Der Rothirsch muss auf die Wildquerung warten

Oberaargau

Bundesrat Moritz Leuenberger schiebt die Wildquerung für den Oberaargau auf die lange Bank. Erst 2019 ist sie geplant.

Die Autobahn A1 verbindet nicht nur, sie trennt auch. Den Lebensraum von Wildtieren zum Beispiel. Weil im Oberaargau eine Wildbrücke fehlt, endet die Wanderung von Rothirsch, Wildschwein und Co. oftmals an den Zäunen entlang der Nationalstrasse. Die einen Tiere treten den Rückweg an, andere verheddern sich und verenden oder werden überfahren. Bei Umweltschützern, Jägern und Kantonsbehörden gibt das Thema längst zu reden. Jetzt hat sich sogar Bundesrat Moritz Leuenberger geäussert. In einem Brief an die kantonale Volkswirtschaftsdirektion stellt er zwar einen Wildtierkorridor in Aussicht – aber nicht heute und morgen. Sondern erst in zehn Jahren.Kanton für WildkorridorAusschlaggebend für Leuenbergers Brief ist eine Resolution von Pro Natura Bern. An ihrer Delegiertenversammlung im Mai hat die Organisation den Bund aufgefordert, die im Kanton geplanten Wildübergänge in Heimberg-Uttigen und in Oberbuchsiten, an der Grenze Solothurn/Oberaargau, rasch voranzutreiben.Sukkurs erhält Pro Natura vom Kanton Bern: In einem gemeinsamen Brief unterstützten die Regierungsräte Barbara Egger-Jenzer und Andreas Rickenbacher (beide SP) die Forderung «mit Nachdruck». Weil sich der Rothirsch in den betroffenen Gebieten «stark etabliert» habe, hätten die geplanten Wildquerungen «rasch an Bedeutung gewonnen». Warten bis ins Jahr 2019Für Bundesrat Moritz Leuenberger reicht das offenbar nicht. Der Wildkorridor in Heimberg sei erst in den Jahren 2016/17 vorgesehen, schreibt er in seinem Brief. In Oberbuchsiten dürfte es sogar bis ins Jahr 2019 dauern – bis der Ausbau des Teilstücks Luterbach – Härkingen auf sechs Spuren konkret werde. Für Leuenberger ist diese Wartezeit nicht unüblich: «Wildquerungen werden grundsätzlich zusammen mit anstehenden Strassenarbeiten realisiert. Das verhindert eine zweimalige, erhebliche Verkehrsbehinderung und senkt die Kosten.»«Zwischenziel erreicht»Für Hans-Ulrich Sterchi ein schwacher Trost. «Natürlich hätten wir die Wildquerung gerne früher fertig», so der Präsident von Pro Natura Bern. Für die Argumentation des Bundesrats habe er allerdings auch Verständnis. Schliesslich könne ein solches Projekt nicht von heute auf morgen realisiert werden. Sterchi: «Ein Zwischenziel haben wir mit unserer Resolution allerdings erreicht. Der Bundesrat weiss jetzt, dass in Sachen Wildquerungen Handlungsbedarf besteht.»

Berner Zeitung

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