Das illegale Hobby im Nebenraum

Hasle

Ein 43-jähriger Mann ist am Dienstag vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten verurteilt worden. Er hatte im alten Zeughaus in Hasle eine Indoorhanfanlage betrieben.

Bis am 25. März 2014 blühte im alten Zeughaus in Hasle der Hanf. Dann machte die Kantonspolizei Bern dem Nebenerwerb eines Emmentalers ein Ende.

Bis am 25. März 2014 blühte im alten Zeughaus in Hasle der Hanf. Dann machte die Kantonspolizei Bern dem Nebenerwerb eines Emmentalers ein Ende.

(Bild: Andreas Marbot)

Der Fall hatte vor knapp einem Jahr für Aufsehen gesorgt: Im alten Zeughaus an der vielbefahrenen Thunstrasse in Hasle hatte die Kantonspolizei Bern eine Indoorhanfanlage ausgehoben und danach einen Mann auf die Wache geführt. Am Dienstag stand dieser vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau.

Zur Last gelegt wurden dem 43-jährigen Emmentaler gewerbsmässig qualifiziert begangene Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Widerhandlungen gegen das Waffengesetz. Da der Beschuldigte den Sachverhalt anerkannte und nicht mehr als 5 Jahre Freiheitsstrafe gefordert wurden, stimmt die Staatsanwaltschaft der Durchführung des abgekürzten Verfahrens zu.

Entsprechend kurz fiel die Befragung des Beschuldigten durch Gerichtspräsident Samuel Schmid aus. Mit der Bejahung der Sachlage in der Anklageschaft hatte der Mann zugegeben, in der Zeit zwischen Oktober 2011 und 25. März 2014 eine professionelle Indoorhanfanlage betrieben zu haben. Diese baute er in Teilen der von ihm gemieteten Liegenschaft an der Thunstrasse in Hasle ein.

Als die Kantonspolizei Ende März letzten Jahres die Hausdurchsuchung durchführte, kamen 55 Mutterpflanzen und 938 Stecklinge zum Vorschein. Durch den Betrieb der Indoorhanfanlage konnte der Beschuldigte gemäss Staatsanwaltschaft mindestens 10'000 Stecklinge hauptsächlich an drei Abnehmer verkaufen – dies zu einem Stückpreis von 4 Franken.

Zudem habe er weitere Anstalten getroffen, auch künftig Hanf und Stecklinge in grösseren Mengen zu verkaufen und diese damit «einem breiten Personenkreis zugänglich zu machen». Die Käufer hätten die Stecklinge zur Herstellung von Indoor- oder Outdoor-Marihuana verwendet, heisst es in der Anklageschrift.

Es war ein Kick

Durch den Betäubungsmittelhandel erzielte der Beschuldigte einen Reingewinn von etwa 10'000 Franken. Mindestens teilweise habe er sich damit den Lebensunterhalt finanziert. Ob für ihn dieses Geld eine wirtschaftliche Notwendigkeit gewesen sei, wollte Gerichtspräsident Samuel Schmid vom Angeklagten wissen. «Nein», sagte dieser, «ich komme mit meinem Lohn gut durch.» Es sei mehr ein Kick gewesen, der ihn dazu verleitet habe, eine illegale Hanfanlage im alten Zeughaus einzurichten.

Zuerst sei es dieser Kick gewesen, «aber irgendwann war es wie ein Hobby». Fasziniert zeigte sich Gerichtspräsident Schmid davon, dass der Hanfproduzent seine Anlage durch den Einbau einer Türe und ein davor verschiebbares Gestell abgesichert hatte.

«Sagte ihre Frau nie: ‹Hör auf damit›?», wollte Schmid vom Beschuldigten wissen. «Doch», sagte letzterer, dies sei schon zur Diskussion gestanden. Sein neues Hobby konnte er pflegen, weil die Indoorhanfanlage just neben seiner Werkstatt angesiedelt war. «Das Hobby war nicht zu zeitintensiv», sagte der Mann vor Gericht.

Wohl nicht zuletzt deshalb wollte der Gerichtspräsident wissen, ob der professionell aufgezogene Handel mit Hanf noch einmal ein Thema für den Beschuldigten sein könnte. Nein, erklärte dieser, es sei «nicht nett», wenn die Behörden zu Hause einfahren würden. Erst recht, wenn da noch kleine Kinder anwesend seien. «Da fragt man sich schon, ob es der Wert ist», sinnierte der Mann, der von Rechtsanwalt Martin Gärtl verteidigt wurde.

Das erste Delikt

Vorgeworfen wurde dem Beschuldigten zudem eine Widerhandlung gegen das Waffengesetz, weil er einen Schalldämpfer mit Laservorrichtung hergestellt hatte und auch besass, ohne über die erforderliche Ausnahmebewilligung zu verfügen.

Gerichtspräsident Schmid korrigierte die Anklageschrift mit dem Hinweis, dass die Herstellung des Schalldämpfers bereits verjährt sei. Aufrechterhalten wurde damit einzig jener Anklagepunkt, der den illegalen Besitz des Waffenteils betraf.

Staatsanwältin Eva Häberli Vogelsang erklärte, das Strafmass von 13 Monaten (der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren) hätte auch leicht erhöht ausfallen können, weil der Angeklagte die Indoorhanfanlage relativ professionell betrieben habe; allerdings sei dies das erste Delikt des Mannes gewesen. Rechtsanwalt Martin Gärtl stellte fest, eine Freiheitsstrafe von 13 Monaten sei angemessen.

Des Richters Unzufriedenheit

«Angemessen ist nicht das, was ich für richtig erachte», sagte Gerichtspräsident Schmid bei der Urteilseröffnung. Das Strafmass sei auf das Verhandlungsgeschickts des Anwalts und der Grosszügigkeit der Staatsanwältin zurückzuführen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass der ehemalige Hanfproduzent seine grossen handwerklichen Fähigkeiten künftig allein für seine berufliche Tätigkeit einsetzen werde.

Verurteilt wurde der Mann zu der vorgenannten Freiheitsstrafe von 13 Monaten. Zudem muss er eine Busse von 2000 Franken und Verfahrenskosten in Höhe von knapp 5000 Franken bezahlen; an letztere werden 2800 Franken angerechnet, welche im März 2014 als Bargeld beschlagnahmt worden waren.

Berner Zeitung

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