Eine Nutzung für jeden einzelnen Raum

Herzogenbuchsee

Die Schlachthaus-Crew will das Kreuz in Herzogenbuchsee im Baurecht übernehmen und das marode Traditionshaus auch mithilfe eines Gemeindekredits wieder auf Vordermann bringen. Im Juni entscheidet die Gemeindeversammlung.

Prognostizieren dem Kreuz sonnige Zeiten: Gemeindepräsident Markus Loosli, Marc Guggenbühler vom Alten Schlachthaus und IG-Kreuz-Mitbegründer Albert Weibel präsentierten gestern das neue Konzept, mit dem das Traditionshaus wieder in Schwung gebracht werden soll.

Prognostizieren dem Kreuz sonnige Zeiten: Gemeindepräsident Markus Loosli, Marc Guggenbühler vom Alten Schlachthaus und IG-Kreuz-Mitbegründer Albert Weibel präsentierten gestern das neue Konzept, mit dem das Traditionshaus wieder in Schwung gebracht werden soll.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Kathrin Holzer

Ein halbes Jahr nachdem die Kulturcrew des Alten Schlachthaus ihr Interesse an einer Übernahme des Buchser Kreuz publik machte, konnte ihr Mitinitiant Marc Guggenbühler gestern auch schon das zwischenzeitlich erarbeitete Konzept für den Umbau der traditionsreichen Liegenschaft und deren künftiger Nutzung vorstellen.

Sie wollten «machen, nicht schwatzen», zitierte er einleitend die 1925 verstorbene Amélie Moser-Moser, die für das Kreuz einst so prägend gewesen war. Und er versprach damit nicht zu viel. Alle Räume vom Keller bis zum Dachgeschoss und dem Wäschehaus sollen fortan genutzt werden: als von den Initianten betriebenes Hotel und Restaurant sowie als Kulturbetrieb der Altbau; wie bisher von der Mütter- und Väterberatung und zwei Kindergärten sowie neu von der Stiftung Calendula und der Musikschule als Mieter der Neubau.

Für Alt und Jung

Damit kommen die Initianten nicht nur der Forderung nach einem Kreuz für alle Generationen nach, wie sie mit dem erfolgreichen Rückweisungsantrag des 8,15-Millionen-Kredits für den Umbau und die Sanierung an der Gemeindeversammlung im Dezember 2013 laut geworden war. Auch berücksichtigen sie mit Einbezug der Musikschule ein altes Anliegen vieler Buchser.

Bei der Musikschule sei man von der Idee begeistert. Guggenbühler verweist auf die Lärmemissionen, die durch die unterirdische Lage verhindert würden, und auf den direkten Zugang, den die Schule zum Kulturlokal des Hauses hätte. Dieses sieht das Konzept im Keller des Altbaus vor, gemeinsam mit einer Bar, Backstagebereich und Lounge.

Auch ein Lift ist vorgesehen. Unverändert bliebe das Restaurant. Hotelzimmer im ersten und zweiten Obergeschoss würden ergänzt mit zwei kleineren Säli für geschlossene Anlässe – auch das Einrichten eines Trauzimmers im Moserstübli wird angesichts der Nähe zur Kirche in Betracht gezogen. Im Dachgeschoss soll ein Bankettsaal für mindestens 100 Personen entstehen.

Gesamtkosten: 4,75 Millionen

Klar, dass auch das Vorhaben nicht umsonst zu realisieren ist. Mit 4,75 Millionen Franken rechnet der Kostenvoranschlag für die Sanierung der Liegenschaft inklusive Kauf von Mobiliar. Ein Kauf des Kreuzes, wie ihn die Kulturcrew ursprünglich zur Bedingung gemacht hatte, ist dabei nicht mehr aktuell. Vorgesehen ist nun, dass die Initianten eine Kreuz Herzogenbuchsee Holding AG gründen (aufgeteilt in eine Immobilien- und eine Betriebs-AG) und das Haus im Baurecht übernehmen, der Boden aber Eigentum der Gemeinde bleibt.

Die Kulturcrew würde das Haus demnach kostenlos übernehmen. Gleichzeitig mit der Baurechtsvergabe wird der Gemeindeversammlung vom 17.Juni auch ein Investitionskredit von 2 Millionen Franken beantragt. Die restlichen 2,75 Millionen sollen durch ein Darlehen im Rahmen der neuen Regionalpolitik des Bundes, Beiträge von Stiftungen sowie öffentliche Aktienzeichnungen generiert werden.

Gemeindepräsident Markus Loosli (FDP) zeigt sich überzeugt: «Es ist eine gute Idee, die die Leute begeistern kann.» Entscheidend sei auch, dass es neben einem Konzept auch einen Betreiber gebe. Und schliesslich sei es «auch finanzpolitisch die gescheiteste Option», verweist er auf die Pflicht, in der die Gemeinde das Kreuz betreffend stehe und die damit verbundenen Unterhaltskosten. Laut Gemeindeverwalter Rolf Habegger dürften die jährlichen Kosten sogar von heute 250'000 auf nur noch 155'000 Franken sinken.

«Auf der Zielgeraden»

Gespräche mit lokalen Unternehmen, aber auch mit den heutigen Nutzern, stimmen auch Guggenbühler zuversichtlich. Die Nachfrage nach einem Hotel, wie sie es planten, sei da, sagt er. Und auch heutige Mieter wie der Judoklub im Keller würden hinter dem Projekt stehen. Noch nicht in allen Punkten einig sei man sich mit der Denkmalpflege. Auch hier sei er aber zuversichtlich, dass man sich noch finden werde.

«Ich bin guten Mutes, dass wir jetzt wirklich auf der Zielgeraden sind», sagt Albert Weibel, der sich stets für das Kreuz eingesetzt hat und in der neuen Holding neben Guggenbühler, Michael Schärer, Kathrin Bischofberger vom Schlachthaus sowie dem ehemaligen Buchser Lehrer Hanspeter Jakob im Verwaltungsrat Einsitz nehmen würde.

Behält er mit seiner Vermutung recht, soll der Umbau Ende 2016, spätestens Mitte 2017 abgeschlossen sein. Das Alte Schlachthaus, das die Initianten im Juni eigentlich hätten aufgeben wollen, werden sie nun erst einmal weiterführen – um einen nahtlosen Übergang gewährleisten und ihr Stammpublikum ins Kreuz mitnehmen zu können.

Berner Zeitung

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