«Es herrscht Stillstand»

Langenthal

Der SCL verschiebt die Realisierung des Anbaus an die Eishalle Schoren um ein Jahr. Gründe sind die Ungewissheit darüber, wann ein neues Stadion gebaut wird, und die fehlende Finanzierung. Geschäftsführer Gian Kämpf spart nicht mit Kritik.

Der SCL-Verwaltungsratsdelegierte und Geschäftsführer Gian Kämpf vermisst eine klare Haltung und eine strategische Stossrichtung in der Frage,wohin es mit der Eissportinfrastruktur in Langenthal und im Oberaargau gehen soll.

Der SCL-Verwaltungsratsdelegierte und Geschäftsführer Gian Kämpf vermisst eine klare Haltung und eine strategische Stossrichtung in der Frage,wohin es mit der Eissportinfrastruktur in Langenthal und im Oberaargau gehen soll.

(Bild: Beat Mathys)

Dominic Ramel

Auf dem Eis ist die Saison 2014/2015 für den SC Langenthal nach vier Niederlagen im Playoff-Halbfinal gegen die SCL Tigers zu Ende. Doch nach der Saison ist vor der Saison. Und so sind die Verantwortlichen des SCL wieder voll mit der Zukunftsplanung beschäftigt. Dabei hat der Verwaltungsrat am Montag entschieden, dass der geplante Anbau an die Eishalle Schoren nicht diesen Frühling und Sommer realisiert wird. «Wir verschieben die Realisierung des Annexbaus um ein Jahr», sagt der Verwaltungsratsdelegierte und Geschäftsführer Gian Kämpf.

Zwar steht der Baubewilligung mittlerweile eigentlich nichts mehr im Weg. Am Dienstag haben die Burgergemeinde Schoren, die Kunsteisbahn Langenthal AG (KEB) und der SCL endlich den notwendigen Unterbaurechtsvertrag unterzeichnet und notariell beglaubigen lassen. Somit wird die Burgergemeinde ihre Einsprache zurückziehen (wir berichteten). Kämpf rechnet daher noch diesen Monat mit der Baubewilligung vom Regierungsstatthalter. Doch laut Geschäftsführer haben andere Gründe zum Verschiebungsentscheid geführt: die Ungewissheit über die Zukunft der Eissportinfrastruktur und die noch fehlende Finanzierung seitens des SCL.

Kämpfs scharfe Kritik

Kämpf kritisiert in diesem Zusammenhang die Situation im Verein Arena Oberaargau und in der Langenthaler Politik: «Nach dem Aufbruch vor einem Jahr herrscht Stillstand.» Es fehlten eine klare Haltung und eine strategische Stossrichtung in der Frage, wohin es mit der Eissportinfrastruktur in Langenthal und im Oberaargau gehen solle. Statt zum Treiber verkomme der Verein Arena Oberaargau zum politischen Konstrukt. «Der eingeschlagene Weg im Verein und in der Stadt verunmöglicht eine rasche Verbesserung der Situation für den SCL und den Eissport im Oberaargau», moniert Kämpf.

Der Annexbau sei derzeit als Überbrückungsbau bis ins Jahr 2021 vorgesehen. Dannzumal erreicht die Eishalle Schoren ihr Betriebsende, und der Baurechtsvertrag mit den Burgern läuft aus. Bislang war laut Kämpf davon auszugehen, dass bis dahin ein neues Stadion gebaut wird. Daher ist der Anbau als einfacher, funktioneller Holzbau geplant.

«Doch es ist absehbar, dass es bis 2021 und auch darüber hinaus kein neues Stadion gibt», sagt Kämpf. Deshalb stelle sich für den SCL die Frage, ob die Pläne für den Annexbau noch mit denjenigen von Politik, KEB und Verein Arena Oberaargau übereinstimmen. «Wenn die Eishalle Schoren über das Jahr 2021 hinaus betrieben werden sollte, müssten wir unseren Anbau anders konzipieren, und die KEB müsste über die Bücher gehen.»

Im Vertrag mit den Burgern gibt es eine einmalige Verlängerungsoption für zehn Jahre, die aber bis spätestens im Frühling 2019 eingelöst werden müsste.

Unterstützung «nur zaghaft»

Seit dem Aufstieg in die NLB im Jahr 2002 beschäftige die Infrastruktur den SCL stark, führt Kämpf weiter aus. «Der SC Langenthal und sein Umfeld haben nun genug gekämpft und sind viele Risiken eingegangen.» Viele Einbauten seien vom SCL privat finanziert worden. «Während der ganzen Entwicklung hat der Klub nur zaghafte und meist erst rückwirkend öffentliche Unterstützung genossen», kritisiert er. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Öffentlichkeit respektive die Politik ein Commitment abgebe. Dies nicht zuletzt deshalb, weil alle Anspruchsgruppen der KEB vom Anbau profitieren würden. Kämpf: «Wir erwarten bis in einem Jahr ein klares Statement bezüglich der Frage, wohin es mit der Eissportinfrastruktur mittel- und langfristig gehen soll.»

Er begründet dies damit, dass es sich der SCL nicht leisten könne, mit dem Annexbau ein zu grosses unternehmerisches Risiko einzugehen. Denn schliesslich sei es die primäre Aufgabe des SCL, den Nationalliga-Eishockeybetrieb und die Nachwuchsarbeit sicherzustellen, nicht aber Baupolitik zu betreiben und öffentliche Anlagen zu modifizieren. «Solange nicht klar ist, wie es in Schoren weitergeht, wissen wir nicht, ob wir den Annexbau bis 2021 oder für länger konzipieren sollen», erklärt Kämpf. «Und solange wir das nicht wissen, können wir auch die Finanzierung nicht sicherstellen.» Derzeit rechnet er mit Kosten von rund 1,5 Millionen Franken.

Der SCL sei bereit, den Annexbau zu realisieren, betont Kämpf. Und zwar im nächsten Jahr, sofern die Finanzierung sichergestellt sei und der Klub kein grosses unternehmerisches Risiko eingehen müsse. «Aber bis dahin müssen wir wissen, wohin die Reise geht.»

Vom «Vereinli» zur Firma

Der SCL sei kein «Vereinli» mehr, sondern ein Unternehmen mit knapp 3000 Stellenprozenten, und trage eine grosse Verantwortung als verlässlicher Arbeitgeber. «Und mit dem Nachwuchs leisten wir einen grossen sozialen Beitrag zur sinnvollen Jugendförderung», sagt Kämpf. Die Nachwuchsabteilung werde Jahr für Jahr grösser und umfasse mittlerweile 220 Lizenzierte und 70 Hockeyschüler. Diese trainierten alle auf ein und demselben Eisfeld. «Auch dies organisiert und finanziert der SCL.»

Trotz aller Kritik und allem Frust hofft Kämpf, den Annexbau tatsächlich im nächsten Jahr realisieren zu können. Dannzumal feiert der Klub das 70-jährige Bestehen. «Es wäre doch schön, wenn wir den Bau mit einem grossen Volksfest einweihen könnten.»

Berner Zeitung

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