Bis jetzt steht es 3:0 für die Anwohner

Kirchberg

Der Kampf gegen den Bau einer Mobilfunkantenne im Dorf in Kirchberg geht in die vierte Runde: Wieder hat Sunrise ein Gesuch gestellt. Wieder verteilte das Ehepaar Boos Flugblätter. Wieder hagelte es Einsprachen.

Das Profil steht schon: Sunrise will auf dem Dach der Liegenschaft an der Zürichstrasse 1 in Kirchberg eine Mobilfunkanlage aufstellen.

Das Profil steht schon: Sunrise will auf dem Dach der Liegenschaft an der Zürichstrasse 1 in Kirchberg eine Mobilfunkanlage aufstellen.

(Bild: Thomas Peter)

Acht Jahre sind ins Land gezogen, doch geändert hat sich an der Einstellung der Bevölkerung kaum etwas. Der Widerstand ist nach wie vor heftig: Die Kirchberger wollen keine Handyantenne mitten im Dorf.

Gegen das Baugesuch des Mobilfunkanbieters Sunrise gingen im Februar 23 Einsprachen beim Emmentaler Regierungsstatthalteramt ein. 2 davon sind Sammeleinsprachen, wie Max Gerber von der Bauabteilung bestätigt.

Gefährliche Strahlung

An vorderster Front gegen die geplante Mobilfunkantenne auf dem Dach des Apothekengebäudes an der Zürichstrasse 1 kämpfen Ursula und Bruno Boos. Als die beiden das Gesuch im Anzeiger entdeckten, gingen sie auf die Barrikaden. Sie verteilten 500 Flugblätter in der Umgebung und motivierten die Leute, aktiv zu werden. Mit Erfolg: Viele kamen auf sie zu. Letztlich haben Booses eine Sammeleinsprache mit 70 Unterschriften eingereicht. Die andere Sammeleinsprache unterschrieben 13 Personen.

Die grössten Bedenken hat Bruno Boos wegen gesundheitlicher Aspekte, wie er auf Anfrage sagt. «Handystrahlungen wirken sich schädlich auf den Organismus aus.» Das Ausmass sei jedoch schwer nachzuweisen, obschon zahlreiche Studien dazu existierten. Es gebe Hinweise darauf, dass Konzentrationsstörungen oder andere chronische Beschwerden resultieren könnten – «das kann bis zu Krebs führen». Die Anwohner seien Tag und Nacht den Strahlungen ausgesetzt. Die Langzeitwirkungen seien schlicht zu wenig untersucht, so Boos.

In Kirchberg komme hinzu, dass die Antenne in unmittelbarer Nähe der Schulanlage montiert werden soll. Ein weiteres Argument seien die ungenauen Messverfahren für die Kontrolle der Strahlengrenzwerte, erhebliche Abweichungen zu den realen Werten seien möglich.

Hinzu komme die Wertverminderungen von Liegenschaften, hält Bruno Boos fest. Er denke etwa an die Überbauung Hofstattweg, wo Wohnungen leer stünden. Boos schiebt nach, dass er «kein prinzipieller Handygegner» sei. Er habe selbst ein Gerät und sei sogar Kunde von Sunrise. «Ich habe aber bei mir zu Hause und in der Umgebung eigentlich keine Probleme mit dem Empfang.»

Auch Gemeinde ist dagegen

Zu den Einsprechenden gehört auch die Gemeinde Kirchberg. Die Behörden stört ebenfalls, dass die Antenne im dicht besiedelten Dorfkern zu stehen kommen soll – nur rund 50 Meter von den Schulhäusern entfernt, wo rund 800 Schülerinnen und Schüler zum Unterricht gehen.

Im Umkreis seien insgesamt über 2000 Personen betroffen, sagt Gemeindeschreiber Hanspeter Keller. «Es schien uns von öffentlichem Interesse, eine Einsprache zu machen, zumal nicht nachgewiesen ist, dass die Strahlungen harmlos sind.» Keller weist auch darauf hin, dass man im Dorf grundsätzlich keine Empfangsprobleme habe.

Handyanlagen gibt es in Kirchberg bereits im Industriequartier und im Hochfeld. Und auch in der Nachbargemeinde Alchenflüh sind welche installiert.

Sunrise hält am Projekt fest

Für den Mobilfunkanbieter ist es der vierte Anlauf in Kirchberg. Die ersten drei Vorhaben scheiterten (siehe Kasten). «Nun konnte die Anlage so geplant werden, dass sie optisch nur minimal in Erscheinung tritt und weder das Ortsbild noch geschützte Projekte übermässig beeinträchtigt», teilt Mediensprecher Roger Schaller auf Anfrage schriftlich mit. Der Realisation sollte nichts entgegenstehen.

Auf die Frage, warum das Unternehmen die Antenne im Zentrum aufstellen will, antwortet er: Die jährliche Verdoppelung des Datenvolumens auf dem Mobilfunknetz verlange laufend Kapazitätserweiterungen. Die Netze müssten kontinuierlich optimiert werden, damit sie mit dem rasanten Wachstum Schritt halten könnten. Wegen der umweltrechtlichen Rahmenbedingungen könnten sie aber hierzulande nicht auf bestehenden Stationen ausgebaut werden. Kapazitätserweiterungen bedingten den Bau von neuen Basisstationen. Der Sprecher betont, dass Vorsorgewerte politisch motiviert seien. «Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine klaren Hinweise, dass Mobilfunkstationen das Wohlbefinden negativ beeinflussen.»

Statthalter wird entscheiden

Sunrise will laut Firmensprecher Schaller eine Stellungnahme zu den Einsprachen verfassen. Danach erhalten die Einsprechenden Zeit für eine Schlussbemerkung. Zu Einspracheverhandlungen werde es kaum kommen, sagt Max Gerber vom Statthalteramt.

Der Statthalter werde einen Entscheid für oder wider die Mobilfunkanlage fällen. Das könne gut einige Wochen dauern. Die Unterlegenen haben dann die Möglichkeit, den Entscheid an die nächsthöhere Instanz, sprich den Kanton, weiterzuziehen.

Berner Zeitung

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