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Elf Gemeinden baden alles aus

Der Gemeindeverband Limpachkanal bewilligte die Projektierung von Rückhaltebecken. Sie liegen mehrheitlich auf Berner Boden. Sieben betroffene Landwirte wollen ihr Land allerdings nicht hergeben.

Eine Badewanne reicht nicht: Das ganze Gebiet links der Strasse Messen–Balm (Bild) soll zukünftig zum Rückhaltebecken werden.
Eine Badewanne reicht nicht: Das ganze Gebiet links der Strasse Messen–Balm (Bild) soll zukünftig zum Rückhaltebecken werden.
Robert Grogg

Mit 26:2 Stimmen bei zwei Enthaltungen sprachen die Abgeordneten des Gemeindeverbandes Limpachkanal einen Projektierungskredit von 160000 Franken zum Hochwasserschutz. Betroffen sind elf Gemeinden. Im Kanton Bern sind dies Bätterkinden, Limpach, Mülchi, Ruppoldsried und Wengi. Im Kanton Solothurn sind es Messen, Balm, Oberramsern, Unterramsern, Aetingen und Kyburg-Buchegg.

Die beauftragten Fachleute planen nun konkrete Massnahmen gegen weitere Überschwemmungen entlang des Limpachkanals. Drei mögliche Rückhaltebecken stehen dabei im Vordergrund: am Spittelbach unterhalb der Ziegelei Rapperswil, in der Chalfermatt am Mülchibach bei Etzelkofen sowie direkt am Limpachkanal zwischen Messen und Balm. Rund 130'000 Kubikmeter will man so bei zukünftigen Hochwassern zurückhalten. Damit könnten jeweils die Spitze des Hochwassers gebrochen und die Schäden massiv reduziert werden.

Eine Million Franken

Werden diese Bauten realisiert, so belaufen sich die Kosten voraussichtlich auf knapp eine Million Franken. Rund 60 Prozent übernehmen die Kantone Bern und Solothurn.

Für grossen Unmut unter den Gemeinden sorgt die Tatsache, dass das Einzugsgebiet des Limpachkanals zwar 77 km2 umfasst, davon aber nur rund die Hälfte im Verbandsgebiet liegt. Das heisst: Die Hälfte der Verursacher drückt sich vor der Verantwortung und den Kosten. Nach geltender Rechtssprechung ist dies erlaubt. Ein grundsätzliches Problem, das schweizweit immer wieder für rote Köpfe sorgt. Abhilfe könnte allenfalls die bevorstehende Revision des bernischen Wasserbaugesetzes schaffen. Der Gemeindeverband unter Präsident Jakob Kunz, Mülchi, macht sich allerdings keine grossen Hoffnungen, «auch wenn es überall gleich viel regnet.»

21 Prozent von Rapperswil

Allein der Spittelbach bringt von Rapperswil her 21 Prozent des Wassers im Limpachkanal. Rapperswil gehört dem Verband aber nicht an. Zusätzlich sorgen sich die Verbandsgemeinden, weil Rapperswil mit einem eigenen Projekt zukünftig mehr Wasser an der Ziegelei vorbeileiten will. Dort entstanden bei den letzten Hochwassern Schäden von 20 Millionen Franken.

«Gewerbe-, Industrie- und Wohngebiete gelten nun mal als schutzwürdiger als Landwirtschaftsland», erklärte Jörg Bucher, Wasserbauingenieur des Kantons Bern, «Bund und Kanton zahlen deshalb nur noch, wenn frankenmässig mehr geschützt als investiert wird.» Das hörten die Landwirte natürlich nicht gerne. «Die betroffenen Landeigentümer sind unsere wichtigsten Partner», erklärte dagegen Peter Röthlisberger vom planenden Ingenieurbüro, «immerhin sollen sie für andere das Hochwasser zurückhalten.» Er könne verstehen, dass es da Bedenken gebe. «Wir wollen deshalb möglichst offen informieren und das Gespräch suchen.»

Sieben wollen nicht

Sieben Landeigentümer schickten dem Vorstand einen Brief. «Keiner von uns ist bereit, sein Land zur Verfügung zu stellen», schrieben sie. Konrad Wyss, Balm, ergänzte: «Wir sind nicht kategorisch gegen das Projekt, wir wollten unsere Bedenken aber frühzeitig anmelden.» Präsident Jakob Kunz entgegnete, die Standorte seien durch die Natur vorgegeben. Grosse Bedeutung komme der Schätzungskommission zu. Die Entschädigungen würden zu zwei Dritteln von Bund und Kantonen übernommen, zu einem Drittel von den Verbandsgemeinden. Die Hagelversicherung wolle nicht mehr zahlen. «Mit einem Nein verbessern wir also gar nichts», erklärte Kunz. Die Abgeordneten hörten auf ihn und stimmten zu.

Abgelehnt wurde der Projektierungskredit nur gerade von Ruppoldsried. Dort fürchtet man einen Rückstau in den Leitungen, falls das Limpachtal westlich der Strasse Messen–Balm zum Rückhaltebecken wird. Das Projekt der nun bewilligten Planung wird den Abgeordneten erneut vorgelegt werden.

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