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Eine spannende Chronik

«Wer gebietet? Wer nutzt? Wer schützt? Wer besitzt?», fragt der Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee (UTB) in seinem neuen Jahrbuch. Die Antworten sind Berichte von Reisen durch verschiedenste

«Veränderungen festzustellen erfordert Beobachten, Hinschauen und Erkennen», schreibt UTB-Präsident Andreas Fuchs in seinem Jahresbericht, der zugleich als Einleitung im neuen Jahrbuch steht. Der grösste Teil des Buches ist einer genauen Aufnahme der Ufer gewidmet – einer «Momentaufnahme», die der UTB künftig alle zehn Jahre wiederholen und so zu einer «Landschaftschronik» der Oberländer Seeufer aufbauen möchte. «Landschaftschronik» Wer allerdings bei «Chronik» an trockene Jahrzahlen denkt, wird vom UTB-Jahrbuch angenehm überrascht. Markus Niklaus’ «Rundgang um den Thunersee» und Andreas Oberlis «Rundfahrt auf dem Brienzersee» mit Fotos von Claudia Dettmar sind wunderschön illustrierte Reiseführer. Mit kurzen, informativen Texten und Bildern, die den Charme des Sommers am Wasser in vielen Facetten einfangen, wecken sie mitten im Winter die Vorfreude aufs Wandern und Schwimmen, Flanieren und Verweilen in Schlossparks, schattigen Baumalleen, Feuchtgebieten, Wiesen, Wäldern und Weinbergen oder auf den Liegewiesen der Bäder. Zusammen mit einer beigelegten Übersichtskarte sind sie eine gewissenhafte Bestandesaufnahme der Ufer, ihrer Zugänglichkeit und ihrer mannigfachen Nutzung durch Private und Öffentlichkeit, Tourismus und Industrie, Pilger und Vergnügungsreisende. Alte und neue Kämpfe Wie das heutige Landschaftsbild entstanden ist, beschreibt Andreas Fuchs. Sein Beitrag «Uferschutz gestern und heute» liefert eine beeindruckende Liste der Leistungen, die der UTB seit 1933 für den Erhalt und die Entwicklung der Kulturlandschaft erbracht hat – von der Einrichtung der Weissenau und anderer Naturschutzgebiete über die Pflege von Wanderwegen und Kulturdenkmälern bis zu Planung, Bauberatung und dem heute oft vergessenen Ringen um die Umwandlung von Abfalldeponien am Wasser in schmucke Rastplätze und Uferpromenaden. Ein heute heiss diskutiertes Thema, die Wasserkraftnutzung, beleuchtet das Jahrbuch von unterschiedlichen Seiten. So hat das Redaktionsteam Gisela Straub und Ernest Wälti Stellungnahmen von BKW, Bund, Fischerei und Naturschutz eingeholt, die das Spannungsfeld zwischen der Nutzung erneuerbarer Energie und den Kosten dieser Nutzung für Tiere, Pflanzen und Landschaftsbild beschreiben. Dazu werden die bestehenden Kraftwerke rund um die Seen von den Betreibern selbst vorgestellt. Dass das Oberland durchaus auch Industriestandort ist, zeigt neben dem Wasserkraftschwerpunkt auch ein Artikel von Ulrich Blunier über «Abbau von Sand, Kies und Felsgestein am Thuner- und Brienzersee» mitsamt einer Geschichte, die bis ins Ancien Régime zurückreicht. Einen Einblick ins Kunstschaffen der Region gibt das Porträt der Fotografin Claudia Dettmar, von der auch der Umschlag des Jahrbuches stammt und deren Bilder überzeugend zeigen, warum Fotografieren «etwas zum Sehen, nicht zum Reden» ist. Aus dem Naturschutzgebiet Weissenau schliesslich liefert Peter Zingg einen spannenden Bericht über eine neue Technik zur Erkennung von Fledermäusen, dank der etliche Fledermausarten zum ersten Mal in diesem Gebiet geortet wurden. Sibylle Hunziker>

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