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Ein Label soll Emmentaler-Verkauf ankurbeln

Gestern wurde in der Käserei Rüderswil der erste Emmentaler Laib aufgeschnitten, der unter der Marke Emmentaler Switzerland Tradition verkauft wird. Neun Käsereigenossenschaften produzieren «ursprünglichen» Käse.

Emmentaler Switzerland Tradition: Käsehändler Walo von Mülenen präsentiert den ersten angeschnittenen Laib.
Emmentaler Switzerland Tradition: Käsehändler Walo von Mülenen präsentiert den ersten angeschnittenen Laib.
Ueli C. Gerber/zvg

Es sah nicht gut aus im November 2008. Der Emmentaler verkaufte sich schlecht, und die Käsereien durften nicht alle ihre Milch verkäsen. Diese von der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland befohlene Einschränkung betraf auch Käserweltmeister Anton Wyss auf der Mutten ob Signau und Christian Wüthrich in Rüderswil. Das gefiel Walo von Mülenen, dem Käsehändler aus dem freiburgischen Düdingen, gar nicht. Denn Käse von so guter Qualität und erst noch aus dem Herzen des traditionellen Ursprungsgebiets des Emmentalers «verkauft sich fast von selbst», wie er gestern an einer Medienkonferenz in der Käserei Rüderswil sagte.

Eine kurze Revolution

Vier Käsereigenossenschaften probten dann den Aufstand. Sie wollten aus der Sortenorganisation austreten, um fortan so viel Milch verkäsen zu können, wie sie Käse verkaufen könnten. Doch sie mussten zurückkrebsen. Denn auch von Mülenens Käsehandel und dessen Besitzerin, die Cremo SA., hätten austreten müssen. Sonst hätten sie mit den aufmüpfigen Käsern keine Geschäfte machen dürfen. «Das Ganze war juristisch zu stark verbundhäkelt», musste auch Peter Pfister aus Zollbrück einsehen. Er ist Präsident der Vereinigung Emmentaler Switzerland Tradition, in der sich die Genossenschaften zusammen- schlossen.

Der erste Laib

Heute bezahlen diese ihren Beitrag an die Sortenorganisation wieder und halten sich nach wie vor an deren Mengenvorgaben. Trotzdem hatten sie gestern in Rüderswil Grund zum Feiern: Käser Anton Wyss konnte den ersten gut 90 Kilo schweren Emmentaler aufschneiden, der als «Der Ursprüngliche aus dem Emmental» bezeichnet wird. Nebst der geschützten Ursprungsbezeichnung AOC trägt er zusätzlich die ebenfalls geschützte Marke Emmentaler Switzerland Tradition. Für dieses Label müssen die Käsereigenossenschaften ein strengeres Pflichtenheft erfüllen als für den AOC-Emmentaler: Die neun Käser, die inzwischen für die neue Marke produzieren, dürfen nur eine Charge Milch pro Tag verkäsen. Die Bauern müssen ihre Milch morgens und abends einliefern, ihre Betriebe dürfen nicht mehr als 10 Kilometer von der Käserei entfernt liegen. Mitmachen kann, wer zum Verwaltungskreis Emmental gehört. Voraussetzung ist allerdings eine hohe Qualität: Die Käser müssen mit ihrem Produkt im Durchschnitt mindestens 19,1 Taxationspunkte erreichen. «Sie müssen sehr, sehr gut produzieren», kommentierte Wyss.

Chance für kleine Betriebe

Nebst den beiden Käserweltmeistern Wyss und Wüthrich produzieren folgende Käsereigenossenschaften für das neue Label: Arni, Langnau-Ilfis, Leimiswil, Schärlig, Schüpbach, Schwanden und Signau-Höhe. Laut Wyss handelt es sich dabei um eher kleine Betriebe, die wegen der Topografie schlecht expandieren könnten und deshalb auf ausserordentlich hohe Qualität setzten.

Insgesamt werden gegenwärtig pro Jahr rund 14 Millionen Kilo Milch zu «ursprünglichem Emmentaler» verarbeitet. Der Emmentaler Switzerland Tradition wird vorab im Ausland vermarktet, soll aber laut dem Verein auch in der Schweiz zu finden sein.

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