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Bei der Feuerwehr ist Feuer im Dach

Talauf, talab sorgen Feuerwehrfusionen für Diskussionen. Während manche längst fusioniert haben, kämpfen andere Feuerwehren für Eigenständigkeit.

Bekämpfen Trachselwalder, Sumiswalder und Affolterer Feuerwehrleute bald gemeinsam den Feuerteufel? Im Bild absolviert die Feuerwehr Trachselwald ihre jährliche Hauptübung.
Bekämpfen Trachselwalder, Sumiswalder und Affolterer Feuerwehrleute bald gemeinsam den Feuerteufel? Im Bild absolviert die Feuerwehr Trachselwald ihre jährliche Hauptübung.
Andreas Marbot

Im Seniorenheim Im Häntsche in Trachselwald brennt die Einstellhalle. Rauch entweicht aus Türen und Fenstern, nimmt einem die Sicht und verdunkelt den sonnigen Herbsttag. Doch es dauert keine Minute, schon rückt die Feuerwehr Trachselwald an. Die Mannen entrollen Schläuche, schliessen Hydranten an und installieren einen Lüfter. Mit Helm, dicken Hosen und Jacken und teilweise Atemschutzgeräten arbeiten sie ruhig und konzentriert, jeder Handgriff sitzt.

Einzig ein Lachen hie und da erinnert daran, dass es sich bei der ganzen Szenerie «nur» um eine Übung handelt. Aber um eine wichtige: Die Feuerwehr Trachselwald absolviert nämlich ihre jährliche Hauptübung. Und dazu probt sie den Ernstfall im Seniorenheim. Versuchsweise gerettet werden aber keine Senioren, sondern Kollegen. Die Heimbewohner sitzen auf der Terrasse und schauen dem Treiben interessiert zu. Ebenso Frauen, Kinder und Mütter der mutigen Männer.

Noch nicht über Details informiert

Bei vielen Feuerwehren im Kanton Bern und im Emmental ist derzeit Feuer im Dach: Seit die Gebäudeversicherung Bern (GVB) ihre Anforderungen erhöht hat (siehe Kasten), sind in allen Kantonsteilen Fusionsverhandlungen im Gang. Denn nicht alle kleinen Feuerwehren können die Bedingungen erfüllen.

Trachselwald kann das im Moment noch und verfügt beispielsweise über die erforderliche Wärmebildkamera. Dennoch befindet sich die Feuerwehr mit den beiden Nachbarn Sumiswald und Affoltern in Fusionsverhandlungen. Mit Sumiswald besteht längst eine enge Zusammenarbeit, so beispielsweise im Bereich Atemschutz. Noch befinden sich die Verhandlungen der drei Feuerwehren im Anfangsstadium, Details kennen die Trachselwalder Feuerwehrleute deshalb noch keine. Klar ist einzig, dass die drei Gemeindeversammlungen 2013 über die Fusion abstimmen sollen.

Junge fürchten sich weniger vor einer Fusion

Auch wenn die Informationen erst spärlich geflossen sind; die Feuerwehrfusionen im Emmental sind natürlich auch bei den 66 Männern und der einen Frau der Feuerbekämpfer Trachselwald ein Thema. So etwa bei den drei jungen Helfern Andreas Gysel, Daniel Gysel und Hanspeter Bieri. Die ersteren beiden sind seit drei Jahren dabei, letzterer seit Jahresfrist. Während die Gysel-Brüder die Schläuche führen, ist Bieri in der Atemschutztruppe. Die drei sind sich einig: «Eines Tages fusioniert unsere Feuerwehr sowieso.» Bieri ergänzt, er glaube nicht, dass sich nach einer Fusion tatsächlich viel ändere an seiner Tätigkeit als Feuerwehrmann. Wichtig ist ihm aber eines: «Wenn wir von Anfang an bei den Verhandlungen dabei sind, können wir noch mitreden. Schliessen wir uns erst später einer fusionierten Feuerwehr an, ist es dafür zu spät.» Die drei glauben, dass eine Fusion den altgedienten Feuerwehrleuten mehr Mühe bereiten würde als den jungen. Dass die Feuerwehr ihren Charakter eines Ortsvereins verlieren würde, befürchten sie nicht. Aber: «Die Einsatzwege würden länger, die Einsätze eventuell schwieriger, wenn man in Orten unterwegs ist, die man nicht kennt», gibt Andreas Gysel dann doch zu bedenken.

Diese Befürchtung teilt auch ein Feuerwehrmann, der an diesem Tag seine letzte Übung absolviert und danach verabschiedet wird. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Obwohl eine Fusion ihn nicht mehr betreffen würde, macht er sich Gedanken. «Wenn es in einem unserer abgelegenen Hügel brennt, findet der Sumiswalder dann diesen Ort?», fragt sich der Mann. «Oder kennt der Auswärtige die Wege, die ein Tanklöschfahrzeug passieren kann?» Die Gegebenheiten einer Gegend zu kennen, sei wichtig für eine effektive Rettung.

Auch Paul Grossenbacher nimmt nach 29 Jahren an seiner letzten Übung teil. Er ist noch unentschlossen, was seine Meinung einer Fusion gegenüber betrifft, rechnet aber damit, dass sie so oder so kommt. «Ich fürchte mich aber davor, dass Sumiswald das Kommando hat und Heimisbach nur noch Hilfsdienste leistet.» Unglücklich sei er jedenfalls nicht, das Fusionsprozedere nicht miterleben zu müssen.

«Ich denke, sie werden positiv eingestellt sein»

Nachdem sich an diesem Herbstsamstag der Rauch aus der Einstellhalle des Seniorenheims verzogen hat, lobt der Einsatzleiter seine Teams. Verschwitzt ziehen die Feuerwehrleute Helme und Handschuhe aus. Nach einem ausführlichen Feedback folgt der gemütliche Teil, das Zusammensitzen bei Bier und Wurst. Würde dieses anders ausfallen, wenn nun mit am Tisch Affolterer und Sumiswalder sitzen würden?

Bernhard Minder ist Ausbildungsverantwortlicher der Feuerwehr Trachselwald. Und einer der wenigen, die bereits eine klare Meinung haben. «Ich plädiere für die Eigenständigkeit. Wir schaffen das.» Sollte sich aber eine Mehrheit seiner Leute für die Fusion aussprechen, könne er damit leben. Er gibt aber zu bedenken: «Die Feuerwehr hat im Dorf einen wichtigen Stellenwert, und das muss so bleiben. Im Falle einer Fusion könnte dieser Stellenwert verloren gehen.» Für ihn sei deshalb auch verständlich, dass sich ältere Feuerwehrleute eher vor einer Fusion fürchten als Junge. Wichtig sei jetzt, dass die Leute gut informiert würden, nicht dass Trachselwald in die gleiche Situation wie Dürrenroth gerate. Dort war die Gemeinde auf Druck der Feuerwehrleute kurz vor Abschluss aus den Fusionsverhandlungen mit Feuerwehren der Region Huttwil ausgestiegen.

Der Stellenwert, den Minder anspricht, zeigt sich an der Hauptübung: Wenn Löschen und Retten simuliert wird, dann ist der Ort auf den Beinen. Auch die zuständige Gemeinderätin Kathrin Scheidegger sowie Gemeindepräsident Christian Kopp verfolgen das Spektakel. Laut Scheidegger sollen die Feuerwehrleute noch diesen Spätherbst über die Details der Fusionsgespräche informiert werden.

Kommandant Peter Aeschbacher sitzt in der Projektgruppe. Eine kleine Gemeinde wie Trachselwald werde die Anforderungen an die Feuerwehr in Zukunft nur noch schwerlich erfüllen können. Aeschbacher glaubt deshalb an eine Fusion. Und: «Ich denke, sobald meine Leute die Fakten kennen, werden sie einer Fusion gegenüber positiv eingestellt sein.»

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