Burgdorf: Einem Konzertlokal droht das Aus

Burgdorf

Der Kulturclub im Maison Pierre in Burgdorf hat eine unsichere Zukunft: Die 1853 erbaute Gewerbeliegenschaft steht zum Verkauf. Für die heutigen Nutzer des Hauses ist der geforderte Preis von 400'000 Franken unerschwinglich.

Früher Käselager, heute Kulturclub: Das Maison Pierre an der Scheunenstrasse ist zu einem Begriff geworden.

Früher Käselager, heute Kulturclub: Das Maison Pierre an der Scheunenstrasse ist zu einem Begriff geworden.

(Bild: Thomas Peter)

«Aus dem früheren Magazin der ehemaligen Käseexportfirma Roth könnte man etwas Schmuckes machen», sagt der Berner Architekt Ruedi Rast, dem aber bewusst ist, dass man hierfür «Geld in die Hand nehmen muss». Er habe die Liegenschaft vor 23 Jahren «aus rein strategischen Gründen» gekauft. Denn Rast wollte sich nach dem Kauf des angrenzenden Alpina-Areals alle Nutzungsoptionen offenhalten. Nun will er das Haus, das er über all die Jahre saniert und erhalten hat, verkaufen. Denn für ihn sei dieses Objekt bisher «ein reines Verlustgeschäft» gewesen.

«Preis ist unrealistisch»

Am liebsten würde Rast die frühere Gewerbeliegenschaft dem Kulturclub im Maison Pierre verkaufen. Dieser nutzt das Erdgeschoss seit elf Jahren für sein vielfältiges Programm. Gerade eben trat der Oberländer Kultrocker Hanery Amman auf. Rasts Wunsch geht an die Adresse von Manuel von Gunten, der dem Kulturclub im Maison Pierre als Präsident vorsteht.

Er hat das Haus als Privatperson in einem Dreijahresvertrag gemietet, er vermietet es aber an den Kulturclub, an einen Schlagzeuglehrer, zwei Musikbands sowie den Pétanque-Club Burgdorf weiter. Für ihn sei die Vermietung der Liegenschaft kein Geschäft, sondern es gehe gerade so auf, erklärt von Gunten.

Hat er Interesse am Kauf des alten Hauses an der Scheunenstrasse? Ruedi Rast habe ihm noch kein Angebot gemacht, sagte von Gunten auf Anfrage. Für ihn ist aber klar, dass der Verkaufspreis von 400'000 Franken «unrealistisch ist». Bei nur zwölf Anlässen pro Jahr, für welche der Regierungsstatthalter eine Ausnahmebewilligung erteile, und maximal 140 Sitzplätzen könne diese Summe nicht aufgebracht werden. Komme dazu, dass die Liegenschaft sanierungsbedürftig sei. Zu diesem Schluss kommt auch Jürg Weyermann. Er ist Co-Präsident des Pétanque-Clubs Burgdorf, der im Keller des Hauses zwei Spielbahnen eingerichtet hat.

Mit 110 Mitgliedern und einem Jahresbeitrag von 30 Franken habe sein Verein nicht die Möglichkeit, das Haus zu kaufen. Wohl kein Interesse hat auch die Stadt Burgdorf. Dieses Geschäft sei zwar noch nicht diskutiert worden, doch habe die Stadt bezüglich Kulturraum eigene Liegenschaften im Fokus, sagte Gemeinderat Andrea Probst auf Anfrage. Vor Jahren hatte die Stadt in diesem Gebäude Räume für die Jugendarbeit gemietet.

Was wäre baulich möglich?

Einer Sanierung des früheren Käsemagazins der Roth-Dynastie wären enge Grenzen gesetzt, zumal der 1853 nach den Plänen des Burgdorfer Bauinspektors Robert Roller erstellte Sichtriegelbau als schützenswertes K-Objekt klassifiziert ist. Francesco M. Rappa von der Lubana AG, der die Liegenschaft vermarktet, geht deshalb davon aus, dass das als «Gewerbeliegenschaft mit Charme» zum Verkauf ausgeschriebene Objekt baulich kaum umgebaut werden könnte. Welche Veränderungen im Dachbereich möglich wären, müsste mit der Denkmalpflege und der Baubewilligungsbehörde anhand eines konkreten Projektes diskutiert werden, sagt Peter Hänsenberger, Chef der Baudirektion.

Manuel von Gunten hofft, dass mit Hausbesitzer Rast eine Lösung gefunden werden kann. Würde das Haus an einen Investor verkauft, «wäre dies wohl das Ende des Kulturclubs».

Berner Zeitung

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