Der Goalie: 21 Heimspiele in einer Woche

Langenthal

Mit einer Vorstellung für geladene Gäste

am Mittwoch und vier

öffentlichen Aufführungen gestern Donnerstag startete der Film «Der Goalie bin ig» da, wo die Handlung vorwiegend spielt, wo der Film gedreht wurde und wo der richtige Goalie lebt.

Roter Teppich und goldener Oscar in Langenthal: Für den Sponsor stimmts. Zu Pedro Lenz und zum Goalie passt das überhaupt nicht.

Roter Teppich und goldener Oscar in Langenthal: Für den Sponsor stimmts. Zu Pedro Lenz und zum Goalie passt das überhaupt nicht.

(Bild: Robert Grogg)

Es passt so gar nicht: toll beleuchteter roter Teppich (mit Regenwasserpfütze) vor dem Kino Scala, goldener Oscar und Cüpli für die vom Sponsor Baloise Bank SoBa eingeladenen Gäste. Das passt nicht zum Film, nicht zum Goalie und auch nicht zu Pedro Lenz. In Langenthal findet eine weitere Vorpremiere von «Der Goalie bin ig» statt, der gestern Donnerstag schweizweit in die Kinos kam. Im Scala sitzt das falsche Publikum: vorwiegend gut versicherte und finanziell abgesicherte Kunden der Baloise. Das pure Gegenteil der Typen im Film. Am Schluss gibts höflichen Applaus. Dann fährt man per Bus zu Häppchen in den Bären. Für den Sponsor ist es ein gelungener Abend. Er eröffnet am 1.April an der Langenthaler Wiesenstrasse eine neue Filiale.

Eine Liebeserklärung

Der Goalie hätte für dieses Tamtam sicher coole Worte bereit. Bezeichnenderweise wäscht er seinen Renault R4 in der ersten Einstellung an der «Rue de blamage», an der Thunstettenstrasse also. Langenthaler wissen: Der Film-Goalie kann nur hier wohnen. Auch wenn Sozialarbeiter und Politiker seit Jahren erfolgreich am schlechten Ruf dieses Quartiers arbeiten. Genau da gehört der Goalie hin. Er ist der geborene Verlierer.

Das Buch von Pedro Lenz spielt in Schummertal – ein Synonym für Langenthal. Die Filmcrew war anfänglich gar nicht begeistert. Ein paar schöne Ecken, ein paar Bausünden und dazwischen Belangloses. Das war der erste Eindruck, den die Zürcher gewannen. Pedro Lenz musste viel Überzeugungsarbeit leisten. Das sei eben die Realität, hat er den Filmleuten immer wieder erklärt. Vieles hätten die Filmleute verändern und dramatisieren wollen. Zum Glück habe das Geld dafür nicht gereicht. Auffallend: Im Buch kommt Schummertal schlecht weg. Der Film dagegen ist schon fast eine Liebeserklärung an Langenthal.

«E blöde Lafericheib»

Apropos Liebeserklärung; wenn Regula im Film zum Goalie sagt: «Du bisch e blöde Lafericheib», dann ist das eine Liebeserklärung. Nur merkt das der Angesprochene nicht. Viel lieber erzählt er Geschichten. So versucht er Problemen und auch sich selber aus dem Weg zu gehen.

Ganz ähnlich ist das mit dem Jugendfreund von Pedro Lenz, der über weite Strecken als Vorlage für den Goalie diente. Er hat das Buch gelesen, fand es gut, hat dabei aber keinen Link zu sich selber gemacht. Der Goalie lebt in Langenthal, sass zwar nie «gfüdlet im Grosse Moos», trinkt aber gerne ein Bierchen, raucht wohl auch mal was, klopft Sprüche wie im Film. «Alle, die ihn und das Buch kennen, wissen eigentlich, wer dieser liebenswürdige Typ ist», so Pedro Lenz. Im Buch sagt der Goalie bezeichnenderweise zum Richter: «I gseh äbe immer nume di chliine Gschichte.»

Wenn es mit dem Schreiben seinerzeit mal nicht so recht vorwärtsgegangen sei, da habe er wieder mal seinem Schulfreund zugehört und sofort gewusst: «Genau so muss der Goalie sprechen.»

Ungeschminkte Reaktionen

Wenn der Film jetzt in Langenthal laufe, dann sei er tatsächlich aufgeregt, sagt der Autor: «Viele kennen mich, die sagen mir ungeschminkt ins Gesicht, was sie vom Film halten. Deshalb sind mir die Reaktionen hier auch besonders wichtig.» Hat der Film den Groove der Achtzigerjahre getroffen? Lenz: «Ja. Alle wollten weg, hatten grosse Pläne. Trotzdem sind diese Typen immer im Sternen oder im James hängen geblieben.» Wenige sind wirklich weg-, viele zurückgekommen. «Das ist typisch für Langenthal und für das Mittelland. Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich das», sagt Pedro Lenz. Schön an Langenthal sei auch, dass man unschöne Geschichten vergessen könne: «Wenn ich hier heute einen früheren Lehrer sehe, dann kann ich lachen.»

Übrigens: Der Film «Der Goalie bin ig» endet wohltuend unschweizerisch – also ganz ohne Happy End oder erhobenen Zeigefinger. In der ersten Woche sind im Langenthaler Kino Scala nicht weniger als 21 Vorführungen geplant. Robert Grogg>

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