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Einmal waschen, legen und föhnen, bitte!

Ein Team um Andreas Brügger aus Erlenbach hat sich dem Haareschneiden verschrieben. Die Bauern frisieren allerdings nicht etwa Menschen, sondern verpassen Rindern und

Frieren die armen Kühe denn nicht, wenn man sie nach dem warmen Sommer kahl rasiert? «Im Gegenteil: Die Tiere haben auf der Weide oder der Alp ein recht dichtes Fell entwickelt. Kommen sie im November in den Stall, schwitzen sie dort extrem», erklärt Urs Buri aus Hasle bei Burgdorf. Der Landwirt bewirtschaftet dort zwei Höfe mit über siebzig Stück Vieh. «Zusammen mit einem Angestellten schere ich meine Tiere seit rund zwanzig Jahren. Aus gesundheitlichen Gründen bin ich aber heuer dazu nicht in der Lage. Darum habe ich diesmal die Simmentaler Kuhcoiffeure angeheuert.» Andreas Brügger aus Erlenbach ist mit vier Mann angerückt. Zu zweit oder zu dritt scheren sie jeweils ein Tier. «Die Rinder halten besser still, wenn sie von zwei Seiten her bearbeitet werden», erklärt er. Mit der Rasur werden auch Parasiten entfernt, und das Wohlbefinden der Vierbeiner wird gesteigert. Junge Tiere sind bei der ersten Rasur schon mal nervös. Kühe, welche die Prozedur gewohnt sind, halten besser still. An Körperstellen mit wenig Muskulatur zeigen sich die Tiere empfindlicher. «Nicht etwa weil es schmerzt, sonder weil es kitzelt und vibriert», sagt Brügger. Der innovative Erlenbacher hat bereits vor zwölf Jahren damit begonnen, auf fremden Höfen gegen Entgelt Rinder zu scheren. Gefragte Dienstleistung «Anfänglich waren wir zu zweit unterwegs. Als sich die Anfragen für unsere Dienstleistung häuften, mussten wir uns personell verstärken: Heute sind wir ein Team von zwölf Männern», sagt Brügger. Sie alle kommen so nebst der Bewirtschaftung eines eigenen Betriebs zu einem kleinen Nebenverdienst. «Wir berechnen 25 Franken pro Stunde. Dieser Ansatz versteht sich inklusive Infrastruktur, dazu kommen die Fahrspesen.» Anfänglich war das landwirtschaftliche Coiffeurteam nur in der engeren Region tätig. Jetzt kommen die Anfragen sogar schon von ausserhalb des Kantons. «Mehr als eine Stunde Fahrzeit wollen wir aber nicht auf uns nehmen», winkt der Teamchef ab. Der Service der Simmentaler ist wegen der bereits geschilderten Umstände hauptsächlich Anfang Winter gefragt. «Das ist die Zeit, wo wir zudem auf unseren Betrieben am ehesten abkömmlich sind.» Scheren weiterentwickelt Die mobilen Figaros arbeiten mit der Firma Heiniger in Herzogenbuchsee zusammen. Der Erlenbacher schildert: «Wir testen verschiedene Scherensätze und geben unsere Erfahrungen an die Firma weiter. In den letzten Jahren kamen so bei den elektrisch betriebenen Apparaten doch einige technische Verbesserungen zu Stande.» Gut geschliffenen Scheren seien für eine effiziente Rasur absolut entscheidend. «Praktisch jeden Abend geben wir deshalb einige der Scherköpfe bei Jakob Lempen in St.Stephan zum Schleifen.» Die Scheren werden nach der Rasur eines jeden Tieres mit Druckluft gesäubert und anschliessend geölt. Immer am Samstag wird beraten, wer in der nächsten Woche an welchen Tagen nebst der Arbeit zu Hause zum Einsatz kommen kann. Entsprechend werden die Teams gebildet und die Aufträge von Andreas Brügger angenommen. Im Team, welches auf dem Hof von Urs Buri im Einsatz steht, arbeiten an diesem Tag noch Toni Perren, Peter Bühler und Bernhard Reusser mit. «Nebst der anderen Arbeit hätte mein Angestellter zum Scheren der Tiere etwa einen Monat gebraucht, da macht so eine Aktion Sinn», bilanziert der zufriedene Urs Buri. Peter Rothacher>

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