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Eine Deportation, die missglückte

Auch der Heimisbacher Caspar Bieri war dabei. Auch er wurde in Bern auf ein Schiff gesteckt und

Sie lebten im Bierihaus im Weiler Hopfern der Gemeinde Trachselwald. Sie hatten Kinder. Und sie hatten einen Makel, den die Behörden nicht akzeptieren konnten: Caspar und Tryni Bieri hatten sich dem Täuferischen zugewandt und mussten ausgerottet werden. Mit einer Aktion, die genau heute vor 300 Jahren stattgefunden hat, glaubte sich die Obrigkeit am Beginn der «Endlösung der Täuferfrage». Als Lohn winkten 45 Taler Es ging darum, die in immer grösserer Zahl in die Berner Gefängnisse eingelieferten Täuferinnen und Täufer ein für allemal loszuwerden. Um dieses Ziel zu erreichen, war sich die Berner Regierung nicht zu schade, mit einer Gesellschaft zusammenzuarbeiten, die man heute als Schlepperorganisation bezeichnen würde. Sie versprach, 45 Taler zu bezahlen für jeden Täufer, der «definitiv und unwiederbringlich» in Amerika ankommen würde. Das schreibt der Historiker Hanspeter Jecker in einem Beitrag, den er zum 300.Jahrestag «einer missglückten Deportation» verfasst hat. Frau und Kinder verhaftet 56 Täuferinnen und Täufer wurden also am 18.März 1710 beim Ländtetor in Bern auf ein Schiff verfrachtet, um von dort aare- und rheinabwärts transportiert zu werden. Darunter befand sich auch Caspar Bieri aus dem Heimisbach. Etwa zur gleichen Zeit wurde seine Frau im Heimisbach festgenommen und kam auf Schloss Trachselwald hinter Schloss und Riegel – mitsamt den drei jüngsten Kindern. Bis auf den Jüngsten wurden Trinys Kinder in der Folge allesamt verdingt. Der kleine Hans landete mit seiner Mutter im Inselgefängnis in Bern. Derweil nahm die Reise für Caspar Bieri eine ungeahnte Wende. In den Niederlanden wurden die Täufer auf Intervention der dort ansässigen Mennoniten freigelassen. Obwohl ihnen strenge Strafen drohten, versuchten einige der Ausgeschafften, doch wieder in die bernische Heimat zu ihren Familien zurückzukehren. Davon geht Jecker auch im Fall von Caspar Bieri aus. Seine Frau wird im Sommer 1711 aus dem Gefängnis entlassen, aber nicht, damit sie in den Heimisbach zurückkehren konnte. Sie war mitten drin im – so Jecker – «grössten Exodus in der Geschichte des Täufertums der Schweiz» und verliess mit 350 bernischen Täuferinnen und Täufern auf Schiffen die Aarestadt. Zwei Wochen später in Mannheim gehörte sie zu jenen Deportierten, die das Schiff «wegen Alter und Schwachheit» verlassen durften. Forscher wie Jecker haben (noch) nicht herausgefunden, was dann mit ihr geschah. Ob sie im Elsass, wo Spuren eines Caspar Bieri entdeckt wurden, ihren Ehemann gefunden hat? Ob sie an Entkräftung gestorben ist? Ob sie sich trotz allem zurück in den Heimisbach gewagt hat? Der Dialog geht weiter Nach dem Täuferjahr 2007 haben weder die Erforschung der diversen Täuferschicksale noch die Dialoge zwischen reformierten und täuferischen Kirchen aufgehört. Der 300.Jahrestag der Deportation sei ein geeigneter Anlass, sich die schwierigen Ereignisse in Erinnerung zu rufen, «dabei aber auch des guten Weges zu gedenken, der seither zurückgelegt worden ist», schreibt Jecker in einer Pressemitteilung. Das Täufertum wird sich in der Öffentlichkeit weiter bemerkbar machen: 2012 soll die Mennonitische Europäische Regional-Konferenz erstmals im Emmental stattfinden. Susanne Graf >

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