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«Eine schizophrene Arbeit»

Mit 30 Jahren sei die Musikschule Aarberg erwachsen, sagt Leiterin Katharina Beidler. Das Jubiläum liefert nicht nur Grund zum Feiern, sondern auch den Moment zum Sinnieren. Über Geld, Schülerzahlen und Visionen.

Frau Beidler, besuchen genügend Schüler die Musikschule Aarberg? Katharina Beidler: Mit 452 Schülern sind wir gut ausgelastet. Bei der Gründung vor 30 Jahren starteten wir mit 39 Schülern. Können Eltern die hohen Beiträge in der Krise überhaupt noch bezahlen? Nicht alle. Aber das führe ich eher auf die hohe Scheidungsrate als auf die Krise zurück. Scheiden kostet Geld. Die Gemeinden haben sich bereit erklärt, den notwendigen Teil des Schulgeldes bei Familien zu übernehmen, die es sich nicht leisten können. Das betrifft zur Zeit 11 von 452 Schülern. Diese Bereitschaft zeugt von einer grossen Akzeptanz der Musikschule. Manchmal habe ich Angst, dass in der Sparwut Beiträge an die Musikschulen gestrichen werden. Aber wir sind gut verankert. Immerhin besuchen Schüler aus 16 Gemeinden unseren Unterricht. Meine Arbeit ist schizophren: Einerseits mache ich Werbung für mehr Schüler, andererseits kostet das die Trägergemeinden natürlich auch mehr Geld. Was kriegen die Schüler fürs Geld? Das Schulgeld berechnet sich pro Semester und umfasst 18 Lektionen Einzelunterricht à 40 Minuten. Auf den einzelnen Schüler fallen noch 40 Prozent der Kosten, das entspricht 700 Franken pro Semester. 40 Prozent übernimmt die Trägergemeinde und 20 Prozent der Kanton. 700 Franken sind immer noch viel Geld. Wir sind günstiger als andere Musikschulen. Lyss zum Beispiel verlangt 720 Franken. Wir leben mit bescheidener Infrastruktur, putzen gar unser altes Bauernhaus, das uns als Schaltzentrale dient, selber, und unterrichten meist dezentral. Schwebt Ihnen nicht etwas Besseres vor? Ich träume von einem musischen Zentrum. Die Schüler sollen sich entfalten können: Musik, Theater oder Bildhauen sollen berufsvorbereitend Talente fördern, eine Ergänzung zum normalen Schulstoff bieten. Zu allem, was heute als «wichtig» deklariert wird. Das Musische ist im Leben unbedingt auch nötig. Bedeuten Gratisangebote der Schulen für Sie Konkurrenz? Ein wenig schon. Aber wir möchten vermehrt Hand in Hand arbeiten. Mit den Schulen zu arbeiten heisst in die Breite arbeiten: Das fördert auch die Integration. Mal ehrlich:Die wenigsten Kinder haben je gerne geflötelt Die Flöte gehört vielleicht nicht zu den beliebtesten Instrumenten. Hoch im Kurs sind derzeit Gesang, Schlagzeug und Gitarre. Und heute lernt man ja nicht nur Klassik, sondern auch poppige Sachen. Simone LippunerDie Bargenerin Katharina Beidler (61) ist seit 18 Jahren Schulleiterin der Musikschule Aarberg. Sie unterrichtet zudem Gesang an der Hochschule in Zürich.>

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