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500 Menschen warten auf einen Platz im Altersheim

Die Anforderungen an die Altersversorgung steigen. Jetzt hat die Stadt ihre Vision vorgestellt, wie sie dieser Entwicklung Rechnung tragen will. Im Mittelpunkt steht dabei das Alterszentrum Haslibrunnen.

Das Alterszentrum bietet heute 53 Plätze an. 55 Pflegplätze sowie nahe gelegene Alterswohnungen sollen nun dazukommen.
Das Alterszentrum bietet heute 53 Plätze an. 55 Pflegplätze sowie nahe gelegene Alterswohnungen sollen nun dazukommen.
Thomas Peter

Voraussichtlich 2012 soll ein Um- und Anbau des städtischen Alterszentrums Haslibrunnen erfolgen. Im 18,8-Millionen-Franken-Projekt enthalten sind mindestens 55 neue Pflegeplätze. Das Problem fehlender Pflegeplätze in Langenthal dürfte damit aber nicht gelöst sein. Rund 500 Namen stehen heute auf der Warteliste des Alterszentrums. Allein 80 Leute würden gemäss Haslibrunnenleiter Marcel Lanz schon morgen einziehen, wenn sie könnten.

Haslibrunnen nach Bedarf

Wie sich jetzt zeigt, geht die Vision des Gemeinderates denn auch über das Bauprojekt hinaus. An einem «Altersgipfel» der FDP orientierte Stadtschreiber Daniel Steiner am Montag über das Konzept «Wohnen im Alter» der Stadt. «Das traditionelle Altersheim hat ausgedient», sagte Steiner. Der Gemeinderat verfolge deshalb ein Konzept, «das Rücksicht nimmt auf die ganze Spannweite, vom selbstständigen Wohnen bis hin zum pflegebedürftigen Wohnen in stationären Einrichtungen».

Zentrum der Vision bildet nach wie vor das Alterszentrum Haslibrunnen. Dessen Angebot soll aber ausgeweitet werden: auf die bestehenden Alterswohnungen an der Schützenstrasse und die geplanten auf dem Kaspar-Areal an der St.-Urban-Strasse. Während Menschen, die noch zu Hause leben, je nach Bedarf auch weiterhin Spitex-Leistungen beziehen, soll in diesen Alterswohnungen beim Alterszentrum direkt von diesem aus eine bedürfnisgerechte Pflege angeboten werden.

Meinungen geteilt

Im Grundsatz schien die Vision des Gemeinderates am gut besuchten Altersgipfel denn auch unbestritten. Noch stehen die politischen Diskussionen aber bevor – und dass es zu diesen kommen wird, zeichnete sich am Montag ab: Vertreter der FDP erklärten ihren Widerstand gegen die Absicht des Gemeinderates. «Gäbe es nicht dringendere öffentliche Aufgaben?», fragte FDP-Grossrat Hans Baumberger. Die FDP sieht die Zukunft der Langenthaler Altersversorgung vielmehr in einer Privatisierung. Einen anderen Standpunkt vertrat indes SP-Grossrätin Dorette Balli: «Die Altersversorgung ist eine öffentliche Aufgabe. Die Verantwortung ist und bleibt bei der öffentlichen Hand.»

Versorgung im Vordergrund

Stadtschreiber Steiner hielt fest: Auf Grund der demografischen Entwicklung, geänderter familiärer Betreuungsformen und fehlender Pflegeplätze seien Gesellschaft und Politik jetzt gefordert. Noch befinde sich das Projekt «Wohnen im Alter» aber am Anfang. «Es gibt vieles, das erst noch diskutiert werden muss.»

Steiner betonte aber auch: Beim 18,8 Millionen Franken teuren Um- und Neubauprojekt handle es sich um ein Darlehen, das das Alterszentrum samt Zins zurückzahlen müsse. Für den Gemeinderat sei das ein Geschäft, keine Ausgabe. Zudem setze sich auch der Gemeinderat mit der künftigen Rechtsform des Alterszentrums auseinander. In erster Linie gehe es nun aber darum, den Bedürfnissen der Altersversorgung gerecht zu werden.

Die Menschen vernetzen

Deshalb will der Gemeinderat die Alterswohnungen an der Schützenstrasse kaufen und jene auf dem Kaspar-Areal mieten. Die Nachfrage nach Plätzen im Alterszentrum könne durch das Nutzen solcher Synergien reduziert werden. Dennoch sei ein altersgerechtes Wohnen gewährleistet – nicht nur wegen des Pflegeangebots.

Die Alterswohnungen gäben den Menschen einerseits Sicherheit, führten aber auch zu einer Vernetzung der Menschen untereinander, hielt Ivo Bracher, Vorstandsmitglied eines ähnlich konzipierten Alterszentrums in Biberist, fest. Die Einsamkeit sei heute eines der Hauptprobleme vieler Betagter. Mit einem gescheiten Angebot könne man die Menschen aber motivieren, «aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen» und noch vorhandene Fähigkeiten zu nutzen, so Bracher. «Das steigert die Lebensqualität – und senkt die Sozialkosten.»

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