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Diverse Linien des öffentlichen Verkehrs stehen auf der Kippe

Zu wenig Fahrgäste in Oberaargauer Bussen und Zügen: Etliche Linien im öffentlichen Verkehr stehen derzeit auf dem Prüfstand. Im Hinblick auf das Angebotskonzept 2014–2017 verlangt der Kanton jetzt Lösungen.

Zu geringe Nachfrage oder defizitär: Etliche Linien im Oberaargauer ÖV stehen derzeit auf dem Prüfstand.
Zu geringe Nachfrage oder defizitär: Etliche Linien im Oberaargauer ÖV stehen derzeit auf dem Prüfstand.
Thomas Peter

Der öffentliche Verkehr im Oberaargau steht vor dem Umbruch: Bald muss die regionale Verkehrskonferenz (RVK) ihre Vorschläge beim Kanton abliefern, wie der öffentliche Verkehr in der Region für die Jahre 2014–2017 aussehen soll. Ein solches Angebotskonzept erstellt die RVK alle vier Jahre neu. Absegnen muss es letztlich der Kanton. Fest steht schon heute: Auf die RVK, in der alle Oberaargauer Gemeinden vertreten sind, wartet viel Arbeit.

Ein Blick in die ÖV-Statistik mit den Zahlen von 2009 zeigt: Mehr als ein halbes Dutzend aller Linien in der Region laufen nicht wie gewünscht. Dazu zählen etwa die Buslinien Herzogenbuchsee–Wynigen oder Huttwil–Eriswil. Den minimalen Anforderungen des Kantons genügt aber auch die Bahnlinie Langenthal–St.Urban nicht. Das Problem: Die betroffenen Züge und Busse transportieren entweder gemessen an ihrer Frequenz zu wenig Fahrgäste, oder sie sind schlicht defizitär. Der Kanton verlangt jetzt, dass die RVK diese Linien unter die Lupe nimmt. Im schlimmsten Fall müssen Strecken gestrichen werden.

Rohrbachgraben streicht Bus

Doch so weit ist es noch nicht. Bruno Meier vom kantonalen Amt für öffentlichen Verkehr (AöV) versichert: Das Ziel sei, auch ab 2014 die heutigen Linien beizubehalten. Vorerst passiere mit den schlecht ausgelasteten Strecken nichts. Hinzu kommt: Die Nachfrage auf einigen dieser Linien «nimmt derzeit deutlich zu». Der Ball liegt nun bei der RVK. Sie muss eine Lösung finden, wie das Angebot allenfalls angepasst werden kann, damit die Vorgaben des Kantons eingehalten werden können.

Für eine Strecke indessen ist der Zug bereits abgefahren: Wie am Donnerstag bei der Ausschuss-Sitzung der RVK bekannt geworden ist, hat Rohrbachgraben seinen Linienbus nach Rohrbach gestrichen. Das Angebot sei zu wenig genutzt worden, sagt Gemeindeschreiber Christian Iseli. Faktisch ändert sich wenig: Der Bus fährt wie bisher, primär aber nur für Schulkinder. Eine ähnliche Änderung tritt mit dem Fahrplanwechsel 2011 in den Berggemeinden am Jurasüdfuss in Kraft. Der Bus-Abschnitt Niederbipp–Wolfisberg indes wird hier gestrichen.

Lösungen für die prekären Linien finden muss nun RVK-Verkehrsplaner Roland Haldemann. Als «schwierige Linie» bezeichnet er unter anderem die Busstrecke Huttwil–Eriswil. Obwohl sie schlecht ausgelastet ist, kann die Frequenz der Fahrten aber nicht reduziert werden. Denn sinken die Frequenzen noch weiter, geht die Nachfrage laut Haldemann sprunghaft zurück. «Das wäre der Tod der Strecke.»

Dass im Oberaargau Busse und Züge schlecht ausgelastet sind, ist erstaunlich: Denn die Zahlen des Kantons belegen, dass die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen ist. Das bestätigen auch die Erhebungen der Aare Seeland mobil (ASM) AG, die den Hauptharst des Angebots im Oberaargau stellt. Hatte das Unternehmen im Jahr 2007 noch rund 2,5 Millionen Fahrgäste transportiert, waren es im Jahr 2010 bereits über 3 Millionen.

Die Zunahme konzentriert sich allerdings auf bereits heute stark frequentierte Strecken rund um Langenthal. Laut Markus Flück, bei der ASM Leiter des Bahnbetriebs, sind dies vor allem die Buslinien von Langenthal nach Melchnau sowie nach Herzogenbuchsee. Flück macht denn auch keinen Hehl daraus, dass die heutigen 12-Meter-Busse in den Stosszeiten langsam, aber sicher an ihre Kapazitätsgrenzen stossen würden. In Zukunft brauche es auf diesen Strecken vermutlich Gelenkbusse, sagt er. Das zumindest ist der Wunsch der ASM, wie er im neuen Angebotskonzept 2014–2017 deponiert werden soll. Der Haken: Die grossen Gelenkbusse brauchen mehr Platz und würden entsprechende bauliche Anpassungen an den Bahnhöfen erfordern.

Darüber hinaus wünscht sich die ASM den durchgehenden 30-Minuten-Takt zwischen Langenthal und Niederbipp sowie den Stundentakt auf den Buslinien an den Wochenenden.

«Massiver Kostensprung»

Wie die Vorschläge der RVK zuhanden des Kantons im Detail aussehen werden, kann Planer Haldemann noch nicht sagen. Fest steht für ihn nur: Das heutige System kann nicht effizienter betrieben werden. Und solle das Angebot ausgebaut werden, bringe dies einen «massiven Kostensprung».

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