform am Stockhorn infolge der Redimensionierung des Projekts zurück. Dennoch kritisiert der SAC den geplanten Balkon, weil er – wie das ursprüngliche Projekt – dem kommunalen Landschaftsschutzgebiet widerspreche. «Mit dem Rückzug seiner Einsprache anerkennt der SAC die ansonsten rücksichtsvolle Tourismusentwicklung der Stockhornbahnen», teilt der Alpen-Club mit. Trotzdem bleibe der SAC bei seiner grundsätzlich ablehnenden Haltung, da auch der neu geplante Aussichtsbalkon den Charakter der bisher weitgehend unberührten Nordwand verändere und zudem das Wettrüsten der Tourismusstandorte um immer exklusivere Infrastrukturen fördere. Da sich das Projekt ausserhalb der Bauzone und im kommunalen Landschaftsschutzgebiet der Gemeinde Oberstocken befinde, brauche es eine Ausnahmebewilligung, hält der Schweizer Alpen-Club fest. Und er fügt in seiner Mitteilung an: «Es ist aus Sicht des SAC jedoch weder die Standortgebundenheit gegeben, noch besteht dafür ein überwiegendes öffentliches Interesse.» Peter Rothacherwww.stockhorn.ch>

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